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The Others

„Kleine“ Literatur

Der Wieser-Verlag schlägt Brücken zwischen der Literatur Österreichs und Ost-Mitteleuropas. Die Geschichte eines kleinen Verlags mit großer Wirkung.

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Bild: Comfreak (Pixabay)

Über sein Buch-Programm schreibt der Wieser-Verlag:

„Bücher, vor allem jene aus anderen, nah entlegenen Sprachen, kommen auf leisen Sohlen daher oder verbergen sich. Oft verschwinden sie im Nebel der uniformierten Wahrnehmung, noch bevor sie zur Hand genommen werden, im verklärten Blick der Voreingenommenheit und der Kurzsichtigkeit. Wir beziehen aus ihnen Kraft: Uns sind sie Grundnahrungsmittel.“

Der Verlag wurde 1987 von Lojze Wieser gegründet. Er versucht Brücken zu schlagen zwischen der deutschsprachigen und slowenischsprachigen Literatur Österreichs. Bis heute ist es programmatisches Ziel Wiesers, unbekannte Literatur aus Slowenien und anderen Ländern Ost- und Mitteleuropas in deutscher Übersetzung herauszugeben. 1990 erhielt Wieser dafür den ersten österreichischen Staatspreis für Verleger.

Europa erhören, erschmecken, dem Echo folgen, auf den Geschmack Europas kommen.

Seit September 2013 hat der Gastrosoph Lojze Wieser gemeinsam mit Martin Traxl im ORF die eigene Sendereihe Der Geschmack Europas mit kulinarischen Reisereportagen. Die Reihe überträgt das Konzept der literarischen Buch- und Hörbuchreihe Europa erlesen des Wieser Verlags auf die Regionalküchen.

Lojze Wieser schreibt zur literarischen Buch- und Hörbuchreihe Europa erlesen:

„Vom Karst und der Brda über die Innerschweiz nach Siebenbürgen und in die Maremma reisen, von der Lausitz nach Flandern und Istrien, von da ins Gailtal, danach dem Jakobsweg nach Galicien ausweichen – am Ende der westlichen Welt angekommen, auf die Fragen stoßen, wie sie sich zuhause denn stellen, in Epirus im Norden Griechenlands auf Tropfen der Tränen der Kriege und vergangener Vertreibungen und heutiger treffen, antiken Melodien erliegen. Europa finden, nicht suchen – wie in der Liebe. Literatur, Bücher und Menschen finden, lauschen und glauben, das Hoffen wagen. Wieder weiterziehen. Mit der Literatur als Kompass. Der Magnet ist die Seele. Denn: Jeder Mensch hat eine Seele und darin fliegt eine Schwalbe. Ihr Flügelschlag fächert das Echo der Geschichte herüber und lässt wehende Fahnen erschlaffen…“

Diese Buchreihe und die Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens erreichten inzwischen Kultstatus. Als Verleger im deutsch-slowenischen Kärnten/Koroska bot und bietet Wieser jungen slowenischen Kärntner AutorInnen eine Plattform, ermöglicht auch einen literarischen Dialog zwischen deutscher Mehrheit und slowenischer Minderheit – Literatur als Mittel der Verständigung auf Augenhöhe, als Instrument der Aufarbeitung der belasteten Vergangenheit zwischen deutschen und slowenischen Kärntnerinnen und Kärtnern.

Wiesers Erfolg

Wegen seiner Leistungen für das kulturelle Klima in Kärnten wurde ihm auf Vorschlag des ÖVP-Politikers Andreas Khol vom österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil 2004 der Berufstitel Professor verliehen. 2007 wurde ihm aufgrund seiner Verdienste um die Herausgabe serbischer Literatur der Dositej-Obradović-Preis überreicht.

Zu den bei Wieser erschienenen Autoren zählen unter anderem Ivo Andrić, Bogdan Bogdanović, Otto Brusatti, Adelheid Dahimène, Günther Freitag, Karl-Markus Gauß, Sabine Gruber, Peter Handke, Barbara Hundegger, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Margret Kreidl, Egon Christian Leitner, Cvetka Lipuš, Florjan Lipuš, Lydia Mischkulnig, Barbara Neuwirth, Wolfgang Petritsch, Andreas P. Pittler, Sabine Scholl, Rolf Schwendter, Jan Skácel und Corinna Soria. 

2016 übernahm die Wieser Verlag GmbH den ebenfalls in Klagenfurt ansässigen Drava Verlag. Die Marke "Drava" bleibt trotzdem erhalten. 1953 wurde der slowenische Drava-Verlag vom slowenische Kulturverband und vom Zentralverband der slowenischen Organisationen Kärntens gegründet. Drava ist der slowenische und serbokroatische Name des Flusses Drau. Zum Verlagsprogramm zählen Bücher, die sich mit Kärnten und den Kärntner Slowenen und mit der Mehrsprachigkeit befassen; außerdem literarische Werke unter anderem von Maja Haderlap. Der Verlag führt unter anderem auch deutsche Übersetzungen der Werke von Ivan Cankar und slowenische Übersetzungen der Werke von Peter Handke.

Die Drava-Autoren Erika Hornbogner und Günther Schmidauer haben sich Klagenfurt/Celovec vorgenommen:

„Es reicht! – Dost nam je! Manchen genügt es. So wie Klagenfurt sich zeigt. Andere haben genug von diesem langsamen Siechtum in gepriesener Schönheit. Kennt man in Kärnten die Wut? Gibt es so etwas wie enttäuschte Aggression, die sich nicht gegen sich selbst richtet, sondern nach den Ursachen greift und auch bei der Beseitigung derselben Hand anlegt? In Kärnten wurde das Schweigen zwar nicht erfunden, aber zumindest auf hohem Niveau kultiviert. Schweigen, um niemandem zu schaden, schweigen, um sich selbst nicht zu verunsichern, schweigen, um nicht einen Schlussstrich ziehen zu müssen. Schweigen, um in Ruhe gelassen zu werden.Schweigen brechen. Autorinnen und Autoren, die in Kärnten geboren sind, verschiedenste Erfahrungen mit Kärnten gemacht haben, vermittels Kärntner gemacht haben, die geblieben sind, die fortgegangen sind, die hierhergekommen und geblieben sind, schreiben über Klagenfurt / Celovec. Es ist uns die Beschäftigung mit der Landeshauptstadt, die für viele noch immer ihre Landeshauptstadt ist und die ein neues Leitbild sucht, ein Anliegen. Schreibend gestalten Autoren mit, mit Argumenten, kreativen Anregungen, im Zorn oder im Versöhnungsmodus.“

Der Wieser-Verlag lädt inzwischen auch indigene AutorInnen aus Kanada ein, wie die Innu-Dichterin Natasha Kanape Fontaine, die mit dem US-kanadischen Schriftsteller und Kriegsreporter Denis Ellis Bechard das Buch „Kuei, ich grüße dich“ über den Rassismus zwischen Indigenen und Nichtindigenen veröffentlicht hat.

Bild: Wieser-Verlag

Vorher erschien Amun, in der Sprache der Innu heißt das „Versammlung, Zusammenkunft“:

„Anfang Juni kehrten die Familien endlich an die sandigen Ufer des Mashteuiatsh zurück. Der Kreis schloss sich. Ein Jahr war vergangen. Nach Monaten einsamen Lebens war das für alle der Augenblick des Wiedersehens, des Amun. Der Augenblick der Zusammenkunft.“

Der von Jean Michel 2016 herausgegebene Band ist die erste Anthologie von AutorInnen der First Nations/Premières Nations der französischsprachigen kanadischen Provinz Québec, die mit Gedichten, Erzählungen und Romanen auf sich aufmerksam machten. „Ihre Erzählungen reflektieren die Traditionen und die Lebensbedingungen der indigenen Stämme Québecs. Sie spielen in der Vergangenheit, in der Gegenwart, in der Stadt, in der Natur, im Reservat und bieten einen facettenreichen Einblick in die Denk- und Lebensweise und die schwierige Situation der autochthonen Stämme in Québec und Kanada und machen uns mit einer faszinierenden Kultur bekannt, die immer noch viel zu unbekannt ist,“ wirbt der Wieser-Verlag um neugierige LeserInnen.

Die Anthologie enthält Erzählungen von zehn indigenen AutorInnen verschiedener Generationen und Stämme (Innu, Cree, Wendat) die zu den wichtigsten Stimmen der Literatur der Premières Nations in Quebec gehören: Joséphine Bacon, Natasha Kanapé Fontaine, Naomi Fontaine, Virginia Pésémapéo Bordeleau, Melissa Mollen Dupuis, Jean Sioui, Alyssa Jérôme, Maya Cousineau-Mollen, Louis-Karl Picard-Sioui und Jean Michel.

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The Others

Geschichten und Erzählungen aus der anderen Welt

In der kanadischen Provinz British Columbia wird auf dem Gelände einer ehemaligen katholischen Internat-Schule ein Massengrab entdeckt. Indigene Kinder wurden dort vergraben. Im Amazonas-Regenwald in Brasilien töten Covid und Goldsucher indigene Menschen. In Rojava in Nord-Syrien wehren sich Kurden gemeinsam mit Arabern und Aramäern gegen türkische und syrische Islamisten. Die Sami in Skandinavien, politisch unkorrekt Lappen, halten stur an ihrer Rentierhaltung fest. Es gibt eine andere Welt hinter den globalen Glitzer-Fassaden, die sich gegen das Plattmachen sträubt, Menschen die darauf beharren, eine eigenständige Existenz zu haben.

Ihre Geschichten tauchen nicht oder nur selten in den großen Medien auf.  Über diese Menschen spricht niemand oder kaum jemand. In der Reihe „The Others“ kommen jene zu Wort, die nicht gehört werden, die keine Stimme haben.

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