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Weltrekord mit E-Skateboard

Rotellas Reise

Der Bozner Stefano Rotella ist mit seinem Elektro-Skateboard über 1375 Kilometer von Trient nach Budapest gefahren. Damit hat er einen neuen Weltrekord aufgestellt.

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Bild: Stefano Rotella

Stefano Rotella ist ein drahtiger Typ mit Glatze. Mit seinen Sonnenbrillen könnte man ihn sich genauso gut als Figur aus einem Matrix-Film vorstellen. Richtig filmreif wird es aber erst, wenn er sich auf sein Skateboard stellt. Dann drückt er die obere Taste an einem seltsamen Controller, den er in der linken Hand hält, und wie von Zauberhand rauscht das Ding davon. Rotella macht ein paar Kurven, drückt danach eine weitere Taste und bremst erstaunlich abrupt ab. Sein ganzes Körpergewicht verlagert er dabei nach hinten, um nicht vom Skateboard zu fallen. 20 Kilometer pro Stunde erreicht Rotella mit diesem Transportmittel – rein technisch seien aber sogar bis zu 40 möglich, sagt er hinter vorgehaltener Hand.

Das Elektro-Skateboard hat der 35-jährige Bozner von Hand zusammengestellt. Die Motor-Kits für Skateboards sind online erhältlich, aber um das Fahrzeug für längere Strecken tauglich zu machen, waren einige Änderungen nötig. Gleich zwei Batterien geben dem Motor zusätzliche Antriebskraft, weitere sechs Ersatzbatterien sind an beiden Seiten des Boards angebracht. „Leichter ist es dadurch nicht geworden“, sagt Rotella und hebt sein 13 Kilo schweres Skateboard zur Demonstration mühsam vom Boden. Der Vorteil: Das Skateboard ist so stabiler geworden; und hat Rotella innerhalb von 13 Tagen unbeschadet von Trient nach Budapest gebracht.

Die Reise war für Rotella nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern ist die längste Strecke, die mit einem motorisierten Skateboard jemals an einem Stück zurückgelegt wurde. Damit will Rotella nun ins Guinness-Buch der Weltrekorde. Ob er das tatsächlich schafft, muss ein unabhängiges Guinness-Komitee entscheiden, indem es das umfangreiche Foto- und Videomaterial, das Rotella auf seiner Reise zu diesem Zweck aufgezeichnet hat, sorgsam überprüft, die GPS-Daten seiner Reise auswertet und mit Zeugen spricht.

Das Skateboard hat ihn aus der Sackgasse geführt: Stefano Rotella.

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Stefano Rotella

Rotellas Weg zum Weltrekord hat vor drei Jahren, mitten in einer persönlichen Lebenskrise begonnen. „Ich hatte berufliche und private Schwierigkeiten und brauchte eine Ablenkung“, berichtet Rotella über jene Zeit. Beim Surfen im Internet stieß er auf ein Start-up, das sein Produkt auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo bewarb: ein Elektromotor mit Montur-Set für Skateboards. Ob das funktioniert? Rotella fand die Idee cool und entschied sich, das Start-up mit einem Beitrag zu finanzieren. Im Gegenzug erhielt er einige Monate später das Set, das er prompt auf sein Skateboard montierte und testete. „Soll ich die Wahrheit sagen?“, erzählt Rotella heute von jenem ersten Versuch. „Ich wollte gar nicht mehr absteigen“.

Das unkonventionelle Hobby gab ihm damals Kraft, auch in seinem Leben neue Wege zu gehen. Heute ist Rotella technischer Zeichner in einem Ingenieurbüro in Bozen. In seiner Freizeit ging er aber weiterhin dem Skateboarden nach. Als er schließlich erfuhr, dass der Weltrekord in dieser neuen Nischensportart zwar sehr viel Training und Durchhaltevermögen, aber immerhin noch kein unmenschliches Ausnahmetalent erfordert, war für ihn die Sache klar: Er will den neuen Weltrekord für die längste Strecke mit einem Elektro-Skateboard aufstellen. Der letzte stammt derzeit von der Bayerin Stefanie Hasbauer mit 1.210 Kilometern.

Gesagt, getan: Zwei Jahre lang hat sich Rotella auf die Rekord-Fahrt vorbereitet, hat die Strecke auf Google-Maps studiert und ist sie in zwei Etappen abgefahren. Dann, im August 2021, trat er die Reise endlich an und erreichte nach 1375 Kilometern mit dem erwartbaren Siegergefühl die ungarische Hauptstadt. „Ich kann das alles noch gar nicht glauben“, sagt er jetzt, wenige Tage nach seiner Rückkehr in Bozen.

Zwei Leidenschaften kommen zusammen: das Skateboard-Fahren und das Reisen.

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Stefano Rotella

Ganz so leicht, wie man es sich als Skateboard-Laie vorstellt – einfach auf einem Brett stehen und das fährt dann von ganz allein – war Rotellas Reise nicht. Zum Beweis zeigt er seine gestählten Waden: Sehnige Muskeln ziehen sich dort zu einer beeindruckenden Hebung zusammen. „Das ist vor allem wegen der Vibrationen, die man während der Fahrt aushalten muss, ganze 8 bis 9 Stunden am Tag. Der Nachteil: Nach meiner ersten längeren Reise waren meine Füße ein Monat lang wie eingeschlafen“, erinnert sich Rotella zurück.

Bei Regen musste er das Skateboard in Zellophan verpacken, um die Batterien und den Elektromotor zu schützen. Dementsprechend rutschig wurde es danach auf der Oberfläche des Bretts, was die Fahrt zusätzlich erschwerte. Und jeden Abend, nach bis zu neun Stunden Fahrt, musste das Skateboard gereinigt werden. „Man kann sich gar nicht vorstellen, was unter dem Brett alles festsetzt“, berichtet Rotella und setzt einen geekelten Gesichtsausdruck auf: „Nacktschnecken, Insekten, Kuhscheiße.“ Täglich mussten auch die Reisedaten akribisch in Excel-Tabellen eingepflegt werden, damit das Guinness-Komitee den Weltrekord anerkennt.

Das alles hat Rotella – im Gegensatz zu früheren Weltrekord-Anwärtern – ganz allein und ohne zusätzliche Unterstützung von Sponsoren oder einem Team geschafft. Doch sich auf seinem Rekord ausruhen will er nicht. „Ich liebe das Reisen und ich liebe das Skateboard-Fahren“, sagt Rotella. Mit seinem Elektro-Skateboard konnte er beide Leidenschaften verbinden.

Als nächstes Ziel hat er deswegen ein Land anvisiert, in dem der neuen Mikromobilität mit mehr Offenheit begegnet wird als in Italien – hier hat ein Student mit Elektro-Skateboard trotz unklarer Gesetzgebung schon einmal eine 1200-Euro-Strafe kassiert. Die Wahl fiel auf die USA. Am liebsten würde Rotella die Florida Keys besuchen, eine Kette aus über 200 Koralleninseln mit einer Gesamtlänge von über 290 Kilometern, die durch malerische Fahrradwege verbunden sind. Starten will er in Miami und ankommen in Key West.

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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