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Interview mit Anna Unterberger

„Fokus liegt auf Film“

Anna Unterberger ist regelmäßig auf der großen Leinwand zu sehen. Wie die Schauspielerei ihr Leben bestimmt und was dabei alles dazugehört.

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Bild: Anna Unterberger

Das letzte Interview hast du BARFUSS 2015 gegeben. Was ist in dieser Zeit alles passiert?
Es ist viel passiert, beruflich und privat (lacht). Aber was die Schauspielerei anbelangt, habe ich vor allem Filme gedreht. Darunter gibt es ein paar Herzensprojekte. Unter anderem der Kinofilm „Gundermann“ unter der Regie von Andreas Dresen. 2019 habe ich den Kinofilm „200 Meters“ in Palästina gedreht, das war eine ganz besondere Erfahrung dort, mit diesen Menschen und deren Schicksale, dieses Projekt zu verwirklichen. Dieser Film wird mittlerweile weltweit auf verschiedenen Filmfestivals gezeigt. Und sehr viel Spaß hat „Joe – der Film“ gemacht. Eine herrliche Rolle, mit herrlichen Kollegen und endlich mal ein Film in dem ich auf südtirolerisch spielen durfte.

Anna Unterberger wurde 1985 in Bozen geboren. Nach der Matura am Realgymnasium absolvierte sie ab 2005 eine Ausbildung am Konservatorium Wien. 2008 spielte sie in „Mein Kampf“ am ersten Kinofilm mit, an der Seite von Tom Schilling und Götz George. Mittlerweile hat sie in insgesamt 14 Kinofilmen mitgespielt und wurde für den Förderpreis Deutscher Film und dem Österreichischen Filmpreis nominiert.  

Hast du dich also mehr auf den Film fokussiert oder spielst du weiterhin auch Theater?
Mein Herz schlägt für beides. Gerade liegt mein Fokus jedoch beim Film, Theater möchte ich aber in keiner Weise missen.

Wie fühlt es sich an, erfolgreich zu sein? Ist es Ansporn noch härter zu arbeiten?
Hier stellt sich für mich die Frage, was Erfolg ist. Ich freu mich sehr, dass ich meinen Wunschberuf ausüben und immer wieder tolle Rollen spielen darf. Und dass ich damit meine Miete bezahlen kann. Dafür bin ich dankbar und empfinde es als Erfolg. Aber erfolgreich zu sein ist für mich eine persönliche Sache. Da geht es mir vor allem um meine ganz eigenen Ziele, darum, meinen persönlichen Ansprüchen gerecht zu werden.  

Wie bereitest du dich auf neue Rollen vor?
Das kommt auf die Rolle darauf an. Es kommt darauf an, ob diese Figur bestimmte Dinge abverlangt. Ich hatte zur Vorbereitung auf eine Rolle zum Beispiel schon Schießtraining, Reitstunden, habe mit Sprachcoaches zusammengearbeitet, ansonsten versuche ich ein Drehbuch mehrmals zu lesen, diese Figur in jeder seiner Handlungen zu verstehen, mir die Texte zu verinnerlichen. Ich frage mich: Warum sagt diese Figur genau diesen Satz? Warum sagt sie überhaupt einen Satz? Warum sagt sie an dieser Stelle nichts und vor allem, welche Vergangenheit hat sie? Da taste ich mich so langsam heran bis ich sie mit meinem Bauchgefühl greifen kann, nur mit dem Kopf und rational sie zu verstehen, reicht nicht.

Welchen Entwicklungsprozess machst du da durch? Ergreift dich dann der Charakter voll und ganz?
Ich versuche den Charakter zu erfassen, nicht umgekehrt. Deshalb kann ich ihn meist nach Feierabend gut wieder ablegen.

Mit “Joe – der Film” gerade in Südtirol im Kino: Anna Unterberger, Zweite von links.

Bild: Frei und Zeit

Wieviel harte Arbeit steckt hinter der Schauspielerei?
Der Begriff „harte“ Arbeit gefällt mir nicht. Es ist viel Arbeit, ja. Aber ich versuche die Lust daran nie zu verlieren, mit Leichtigkeit immer neugierig und flexibel zu bleiben und vor allem keine Angst vor Sprüngen ins „kalte Wasser“ zu haben. Zu vertrauen. Das ist wohl die größte Aufgabe und die größte Arbeit.

Wie stark lässt du dich von deinen Rollen vereinnahmen bzw. welchen Einfluss haben sie auf dein alltägliches Leben? Nimmst du deinen beruflichen Stress mit nach Hause?
Beruflicher Stress bedeutet für mich vor allem was neben der Rollenarbeit dazu gehört: Organisation. Das bedeutet den größten Stress in diesem Beruf. Oft werden Drehpläne umgeworfen, Anfragen kommen immer kurzfristiger, da muss man sehr flexibel sein, was nicht immer einfach ist und keineswegs familienfreundlich. Aber ich habe Menschen um mich, die das verstehen und die mich in diesem wilden Karussell unterstützen.

Kommt dir manchmal vor, dass die Schauspielerei dir deine Authentizität wegnimmt? Anders gefragt: Hinterlassen die ganzen Rollen ihre Spuren bei der Privatperson Anna?
Im Gegenteil, die Schauspielerei stärkt meine Authentizität. Bei jeder Rollenarbeit, bei jeder Figur, die ich erarbeite, befasse ich mich bis ins kleinste Detail mit einem anderen Leben, wodurch ich mich natürlich auch mit mir selbst beschäftige, Dinge in Frage stelle, hinterfrage. Das bringt mich in jeder Arbeit ein Stück weiter und zu mir selbst.

Der Trailer zum Film “200 meters”

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