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Die Bierbrauer

Sie haben es gewagt, die Südtiroler Bierszene aufzumischen: Karin Obrist und Daniel Anrather gründeten die Privatbrauerei Antonius – mit großem Erfolg.

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Karin Obrist und Daniel Anrather mit ihrem bayerischen Braumeister (rechts).

Bild: Antonius Bier
Bier ist nicht unbedingt das erste was einem beim Gedanken an Südtirol einfällt. Obwohl die Südtiroler jährlich geschätzt 80 Liter pro Kopf des Gerstensaftes trinken. Es liegt wohl eher an dem mangelnden Angebot, von dem die heimische Bierszene lange Zeit geprägt war. Denn wer sich nicht auf importiertes Bier stürzen wollte, dem blieb – abgesehen von kleineren Gasthausbrauereien – nur das einzige Südtiroler Bier aus dem gleichnamigen Algunder Ortsteil Forst. Doch damit ist jetzt Schluss, denn seit März 2012 braut neben dem Monopolisten aus dem Westteil des Landes, auch eine Brauerei in Völs am Schlern Südtiroler Bier. Daniel Anrather und Karin Obrist wollten die heimische Bierszene aufmischen und gründeten die Privatbrauerei Antonius. 
 

Seit gut einem Jahr sind sie mit ihrem Bier auf dem Markt und haben bereits so viel zu tun, dass es schwierig war, einen Interviewtermin zu bekommen. Schon zwei Monate nach der Eröffnung musste die Brauerei erweitert werden. „Wir mussten Tanks nachkaufen, weil die Kapazität fertig war“, sagt Karin, die von dem schnellen Erfolg überrascht war. 30.000 Hektoliter könnten sie jetzt brauen, helles Bier, Kellerbier, Weißbier und seit kurzem auch Radler, fix und fertig in der Flasche. Haben die Südtiroler nur auf das neue heimische Bier gewartet? „Gewartet weiß ich nicht. Aber viele Junge mögen Forst ja sowieso nicht. Warum ist so viel Paulaner in Südtirol vertreten?“, sagt die 30-Jährige. Die Forst verliere jedes Jahr um die zehn Prozent. So einfach wollten die alteingesessenen Bierbrauer aus Algund ihr Territorium auch nicht aufgeben. Karin hat so manche Geschichten gehört von den Getränkehändlern und Wirtsleuten, die sich für Antonius Bier entschieden haben. Sogar von Geldangeboten sei die Rede gewesen. 

Die Kunst des Bierbrauens
 
Eine eigene Südtiroler Brauerei war vor allem für Daniel ein lange verfolgter Plan. Zum einen braute der heute 28-Jährige bereits zu Hause in Töpfen sein eigenes Bier. Zum anderen war er überzeugt, dass es eine Marktlücke sei. Als es nach einigen Bankbesuchen und Bussines-Plänen endlich soweit war, fanden die beiden in Völs am Schlern den richtigen Standort für ihr Vorhaben. Das Wasser dort sei einfach das beste und „wo ein gutes Wasser ist, da kommt ein gutes Bier heraus“, sagt Karin. Sie bauten eine ehemalige Tischlerei in der St. Anton Straße – daher kommt auch der Name Antonius – zur Brauerei um. Kauften Braukessel, die Abfüllanlage und mehrere Tanks. Bis sie ihr Bier verkaufen durften dauerte es allerdings weitere 13 Monate, denn so lange mussten sie auf die Lizenz warten.
 
 
Bild: Antonius Bier
Gebraut wird Antonius Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot. Das bedeutet, es darf nur mit Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt werden. „Und es wird nicht pasteurisiert“, sagt die junge Brauereichefin. Dadurch sei es zwar nur ein halbes Jahr haltbar, schmecke aber besser. Beim Pasteurisieren wird das Bier erhitzt, wobei alle natürlichen Organismen abgetötet werden. Dadurch wird es länger haltbar, verliert aber an Aroma und bekommt den typischen Alterungsgeschmack, was Kenner als Pasteur-Geschmack bezeichnen. 

Dass beim Herstellungsprozess des Antonius Bieres nichts schief läuft und dass es die richtige Farbe und den perfekten Schaum bekommt, darum kümmert sich ein Braumeister aus dem Allgäu. Er ist einer von nur vier Mitarbeitern, die die Brauerei am Laufen halten. Neben dem Braumeister sind das noch Daniel und Karin selbst und ein Lehrling.

Antonius Bier gibt es mittlerweile in ganz Südtirol, dafür arbeiten sie vor allem mit den großen Getränkehändlern des Landes zusammen. Nur im Vinschgau seien diese sehr zurückhaltend. Das liegt wohl an der Nähe zur Forst. „Da sind wir nur in einigen Despar-Supermärkten und einzelnen Lokalen, die direkt bei uns angefragt haben“, erzählt die 30-Jährige. Die beiden Bierbrau-Neulinge sehen das gelassen, der Erfolg im ersten Jahr hat sie bestätigt. Die Brauerei ist schon wieder zu klein, die Pläne für eine neue größere Halle sind gemacht. Und früher oder später wollen sie ihr Bier auch nach Deutschland exportieren, erzählt Karin: „Wir haben ganz viele Anfragen aus München. Und das ist ein riesengroßes Kompliment.“

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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