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Interview mit Matthias Gruber

Happy Birthday, Gaul

Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des Open Air Gaul hat BARFUSS einen der Organisatoren getroffen und über den „Schintertrupp“, die Wetter-Wette und kleine Wehwehchen gesprochen.

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Schon in den 70er Jahren fanden Musikveranstaltungen in der Gaulschlucht statt.

Bild: Roberto Denicolò

Die steilen Felshänge schleudern die Musik zurück, die Lichter tanzen in den Bäumen und Felsen und dicht am Festivalgelände rauscht die Falschauer vorbei. Gaul ist Kult. Das Festival in der Gaulschlucht ist mittlerweile ein Fixtermin für viele Open-Air- und Musikfans. Schlechtes Wetter? Gibt es nicht. Auch bei Regen ist das Festival gut besucht. Dieses Jahr feiert das Open Air Gaul seinen 25. Geburtstag und wird mit 14 Bands und zwei Bühnen größer denn je.

Unser Interviewpartner Matthias Gruber ist seit zehn Jahren im Organisationskomitee des Festivals und selbst begeisterter Gaul-Fan.

25 Jahre Open Air Gaul. Alles Gute!
(lacht) Danke.

Das Open Air Gaul ist aber eigentlich noch viel älter, oder?
Ja, schon in den 70ern fanden in der Gaulschlucht Open Airs statt.

Matthias nimmt sein Handy aus der Hosentasche und zeigt Fotos aus den Anfängen des Open Airs in der Gaulschlucht.

Hippie-Feeling in der Gaulschlucht

Titel & Urheber des Bildes: 
Roberto Denicolò1

Schau, wie sie alle in der Gaul gesessen sind, die Hippies. (lacht) Richtig cool. Angefangen hat alles damit, dass ein paar Bands auf der kleinen Erhöhung in der Gaul gespielt haben.

Die Geburtsstunde des richtigen Gaul Open Airs ist das Jahr 1983. Damals gab es hierzulande noch nicht viele Musikveranstaltungen. Trotzdem wollte das Jugendkollektiv Lana im Dorf ein Open Air auf die Beine stellen und schon damals kamen bis zu tausend Besucher in die Gaul. Seit 1994 organisiert das Jugendzentrum Jux in Lana das Open Air.

Und das bei jedem Wetter.
Genau. Seit drei Jahren haben wir ja schönes Wetter, aber vorher hat es wirklich sehr oft geregnet. Trotz des oft schlechten Wetters kommen aber immer sehr viele Besucher. Unter den freiwilligen Helfern gibt es mittlerweile jedes Jahr die Wetter-Wette. Jeder kann vorab tippen, wie das Wetter am Freitag und am Samstag wird, und unter allen, die richtig tippen, verlosen wir einen kleinen Preis.

Was ist dein Tipp?
Ich sage jedes Jahr Regen. (lacht) Dann kann das Wetter nur besser werden.

Das Open Air Gaul ist eines der ältesten immer noch gut funktionierenden Festivals im ganzen Land. Was ist das Geheimnis?
Ich denke eine große Rolle spielt die Location, die einfach volle cool ist, obwohl sie früher noch cooler war, weil es da noch schön lettig wurde, wenn es geregnet hat. (lacht) Wir sind nie eine Szene-Geschichte geworden, sondern haben immer versucht, alle Musikgenres zu bedienen. Von Rock bis Hip Hop und Punk gibt es in der Gaul einfach alles. Die meisten Besucher gehen in erster Linie nicht wegen einer spezifischen Band zum Open Air, sondern weil es einfach ein Treffpunkt für Musik- und Jugendkultur ist.

Dieses Jahr, zum 25-Jahr-Jubiläum, wurden nur Bands gebucht, die in den vergangenen 25 Jahren schon mal in der Gaulschlucht aufgetreten sind. Darunter Dead like Juliet, The Koalas, The Ohmygods, Dust N’ Bones aus Budapest oder die Celtic-Punk-Rock-Gruppe Sirreg aus Schweden. Dazu gibt es wie immer ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Spielen, Stockbrot-Pizza und die berühmte Chill-Out Lounge mit analkoholischen Getränken, die von Jugendlichen und einer Jux-Mitarbeiterin betreut werden.

Wie groß darf man als lokales Festival werden, damit man sich nicht übernimmt?
Wir sind so, wie das Festival jetzt ist, am Limit mit den Ehrenamtlichen. Größer ginge also nicht. Dadurch, dass das Open Air Gaul vom Jugendzentrum organisiert wird, sind auch die Jux-Mitarbeiter dabei, aber im Organisationskomitee sind nur Ehrenamtliche und auch die über 100 Helfer an den Festivaltagen arbeiten ehrenamtlich.

Dieses Engagement wurde 2018 auch durch einen Ehrenamts-Preis gewürdigt: Simon Pircher als Präsident des Jugendzentrums Jux Lana erhielt in Hall in Tirol die Auszeichnung „Glanzleistung – Das junge Ehrenamt“.

Matthias Gruber (links im Bild) und der Rest vom Schintertrupp. Seit Montag sind sie im Dauereinsatz in der Gaulschlucht.

Titel & Urheber des Bildes: 
Matthias Gruber

Jetzt mal Hand aufs Herz nach 25 Jahren: Wird es wirklich immer schwieriger, ein Festival zu organisieren? Steigt die Bürokratie?
Die Bürokratie wird nicht wirklich mehr, aber unvorhersehbarer. Wir haben von anderen Organisatoren oft gehört, dass es immer schwieriger und aufwändiger wird. Wir hatten bis vor kurzem nie Probleme damit. Bis vor einem Jahr: Am Donnerstag vor dem Festivalwochenende wurden wir auf die Quästur gebeten. Es hieß, wir bräuchten mehr Securitys. Insgesamt elf Leute statt sieben und dazu noch 15 Zuständige vom Veranstalter. Heuer sind es sogar noch mehr… In diesem Punkt gibt es leider keine klaren Gesetze, an die man sich halten kann, und keiner weiß wirklich Bescheid. Man kann noch so routiniert sein, auf solche Dinge kann man sich nicht vorbereiten. Durch die viele Security entstehen locker 2.000 bis 4.000 Euro Mehrkosten, die man erst mal mehr einnehmen muss oder die man anschließend weniger in die Jugendarbeit investieren kann. Also eines ist sicher: Die Kosten sind in den letzten Jahren gestiegen.

Denkt man in solchen Momenten dann auch mal ans Aufgeben oder war das nie Thema?
Soweit ist es bei uns noch nicht. Das Team hinter dem Open Air ist stark und vor ein paar Jahren kamen drei neue motivierte, junge Leute dazu, die frischen Wind reinbringen. Es herrscht einfach eine gute Grundstimmung.

Die Stimmung muss gut sein, sonst würden sich nicht jedes Jahr so viele freiwillige Helfer eigens eine Woche frei nehmen, um beim Aufbau zu helfen.
Der „Schinter-Trupp.“ (lacht) Zehn Leute nehmen sich extra Urlaub, um uns gratis beim Aufbau helfen. Das sind meine persönlichen Helden, ganz im Sinne von: „Ehrenomt mocht schian und jeder konns tian.“ Das Aufbauen ist für uns wirklich die geilste Zeit. Darauf freuen wir uns jedes Jahr. Früher haben wir erst am Mittwoch oder Donnerstag angefangen aufzubauen, das wäre heute nicht mehr möglich. Zwischen Absperrungen, Bühne abholen und aufbauen, Kassa und Budl aufbauen … Es ist aber nicht nur Arbeit. Sondern auch blöd tun und ein paar Bier trinken.

 

 

Was war dein persönliches Highlight in den 25 Jahren Open Air Gaul?
Ich würde wirklich sagen, die ganze Woche vom Aufbau bis zur Veranstaltung selbst, weil wir dabei wirklich so eine Hetz haben. Wir müssen dabei oft improvisieren. Vor zwei Jahren mussten wir ein Klo bauen, weil eine Band auf eine Toilette im Backstagebereich bestand. Wir haben also ein Plumpsklo gebaut. Ein schönes aus Holz mit einem ausgeschnittenen Herzen. (lacht)

Was treibt dich immer wieder an weiterzumachen?
Mich fasziniert es, dass wirklich jeder in die Gaul kommt. Ich glaube, es ist eines der wenigen Festivals, das für alle Altersgruppen zugänglich ist. Bei uns sind ganz junge Leute zwischen 14 und 15 dabei, aber auch ältere bis 40 Jahren. Es ist vielleicht auch eine Art Dorffest-Ersatz, weil es das in Lana nicht gibt. Es gibt, glaube ich, nicht viele Lananer, die noch nie auf dem Open Air waren oder nicht schon etwas damit zu tun hatten.

Was wird bei dieser Ausgabe das Highlight?
Highlight sind sicher die zwei Bühnen. Sobald eine Band auf der großen Bühne fertig gespielt hat, gehen auf der kleinen Bühne die Gatter auf und die Band „Sink or swim“ stimmt die Besucher auf das darauffolgende Musikgenre ein. So haben wir durchgehend Livemusik. Zudem spielen die Bands am Samstag bis halb zwei Uhr früh, statt nur bis zwölf Uhr, und es gibt ein 25-Jahr-Special um Mitternacht, das aber natürlich nicht vorab verraten wird.

Die Jubiläumsausgabe des Open Air Gaul 2019 findet am kommenden Freitag und Samstag (24. und 25. Mai) statt. Weitere Infos gibts auf unserer Festivalkarte.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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