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Chronist der Umerziehung

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Bild: Hoshino Ai/unsplash

Richard Wagamese verarbeitet literarisch die eigene Geschichte. Der Schriftsteller wurde 1955 im Nordwesten der kanadischen Provinz Ontario geboren und starb 2017. Er ist einer bedeutendsten Schriftsteller Kanadas und ein Indigener aus dem Volk der Ojibwe.

In seinem Buch „Der gefrorene Himmel“ – "Indian Horse", so der englische Originaltitel – greift Wagamese seine schwere Zeit des Missbrauchs in der Residential School in Kamloops auf. Wagamese wurde 2013 mit dem Burt Award for First Nations, Inuit and Métis Literature, einem der wichtigsten Preise für indigene Literatur in Kanada ausgezeichnet und 2017 verfilmt, produziert von Clint Eastwood.

Wagameses "Indian Horse" ist eine exemplarische Geschichte: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Kanada die Residential Schools geöffnet, meist unter katholischer Kontrolle. In diesen Schulen wurden indigene Kinder entwurzelt und rücksichtslos assimiliert: Trennung von den Eltern, Verbot der Muttersprache untereinander, gewollter Kulturverlust, "Zivilisierung" durch ein grausames Züchtigungsregiment. Dazu kamen zahllose physische und sexuelle Übergriffe.

Erst 1996 wurde der letzte dieser Horrororte geschlossen. 1998 entschuldigte sich die kanadische Regierung, 2018 weigerte sich allerdings Papst Franziskus, Gleiches für seine Kirche zu tun. Die Versuche von Wiedergutmachung sind keineswegs beendet, immerhin wurde 2015 von der "Truth and Reconciliation Commission" nach sechsjähriger Arbeit der fatale Umgang mit den indigenen Kindern als "kultureller Völkermord" benannt.

BARFUSS hat über dieses Thema in seiner Reihe “The Others” berichtet.

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