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Traditionen und Umweltschutz

Als Kandidat der Lega will Davide Cavallaro Salurn attraktiver machen. Mit mehr Umweltschutz, mehr Start-ups und weniger Migration. Salvini gehört für ihn zum Wahlkampf dazu.

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Davide Cavallaro im “gazebo” der Lega in Salurn.

Bild: Davide Cavallaro

Davide Cavallaro, Kandidat der Lega in Salurn, engagiert sich seit einigen Jahren in der Jugendorganisation „Lega Giovani“ und kandidierte 2018 für den Landtag. Etwas mehr als 20 Prozent der Einwohner Salurns haben einen Migrationshintergrund. Kann das für Wahlthemen sorgen?

Wie ist es, als junger Mensch in Salurn zu leben?
Gut. Meine Kindheit war sehr unbeschwert. Es ist ein ruhiges Dorf, allerdings gab es in den letzten Jahren zunehmend Probleme, vor allem im schulischen Bereich. Durch die erhöhte Anzahl ausländischer Kinder ist die Qualität des Unterrichts gesunken.

Gehört das zu den brennenden Themen für die Jungen in Salurn?
Ich beziehe mich da auf die ganz Jungen, auf Heranwachsende. Für junge Erwachsene stellt sich eher die Frage: Wie kann ich mich beruflich entfalten? Wo kann ich abends ausgehen? Viele Salurner zieht es in die Städte oder ins Ausland.

Wie würdest du ein Dorf wie Salurn attraktiver machen?
Was wir auch in unserem Programm verankert haben, sind Förderungen für lokale Start-ups und neu angesiedelte Unternehmen sowie Mietzuschüsse. Wenn die Menschen dort leben, wo sie arbeiten, reduzieren sich auch der Verkehr und die Umweltverschmutzung.

Braucht Salurn mehr Bars, mehr Events?
Ich bin für einen guten Mittelweg. Wir haben einige Bars, die aber früh schließen. Man kann zum Beispiel darüber reden, ob die am Wochenende länger offen bleiben. Größere Events wie der Faschingsumzug sind selten.

Auch darüber sind nicht alle zufrieden, es gibt Klagen über Lärm von Anrainern. Wie siehst du das?
Der Fasching ist eine alte Tradition in Salurn und ich bin – so wie die Lega – für die Erhaltung von Traditionen. Es handelt sich nur um einen oder ein paar Tage im Jahr, das ist zumutbar.

Dass da auch Kinder auf der Insel sind, ist ein Problem. Wir können aber nicht für eine Aufnahme sein. 

Ein Artikel des Alto Adige, in dem sich die Salurner Lega-Kandidaten vorstellen, präsentiert als wichtigste Projekte, die von eurem Gemeinderat Mario Tondini seit 2015 angegangen worden sind, den Einsatz gegen eine Moschee in Salurn und gegen Arabischkurse für Einheimische. Sind das die Sorgen der Bürger?
Solche Themen sind unser politisches Streitross. Wir sind für den Erhalt der Traditionen und wollen klare Antworten auf die Frage, ob es sich bei dem vorgeblichen „Kulturzentrum“ tatsächlich um ein solches handelte oder ob es nicht in Wirklichkeit die Funktion einer Moschee erfüllte. Ansonsten sei jeder frei, seinen Glauben auszuüben.

Und das Erlernen einer fremden Sprache, ist das auch gegen den „Erhalt der Traditionen“?
Wie gesagt, es gibt sicherlich drängendere Probleme. Aber ich glaube, dass Integration anders funktioniert und Fördergelder besser eingesetzt werden können, zum Beispiel für separate Förderklassen in Deutsch und Italienisch für leistungsschwache Kinder mit Migrationshintergrund.

Nehmen wir an, Südtirol würde sich bereit erklären, 50 unbegleitete Minderjährige aus dem abgebrannten Camp auf Moria aufzunehmen: Wärst du dafür?
Dass da auch Kinder auf der Insel sind, ist sicher ein Problem. Wir können aber nicht für eine Aufnahme sein. Es wäre wohl ratsam, diese Menschen zu versammeln und sie dann je nach Staatsbürgerschaft und Fluchtgrund gerecht auf die verschiedenen Staaten zu verteilen und auch Rückführungen in die Herkunftsstaaten zu erwägen.

Welche Themen liegen dir sonst am Herzen?
Als junger Mensch ist mir der Umweltschutz sehr wichtig. Ich wünsche mir eine grünere Politik. Auch auf Gemeindeebene kann man in diesem Bereich viel erreichen.

Was würdest du konkret vorschlagen?
Eine Idee wäre es, nicht nur die Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen mit geringem Energieverbrauch umzustellen – was zum Teil schon passiert ist – sondern auch die Beleuchtung aller öffentlichen Gebäude. Außerdem will ich mich für öffentliche Zuschüsse beim Kauf von Fahrrädern einsetzen.

Umweltschutz sollte ein überparteiliches Anliegen sein.

Umweltschutz ist ein Anliegen, das unter rechten Parteien nicht allzu stark vertreten ist. Willst du das ändern?
Absolut. Es geht hier schließlich nicht um Politik, sondern um das Gemeinwohl.

…was im Grunde hochpolitisch ist.
Ich will damit sagen, dass Umweltschutz ein überparteiliches Anliegen sein sollte. In Salurn haben wir viele Grünflächen und ihr Erhalt ist ein wichtiges Thema. Auch hier geht es im Grunde um den Erhalt von Traditionen.

Landesrat Arnold Schuler hat Umweltaktivisten, die den hohen Einsatz chemischer Pestizide in der Landwirtschaft kritisiert haben, verklagt. Wie stehst du zu diesem Streit?
Man muss beide Seiten sehen und anhören. Es ist sicherlich falsch, aus Profitgründen die Umwelt zu zerstören, andererseits muss auch die Lebensgrundlage der Bauern gewährleistet sein. Dieses Gleichgewicht sollte auf Landesebene durch eine offene Diskussion gefunden werden.

Seit wann interessierst du dich für Politik?
Den Telegiornale habe ich schon mit 13 Jahren mit Interesse verfolgt. Dann habe ich angefangen, die verschiedenen politischen Positionen zu vergleichen und für mich zu bewerten. Vor fünf oder sechs Jahren habe ich in Salvini die frische und unverbrauchte Persönlichkeit erkannt, die die italienische Politik jetzt braucht.

War Salvini der Hauptgrund, für die Lega zu kandidieren?
Es ist auch der ideologische Gehalt der Partei: Wir stehen für eine Rechte, die sehr heterogen ist und auch intern viele verschiedene Meinungen zulässt. Was uns außerdem von anderen rechten Parteien unterscheidet, ist der Föderalismus. Das ist besonders in einer Region wie Südtirol entscheidend. Die Lega vertritt keinen zentralistischen Nationalismus, der Minderheiten ausgrenzt, sondern richtet sich an alle Südtiroler.

Wer sich nicht allzu sehr für die Kandidaten vor Ort interessiert, setzt auf Salvini.

Auf deinem Profilbild bist du mit Matteo Salvini zu sehen – das hast du mit zahlreichen anderen Lega-Kandidaten gemeinsam. Seid ihr damit nicht zu sehr auf eine Person konzentriert?
Matteo Salvini ist immerhin der Parteisekretär und die Wahlerfolge der Lega sind zu einem großen Teil ihm zu verdanken. Deswegen wollen wir ihn entsprechend würdigen.

Bei den Landtagswahlen haben anscheinend sogar ein paar Wähler „Salvini“ bei den Vorzugsstimmen hingeschrieben …
Er hat als Persönlichkeit eine solche Ausstrahlung, dass er die Menschen auch auf lokaler Ebene anspricht. Wer sich nicht allzu sehr für die Kandidaten vor Ort interessiert, setzt auf ihn.

Wenn die lokalen Kandidaten vom Parteisekretär in den Schatten gestellt werden, könnte das auch ein Problem werden. Wie willst du die Menschen von dir als Gemeindepolitiker dennoch überzeugen?
Wir haben unseren Wahlkampf bewusst auf die vier Salurner Kandidaten konzentriert. Die Figur Salvini spielt eine Rolle, aber es geht vor allem um uns Kandidaten und um unsere Vorschläge für Salurn.

Bei den Gemeinderatswahlen 2015 erhielt die Lega 6,4 Prozent der Stimmen, bei den Landtagswahlen 2018 waren es 28,2 Prozent. Was erhoffst du dir von diesen Wahlen?
Bei den Gemeindewahlen herrschen andere Bedingungen als bei Landtagswahlen. Da gibt es starke Bügerlisten, außerdem geht es mehr um die Kandidaten als um die Partei an sich. Ich erhoffe mir aber ein besseres Ergebnis als 2015, vielleicht eine Verdoppelung der Stimmen. Vor allem für mich als jungen Kandidaten wird der Einzug in den Gemeinderat eher schwierig. Mir ist es einfach wichtig, mit Bescheidenheit und Bestimmtheit meine Vorschläge einzubringen – der Rest ergibt sich dann.

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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Jung und Gemeindewahlen

Wenn ein neuer Gemeinderat gewählt wird, schlägt die Stunde der Frauen und Männer aus dem Volk. Politiker sind gefragt, die auf dem Boden geblieben sind und zur Not auch selbst anpacken. Eine oder einer von uns! Doch gerade auf Gemeindeebene bleibt Politik für junge Menschen oft auf der Strecke. Events werden verboten, Wohnraum ist unbezahlbar. Warum eigentlich? Wir haben junge Kandidaten und Kandidatinnen der verschiedenen Parteien mit unseren Fragen konfrontiert.

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