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Die jüngsten Kandidaten

Aus dem Leben einer Mutter

Daniela Rungg von den Freiheitlichen hat zwei Kinder. Weil sie die Bedürfnisse junger Familien kennt, will sie diese auch im Landtag vertreten.

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Bild: Daniela Rungg - Die Freiheitlichen

Streng genommen ist Daniela Rungg, Jahrgang 1988, nicht die jüngste Kandidatin der Freiheitlichen. BARFUSS hatte es zuvor mit Karin Weger (Jahrgang 1992) versucht, leider wurde ein mündliches Interview abgelehnt. Rungg ist als zweitjüngste Kandidatin weniger scheu und erzählt im Interview, welche ihre Ziele sind und warum Pius Leitner für sie der Grund war, schon als Jugendliche zu den Freiheitlichen zu gehen.

Deine Parteikollegin verweigerte sich einem Interview, weil sie glaubte, mit ihrer Kandidatur würde es ohnehin nicht klappen. Ich hoffe, du startest mit mehr Motivation in die anstehenden Wahlen?
Ich mag Interviews auch nicht so gerne, aber weil du schon so nett angefragt hast… (lacht). Ich kandidiere zum ersten Mal und hatte zuvor noch nie ein politisches Amt inne. Darum ist für mich alles ziemlich neu und ich bin dementsprechend motiviert und neugierig zu sehen, was passiert.

Dann ist eine Kandidatur für den Landtag ein großer Schritt. Warum hast du dich dazu entschieden?
Ich habe bestimmte Themen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen. Mit dieser Kandidatur wollte ich herausfinden, wie ich mit diesen Themen bei den Menschen so ankomme.

Zum Beispiel?
Ich will die Gleichstellung von Müttern im privaten und öffentlichen Sektor. Es kann nicht sein, dass Mütter im privaten Sektor weniger Mutterschaftsurlaub bekommen und benachteiligt sind, weil es keine Gesetze gibt, die das gerecht regeln. Ich bin selbst Mutter, daher betrifft mich das Thema persönlich.

„Ich finde, das Land sollte Projekte, die behinderten Menschen, speziell auch Blinden und Gehörlosen zugutekommen, stärker unterstützen.”

Wofür würdest du dich noch einsetzen?
Ich finde, das Land sollte Projekte, die behinderten Menschen, speziell auch Blinden und Gehörlosen, zugutekommen, stärker unterstützen. Im Moment mache ich eine Ausbildung zur Gebärdendolmetscherin, muss mir aber die gesamte Ausbildung selbst zahlen. Dabei finde ich, dass solche sozialen Ausbildungen vom Land mitfinanziert werden sollten. Außerdem will ich erreichen, dass auch kleinere Ortschaften und entlegenere Täler einen besseren Zugang zum Sanitätssystem erhalten. Das nächste Krankenhaus ist oft zu weit weg, und das kann über Leben und Tod entscheiden. Als Mutter finde ich, dass auch den Familien stärker unter die Arme gegriffen werden sollte, vor allem durch Kindergeld.

Wobei die Freiheitlichen fordern, dass das Kindergeld nur Einheimischen ausgezahlt werden soll. Siehst du das auch so?
Das Kindergeld sehe ich als zentrales Anreizsystem im Sinne einer verantwortungsbewussten und zukunftsorientierten Volksgruppen- und Familienpolitik. Es sollte daher in erster Linie unseren Südtiroler Familien zugute kommen.

Kannst du genauer erklären, was du mit einer „zukunftsorientierten Volksgruppen- und Familienpolitik” meinst?
Soll heißen, dass die Politik mit sinnvollen Maßnahmen imstande sein wird, die Geburtenrate nach oben zu korrigieren. Eine Steigerung der Geburtenrate ist ein Gebot der Stunde, wenn wir als Deutsche und Ladiner in einem fremden Staat in unserer angestammten Heimat überleben wollen. Die Tatsache, dass ausländische Frauen eine doppelt so hohe Geburtenrate haben, wie unsere einheimischen Frauen, führt dazu, dass wir kurz oder lang massiven Änderungen in der Bevölkerungsstruktur gegenüberstehen.
(Anm. d. Red.: 
Die vorhergehenden beiden Antworten wurden von der Kandidatin – als Bedingung dafür, dass das Interview von ihr überhaupt autorisiert wird – schriftlich nachgetragen und sind wörtlich bereits in dieser Presseaussendung des Parteigeneralsekretärs Florian von Ach enthalten. Dies sei hier angemerkt, um eine faire Behandlung auch gegenüber den anderen jüngsten Kandidaten, die solche Möglichkeiten nicht in Anspruch genommen haben, zu gewährleisten.)

Siehst du dich selbst als Patriotin?
Ich bin auf jeden Fall ein heimat- und traditionsbewusster Mensch. Gleichzeitig liegen mir aber Extremismen jeder Art sehr fern.

„Bei den Freiheitlichen bin ich schon lange dabei, schon seit Schulzeiten. Ich bin eine, die nicht zu allem Ja und Amen sagt, deswegen hat mir die kritische Linie der Partei, vor allem der SVP gegenüber, von Anfang an gut gefallen.”

Als heimatbewusst verstehen sich auch andere Parteien, etwa die Süd-Tiroler Freiheit. Warum kandidierst du gerade für die Freiheitlichen?
Ulli Mair und Andreas Leiter Reber haben mich zu diesem Schritt ermutigt, weil ich als jüngere Kandidatin neuen Schwung ins politische Geschehen bringen kann. Bei den Freiheitlichen bin ich jedoch schon lange dabei, schon seit Schulzeiten. Ich bin eine, die nicht zu allem Ja und Amen sagt, deswegen hat mir die kritische Linie der Partei, vor allem der SVP gegenüber, von Anfang an gut gefallen. Außerdem ist mir Pius Leitner, einer der prominentesten Vertreter der Freiheitlichen, sehr sympathisch. Seine Persönlichkeit war sicher auch ein wichtiger Grund für mein Interesse für die Partei.

Siehst du ihn als politisches Vorbild?
Ja, das kann man so sagen. Er ist ein ehrlicher, bodenständiger Politiker. Sämtliche Vorwürfe und Anklagen gegen ihn wurden widerlegt.

Auf deinem Facebook-Profil hast du kürzlich nach Interessenten an einer Mietwohnung in Schlanders gesucht. „Nur an Einheimische“, stand da. Warum?
Es handelt sich dabei nicht um meine Wohnung. Ich habe das Inserat für meinen Taufpaten aufgegeben und habe diese Anweisung von ihm erhalten. Warum nur an Einheimische, kann ich deswegen nicht sagen.

Wohnungen sind auch für junge Erwachsene knapp, die von zu Hause ausziehen. Was kann man dagegen machen?
Öffentlich geförderter Wohnbau würde in dieser Situation vielen Menschen helfen und gleichzeitig die allgemeine Situation auf dem Mietmarkt entlasten. Das betrifft aber nicht nur junge Erwachsene, sondern auch andere, die finanziell schwach sind und sich eine Wohnung kaum noch leisten können, zum Beispiel Senioren mit einer Minirente. Auch diese Gruppen sollten unterstützt werden.

Ein kontroverses Thema ist zurzeit der Doppelpass. Wie denkst du darüber?
Wie gesagt, bin ich sehr heimatbewusst. So, wie viele andere Südtiroler, nehme ich Österreich immer noch als eigentliches Vaterland wahr und sehe den Doppelpass daher als eine Herzensangelegenheit an. Ich denke nicht, dass es die Bevölkerung spaltet, im Gegenteil: Das könnte die Möglichkeit sein, etwas wiedergutzumachen und eine zusätzliche Verbindung zu Österreich zu schaffen, die viele Südtiroler vermissen.

Danke für das Gespräch.

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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Am 21. Oktober 2018 wird der Südtiroler Landtag gewählt. BARFUSS hat aus diesem Grund die jüngsten Kandidaten auf den Listen der größten Parteien zum Interview gebeten und nachgehakt, warum sie sich zur Wahl stellen und wofür sie stehen. 

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