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Die Karrieristen?

In der Politik sagt man: Die Jungen sind die radikalere Version von den Alten. Stimmt das? Ein Blick auf die Jugend der Südtiroler Parteien, die JG macht den Anfang.

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Bild: Stephan Matzoll

Bis zur nächsten Landtagswahl ist es nicht mehr ein ganzes Jahr. Das heißt: Der Wahlkampf steht vor der Tür. Bevor sich die Südtiroler Parteienlandschaft dann wieder in einen Sumpf aus Intrigen, Versprechen und Skandalen verwandelt, ist jetzt noch ein günstiger Zeitpunkt, das trockene Terrain zu betreten und sich zu fragen: Wie sieht es eigentlich beim Nachwuchs aus?

Die Frage nach der jungen politischen Basis ist nicht selten gleichbedeutend mit der Frage: Wer wird in einigen Jahren in der Regierung sitzen? Einige ambitionierte Jungpolitiker werden schon im kommenden Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen. Doch was die Jugendorganisationen von der jeweiligen Mutterpartei unterscheidet, ist nicht nur das Alter. Oft haben die Jungen ihre ganz eigene Vorstellung von den Dingen. Auch deshalb sind sie der Motor der Veränderung, der Antrieb gesellschaftlichen Fortschritts. So sollte es zumindest sein. Ein Blick auf die Jugendgruppen der wichtigsten Südtiroler Parteien wird zeigen, ob das auch tatsächlich so ist. Wer sind die jungen Leute, die sich da im Schatten der Alteingesessenen langsam vor die Scheinwerfer der Medien emporarbeiten? Was wollen sie? Und was kann man von ihnen erwarten? Eines kann vorweggesagt werden: Beim Punkt Frauenbeteiligung schließen alle Parteien ziemlich schlecht ab. Selbst die Young Greens haben eine Frauenquote, die beschämend ist. Wer also weiblich ist und eine politische Karriere starten will, wird derzeit wohl von allen Parteien mit offenen Armen empfangen.

Den Start macht die Junge Generation der SVP. Im zweiten Teil morgen folgen die Young Greens und die Junge Süd-Tiroler Freiheit.

Die Junge Generation (SVP) oder: Die Karrieristen

Dass die SVP eine Regierungspartei ist, merkt man auch daran, wie organisiert und strukturiert die Jugendorganisation ist. Das ist die Stärke der Jungen Generation (JG). Das Netzwerk, das in ganz Südtirol über 4.000 Mitglieder zählt, ist dicht, in allen Gemeinden hat die JG Ortsvertreter. Sie treffen sich monatlich mit Stefan Premstaller, dem Vorsitzenden der JG, und seinen Stellvertretern. Den 26-jährigen Sarner sieht man meistens elegant mit Hemd und Sakko. Angesichts seines jetzigen Erscheinungsbilds ist es schwer zu glauben, dass man es mit jemandem zu tun hat, der vor wenigen Jahren noch zuallererst den Sportteil aufschlug, wenn er eine Zeitung in die Hand bekam. Doch irgendwann, während seines Jura-Studiums, kam Premstaller zur Politik. Und dann ging es steil nach oben.

So klar und strukturiert, wie die JG zu sein scheint, bringt ihr Vorsitzender auch die Themen auf den Tisch, an denen die Nachwuchspolitiker der SVP gerade arbeiten:

  • Junges Wohnen: Das Problem schlechthin, das junge Erwachsene in Südtirol umtreibt, steht natürlich auch bei der SVP an erster Stelle. So viele Parteien, wie es gibt, so viele verschiedene Lösungsansätze gibt es. Für die JG lautet die gewinnende Strategie: eine Jugendquote beim WOBI (Institut für den Sozialen Wohnbau). Einige der günstigen Wohnungen stünden ohnehin frei. Mit der Jugendquote würde man dem WOBI eine neue Rolle verleihen: Wohnungen nicht mehr nur für die sozial Bedürftigen, sondern auch für Studenten und junge Erwachsene aus der Mittelschicht. Heiner Schweigkofler, Präsident des WOBIs, unterstützt die Idee. Offen bleibt bei dieser Maßnahme aber die Frage, wie sozial der soziale Wohnbau noch ist, wenn nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach Altersklasse verteilt wird.
  • Studium: Bei den Treffen, die die JG gelegentlich mit der Südtiroler Hochschülerschaft (SH) hat, trat ein Problem besonders hervor: Als Relikt aus dem Faschismus gibt es in Italien ein Gesetz, das Studierenden noch immer untersagt, zwei Studiengänge gleichzeitig zu absolvieren. Selbst ausländische Doppelstudien werden nicht anerkannt. Das will man wenigstens für Südtirol ändern. Um Südtirol auch für alle anderen Heimkehrer, die nur ein Studium absolvierten, attraktiver zu machen, will die JG die Fördergelder für Stipendien in denjenigen Disziplinen erhöhen, wo in Südtirol am meisten Fachkundige gebraucht werden, z.B. für Medizin.
  • Nightliner: Die Realisierung des Nightliners ist einer der größten Erfolge der JG. Doch darauf will man sich nicht ausruhen. „Es ist ein fortlaufender Prozess“, stellt Premstaller klar. Bis 2019 verspricht er einen landesweiten Ausbau des Projekts. Das Ziel lautet: Man soll auch nachts von einem Ende Südtirols bis zum anderen kommen. Aktuell wird der Bedarf eines Nightliners in den verschiedenen Ortschaften erhoben.
  • Jugendkultur: Das Engagement von Landesrat Achammer hat bereits gezeigt, dass die Belebung der Jugendkultur der jungen SVP ein ernstes Anliegen ist. Trotzdem ist die Unzufriedenheit von Veranstaltern und Jugendlichen nach wie vor hoch – zurecht, so meint auch Premstaller. Konkret fordert die JG die Verlängerung der Öffnungszeiten für Bars und Pubs. „Das ist aber schwierig umzusetzen, wenn nicht zuerst fürs Thema sensibilisiert wird“, sagt Premstaller. Das größte Problem seien nämlich die Anrainer. Die Gesinnung nach dem Motto „Jugend braucht ihren Platz, aber nicht unter meinem Haus“ sei weit verbreitet.

Eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen: Persönlichkeiten wie Silvius Magnago, die Südtirol geprägt haben, sind für Stefan Premstaller ein Vorbild.

Bild: Teseo La Marca

Bei der JG merkt man schnell: Hier ist wenig Platz für Träumer. In den großen Räumen aus rotem Backstein in der Brennerstraße in Bozen wird harte Sachpolitik betrieben. Das ist bei der Jugendorganisation nicht anders als bei der Mutterpartei. Lediglich die Themen sind auf jüngere Wähler zugeschnitten, die Umsetzung erfolgt aber in enger Zusammenarbeit mit den älteren Vertretern der Partei. 

Dreht es sich um Sachpolitik, ist gute Organisation die Grundlage. Für Stefan Premstaller war gerade das das Anziehende. Wenn er erklärt, warum er vor ein paar Jahren seine Karriere gerade in der SVP begonnen hat, klingt es, als wäre zuerst die Entscheidung dagewesen, Politik zu machen, und als hätte er danach erst darüber nachgedacht, wie und für wen. Mit den Werten der SVP habe er sich dann am meisten identifiziert.  „Die SVP hat Südtirol einfach zu dem gemacht, was es heute ist. Und dieses Erbe möchte ich weiterführen“, sagt Premstaller.

Weitere Folgen

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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Die Jungspunde

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