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Junge Bolzanini

Zero Quattro Sieben Oans ist der Versuch einer zweisprachigen Zeitung Südtirols. Gegründet wurde sie von jungen Boznern, bereits vor zwei Jahren.

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Ganz rechts: Matthias Cologna, Chefredakteur von 0471.

Bild: Bewegung der jungen Bozner
Südtirol ist nicht gleich Südtirol: Es gibt das Land der Italienischsprachigen und jenes der Deutschsprachigen. Es gibt mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten und die jeweils andere Sprache ist meist nur notwendiges Übel. Junge und engagierte Bozner wollen das ändern und gründeten vor zweieinhalb Jahren den Verein „Movimento Giovani Bolzanini – Bewegung der jungen Bozner“. Sie unterstützen die Direkte Demokratrie-Bewegung,  Aktivitäten im gesellschaftlichen Bereich und geben seit knapp zwei Jahren auch eine zweisprachige Onlinezeitung heraus. Zero Quattro Sieben Oans heißt das Magazin für Politik und Kultur. Der Titel ist ganz bewusst zweisprachig: „Er stemmt sich klar gegen jede sprachliche Trennung“, sagt Matthias Cologna. Der junge Bozner hatte die Idee dazu und ist Chefredakteur von Zero Quattro Sieben Oans. 
 
Schon in der Oberschule habe er sich Gedanken über eine zweisprachige Zeitung gemacht. Nachdem er zur Bewegung der jungen Bozner gestoßen ist, wurde seine Idee sofort umgesetzt. Im November 2011 erschien die erste Ausgabe, zwölf weitere folgten. „Wir wollen die Jugendlichen für Politik und das Geschehen in der Gesellschaft mehr interessieren,“ sagt Cologna. Die Zeitung soll aber auch die Zusammenarbeit zwischen den Sprachgruppen fördern. „Unser Ziel ist es also, die Jugend dieses Landes an einen Tisch zu setzen, um zusammen über das lokale politisch-kulturelle Leben nachzudenken und Vorschläge zu sammeln“, schrieb der Chefredakteur im Leitartikel der ersten Ausgabe. Die zweite Sprache und die zweite Kultur sollen ganz selbstverständlich dazu- und zusammengehören.
 
Sprachliche Faulheit 
 
Cologna ist zweisprachig aufgewachsen. Er spricht akzentfreies Deutsch, gemischt mit italienischen Begriffen und Redewendungen. Die Sprachgruppen lebten immer noch getrennt voneinander. Die Italiener kennen den Maturaball nicht, die Deutschen haben noch nie etwas vom Festival Studentesco gehört, so der junge Chefredakteur. Das möchte die Bewegung der jungen Bozner mit Zero Quattro Sieben Oans ändern.
Er ist zufrieden mit der Zeitung. Besonders gelungen findet er die Ausgabe über das Alpini-Treffen in Bozen. „Dafür haben wir einen deutschen Historiker zu den Schützen interviewt und einen italienischen über die Geschichte der Alpini. Alla fine haben wir, glaube ich, einen guten Überblick gegeben.“ Das Beispiel zeigt, wie Zero Quattro Sieben Oans funktioniert. Die Artikel werden nicht einfach übersetzt, sagt Matthias Cologna. Die Texte werden in der Sprache des Autors oder des Themas geschrieben, deshalb würden sie ein Interview mit einem Alpini niemals auf Deutsch führen, das passe nicht. „Wir wollen, dass die Leute beide Sprachen so gut können, dass sie nicht mehr den Text in ihrer eigenen Muttersprache suchen, sondern auch die Texte der anderen Sprache ganz selbstverständlich lesen.“ Deshalb sind manche Artikel sogar komplett zweisprachig, das heißt ein Absatz ist in italienischer Sprache geschrieben, dann geht es auf Deutsch weiter. Und wenn man alles verstehen will, müsse man sich anstrengen, auch die andere Sprache zu lesen, erklärt Cologna. Die sprachliche Faulheit  so nennt er es, wenn man die andere Sprache so gut es geht vermeidet – sei in Südtirol weit verbreitet.
 
 
Zu wenig junge Leser
 
Gedacht war die Zeitung vor allem für Oberschüler und Studenten, eben junge Südtiroler. „Paradoxerweise haben wir aber gesehen, dass uns eher ältere Leute lesen“, sagt er. Zero Quattro Sieben Oans wird auf der eigenen Homepage veröffentlicht und kann als Newsletter abonniert werden. Der Großteil, der diesen Service nutzt, sei zwischen 40 und 50 Jahren. Die Älteren wollen das ehrgeizige Projekt unterstützen, während sich die jungen Leute zu wenig engagieren und interessieren, so Cologna. Mit der Leserschaft, auch wenn sie älter ist als gedacht, sind die jungen Bozner dennoch zufrieden: Pro Ausgabe hätten sie zwischen 600 und 1.000 Leser, so viele Leute laden sich Zero Quattro Sieben Oans auf ihren Computer.
 
Mitmachen dürfen bei dem zweisprachigen Projekt nicht nur die Mitglieder der Bewegung der jungen Bozner, sondern alle, die Lust haben zu schreiben, egal welcher Sprache, sagt Cologna. „Und wir suchen immer Schreiber“, fügt er noch hinzu. Die meisten Autoren sind Studenten, die Zeitung machen sie in ihrer Freizeit und ehrenamtlich. Finanzielle Unterstützung haben sie bisher keine bekommen, ob sie künftig um Förderung ansuchen, ist noch unklar. Denn sie würden gerne unabhängig bleiben. Geld bräuchten sie dann, wenn sie ihre Zeitung auch in Papierform anbieten möchten. Ideen für die Zukunft gebe es, sagt Cologna. Im Moment sei es aber schon revolutionär, die Zeitung auch weiterhin zu veröffentlichen. 
 
Die Registrierung für den Newsletter und alle Ausgaben gibt es auf der Homepage von Zero Quattro Sieben Oans.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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