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Interview mit Filmemacherin

Wer spielt mit unsrer Gesundheit?

Die WHO sollte eigentlich zu den „Guten“ gehören. Doch die Dokumentaristin Lilian Franck hat herausgefunden: Die Fäden ziehen dunkle Mächte.

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Bild: trustWHO/ovalmedia

Die deutsche Regisseurin und Filmproduzentin Lilian Franck ist selbst Mutter. Wie viele andere lässt sie ihr Kind gegen verschiedene Krankheiten impfen. Eine Szene, wie ihre Tochter geimpft wird, ist sogar in ihrem Dokumentarfilm TrustWHO zu sehen. Welche Impfmittel zur Verwendung kommen, darüber entscheidet häufig die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch ihre Empfehlungen. Doch wie glaubwürdig ist diese Organisation noch, die so oft über Leben und Tod gewöhnlicher Bürger entscheiden kann? Man muss nicht Impfgegner sein, sagt Franck, um sich diese Frage ernsthaft zu stellen.

Seit März ist der Dokumentarfilm TrustWHO in die deutschen Kinos gekommen. Wie lange haben Sie daran gearbeitet?
Dahinter stecken zwei Jahre intensive Recherche, in denen ich mich mit einem Team fast ausschließlich mit diesem Thema befasst habe. Öffentlich-staatliche Rundfunkeinrichtungen haben uns finanziert.

Filmemacherin und Mutter Lilian Franck auf dem Weg, die Weltgesundheitsorganisation besser zu verstehen

Bild: ovalmedia
Die WHO ist eine internationale, von der UN getragene Organisation. Aus diesem Grund genießt sie bis heute die Glaubwürdigkeit einer objektiven Instanz. Wann sind bei Ihnen erstmals Zweifel an diesem Ruf aufgekommen?
Begonnen hat es mit dem Reaktorunglück in Fukushima 2011. Da fiel uns auf, dass von der WHO wiederholt Entwarnungen kamen: Die Strahlungsbelastung sei gar nicht so hoch, das Krebsrisiko sei auch nicht erhöht. Das war sehr auffällig, wenn man sich an die Alarmierung der WHO im Falle der Schweinegrippe zwei Jahre zuvor erinnerte. Damals wurde eine Pandemie ausgerufen und man empfahl, sich impfen zu lassen, ansonsten würden noch mehr Menschen sterben. Hinterher stellte sich heraus, dass sogar eine gewöhnliche Grippewelle tödlicher sein konnte.

Dabei waren die Impfungen selbst gar nicht ungefährlich, einige Patienten litten in der Folge an Narkolepsie, also Schlafsucht. Schweden erließ sogar ein Gesetz, um die Betroffenen zu entschädigen.
Genau, und das war die Frage, die uns antrieb: Warum untertreiben die das Eine und übertreiben das Andere? Was genau steckt da dahinter? Durch die Recherchearbeit wurde dann ganz deutlich, dass da jeweils industrielle Interessen im Spiel sind. Von der Alarmierung über die Schweinegrippe profitierten Pharma-Konzerne und von der Untertreibung der Reaktorkatastrophe die Industrie für Nuklearenergie.

„Der Konsument muss sich eigenständig informieren und mehrere Quellen zu Rate ziehen. Das fängt beim Hausarzt schon an.”

Im Film zeigen Sie, wie sich das Verhältnis der Geldgeber der WHO über die Jahrzehnte hinweg veränderte. Staaten trugen immer weniger bei, dafür aber private Stiftungen. Die diktieren dann auch den Kurs.
Richtig. Das ist ein großes Problem. Wenn zum Beispiel die Bill Gates-Stiftung will, dass ihr Geld für Malaria eingesetzt wird, und es plötzlich aber einen Ebola-Notstand gibt, dann kann dieses Geld nicht dazu verwendet werden, Ebola zu bekämpfen.

Und da kann man nichts machen? Gibt es keinen Weg, die WHO und ihre Abhängigkeitsverhältnisse zu kontrollieren?
Nein, es gibt auch keine Möglichkeit für einen Untersuchungsausschuss, wie er in einem Nationalstaat zum Beispiel vom Parlament initiiert werden kann. Ich wäre natürlich dafür, eine unabhängige Kontrollinstanz zu schaffen, um mehr Transparenz zu gewährleisten. Aber das ist zurzeit unrealistisch. Selbst für uns als Journalisten war es außerordentlich schwierig, Zugang zu den Archiven zu erhalten und an Informationen aus der Presseabteilung zu kommen.

Nun haben Sie selbst aufgedeckt, dass die WHO gegen die Schweinegrippe Impfempfehlungen abgab, ohne dass diese notwendig waren. So durften die Pharmakonzerne ihre Lagerbestände loswerden und kassieren. Teilen Sie inzwischen die Skepsis von Impfgegnern?
Ich glaube nicht, dass man daher ableiten kann, dass Impfungen grundsätzlich schlecht sind. Das kommt am Ende auf den Einzelfall an, aber auf jeden Fall ist eine größere Vorsicht geboten. Man kann heutzutage nicht mehr völlig unkritisch den WHO-Empfehlungen vertrauen. Die Entscheidung sei jedem selbst überlassen, wichtig ist, jede Krankheit und jede Impfung einzeln zu betrachten.

„Viren und Bakterien reisen inzwischen wie E-Mails um die Welt. Deswegen braucht es eine Institution wie die WHO, die weltumspannend ist."

Das bedeutet doch, dass der Konsument ganz auf sich gestellt ist. Gibt es überhaupt noch eine objektive Instanz, deren Richtlinien man vertrauen kann?
Das ist wirklich schwierig geworden. Private Firmen gewinnen an Einfluss, das geht auf Kosten der einzelnen Staaten und deren Bürger. Die Firmen verwenden viel Geld darauf, Meinungen zu bilden und Forschung zu beeinflussen. Und die WHO ist nur ein Beispiel; so wie ihr geht es gerade allen öffentlichen Organisationen. Der Druck von außen wird immer stärker, die finanzielle Abhängigkeit steigt. Umso mehr kommt es darauf an, dass der Konsument sich jetzt eigenständig informiert und mehrere Quellen zu Rate zieht. Das fängt bei der Hausarztvisite schon an. Auch hier kommen die Pharma-Vertreter vorbei und empfehlen dem Arzt, nur Medikamente von ihrer Firma zu verschreiben.

Und da geht es ins Politische. Die Einflussnahme der privaten Konzerne sehen viele Menschen als Folge der Globalisierung. Wäre es leichter, alles innerhalb eines Nationalstaats zu lösen?
Im Falle der Gesundheit würde das sicher nicht funktionieren. Im Gegenteil. Die Globalisierung kann man nicht aufhalten, gerade Viren und Bakterien reisen inzwischen wie E-Mails um die Welt und deswegen braucht es eine Institution wie die WHO, die weltumspannend ist. Trotz aller Missstände sollte die WHO auch nicht abgeschafft werden, sie muss aber transparenter und unabhängiger werden. Das geht nur, wenn die Mitgliedsbeiträge der einzelnen Staaten steigen und die Organisation selbst über ihre Ausgaben entscheiden kann. Schließlich gehört die WHO zu den „Guten“, das darf man nicht vergessen. Aber sie ist zum Opfer ihrer finanziellen Abhängigkeit geworden.

Die Unschuld hat sie dadurch verloren. Sind die häufigen Filmsequenzen, die ein sorglos spielendes Kind zeigen, ein Sinnbild dafür?
Für mich war das ein gutes Bild für die Zukunft. In welcher Welt leben einmal unsere Kinder? Das war auch meine Motivation, mich mehr dafür zu interessieren, was sich da alles abspielt und wie es eigentlich sein sollte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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