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Hannes Vonmetz im Porträt

Der leidenschaftliche Tamperer

Hannes Vonmetz ist ein begabter Schlagzeuger, von klein auf spielte die Musik in seinem Leben die Hauptrolle. Jetzt, mit 18, ist sein Ziel noch immer: Profimusiker werden.

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Der junge Solist Hannes Vonmetz

Bild: Fabio Zulani

Viele Menschen träumen davon Musiker zu werden, doch die Konkurrenz ist immens. Viele sind talentiert und verfolgen denselben Traum. Talent ist zwar notwendige Voraussetzung, um Profimusiker zu werden, aber nicht entscheidend. Wie im Profisport braucht es einen eisernen Willen und Durchhaltevermögen, um ein wirklicher Virtuose zu werden. Solisten müssen ihre Instrumente mit Bravour beherrschen, sonst füllen sie keine Konzertsäle. Hannes Vonmetz, 18 Jahre alt, ist sich dessen bewusst.

Bereits als zweijähriger Bub begann er zu trommeln. Fast seine gesamte Familie spielt in der Musikkapelle und so war er bei zahlreichen Konzerten anwesend. Ihn faszinierte besonders der Schlagzeuger, der die Becken mit einer speziellen Technik spielte und so aussah, als jonglierte er mit ihnen. Damals wünschte sich der kleine Hannes, eines Tages auch so spielen zu können, und trommelte überall drauflos – auf der Kleinen Trommel, auf Töpfen und alles, was oben flach und innen hohl war.

Hannes Vonmetz nahm bereits an internationalen Wettbewerben wie der Universal Marimba Competition in Belgien oder dem Gran Premio Povoletto von Udine teil, immer als jüngster Teilnehmer. Insgesamt ist er Preisträger von neun Wettbewerben und zahlreichen Sonderpreisen.

Bild: Gymnasium W. v. d. Vogelweide

Die Eltern erkannten die Leidenschaft ihres Sohnes und suchten bald den Musiklehrer Manfred Gampenrieder auf, der ihn sofort unter seine Fittiche nahm. Hannes konnte noch nicht richtig sprechen, aber dafür umso besser trommeln. Ich erinnere mich noch gut, als ich ihn, meinen Cousin, als Kleinkind bei einem Familienfest das erste Mal auf seiner Kleinen Trommel in Aktion sah. „Der Tamperer kommt!“, rief die Großmutter. Dann betrat ein kleiner Knirps den Raum, mit einer Trommel und mit Stäben ausgerüstet, die beinahe größer als er selbst waren, und trommelte drauflos. Den Blick hatte er fest auf das Publikum gerichtet, um dessen Reaktion genau zu beobachten. Die gesamte Familie wohnte dem Auftritt aufmerksam bei und lachte über das amüsante Spektakel. Sein musisches Talent begeisterte uns aber genauso. Seine Leidenschaft für die Schlaginstrumente wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt.  

Der Anfang einer Leidenschaft

Als Kleinkind war die Musik für Hannes ein Spiel, ähnlich wie Monopoly. Kinder können sich mit denselben Spielen immer wieder unterhalten, wenn sie nur Gefallen daran finden. Hannes begann täglich zwei Stunden mit seinem Vater zu musizieren, eine Routine begann. Er sah darin den schnellsten Weg, um Mitglied bei der Musikkapelle zu werden – sein Kindheitstraum. „Diese spielerische Komponente war sicherlich prägend für meine Leidenschaft zur Musik“, resümiert Hannes heute. Ab fünf Jahren kamen andere Schlaginstrumente wie Xylophone, Multipercussion, Ethnopercussion, Drumset, Kleine Trommel und Body Percussion hinzu.

Als Jugendlicher wollte Hannes eine Zeit lang Schlagzeuger in einer Rockband werden. „Ich wollte einfach cool sein und den Mädels gefallen“, schmunzelt Hannes. Doch schnell merkte er, wie beschränkt seine Ausdrucksmöglichkeiten hier sind und er schlussendlich nur ein kleines Rädchen im Getriebe bleibt. Als Jungstudent im Konservatorium Bozen war er Schüler von Prof. Gianmaria Romanenghi, der ihm wieder neue Motivation für die Stabspiele gab. Hannes, zu dieser Zeit etwa 14 Jahre alt, beschloss, Solist zu werden. Die Stabspiele sind ein wichtiger Bereich der Schlaginstrumente, wo vor allem die Melodie die dominante Komponente darstellt. „Sie bieten mir die ideale Möglichkeit, meine Gefühle und Persönlichkeit auszudrücken“, sagt Hannes, der zugleich die sehr guten Bedingungen hervorhebt, mit denen er als junger Schlagzeuger in Südtirol aufgewachsen ist. Hier treffen die deutsche und italienische „Kultur“ aufeinander. „Die deutsche Kultur ist auf Perfektion bedacht. Die Italienische hingegen ist sehr musikalisch und kommt von Herzen. Wenn du diese beiden musikalischen Ströme vereinst, wird ein hervorragender Schlagzeuger aus dir.“

Der Traum vom Solisten 

Angst etwas zu verpassen hatte und hat Hannes nicht. Während die Freizeit seiner Altersgenossen hauptsächlich aus Freunde treffen, Ausgehen und Spaßhaben besteht, ist Hannes mit den Schlaginstrumenten in seinem Element. Seit seinem Entschluss, Profimusiker zu werden, entwickelte sich ein regelrechter Fanatismus, mit vier bis fünf Stunden täglichem Üben. „Jede Minute wird ausgekostet, um Schlagzeug zu spielen“, sagt er. Natürlich bedeutet das, dass alles der Musik untergeordnet und diese fast alleiniger Lebensinhalt wird.

„Die Schule ist ein Hindernis, noch mehr in die Musik zu investieren. Sie muss aber gemacht werden, denn ohne Matura geht es einfach nicht.“ Am Wochenende fallen jeweils acht bis zwölf Stunden Üben an, je nachdem wann er eine Pause einlegt. „Einen halben Tag am Wochenende muss ich abschalten, da tanke ich wertvolle Energie für die nächste Woche“, sagt Hannes. Er ist sich seiner Obsession bewusst, aber andererseits sei sie notwendig, um in der Musikbranche zu bestehen: „Schlagzeug erfordert so viel Energie – körperlich wie geistig – und die verschiedenen Instrumente benötigen außerordentliche Konzentration. Nur wenn ich wie ein Süchtiger übe und besser werden will, kann ich in dieser Szene bestehen.“

Schlagzeuger wie Hannes begleiten die klassischen Percussioninstrumente, wie die Marimba, das Vibraphon, die Kleine Trommel, die Pauken, Ethnopercussion, Setups. Hannes beherrscht sie alle tadellos. „Ich brauche die Abwechslung, sonst wird mir langweilig.“

“Ich bin ein Typ, der die Musik intensiv lebt, zu 100 Prozent. Entweder All-In oder gar nicht.”

Alternativen zum Profimusiker gibt es für Hannes nicht, deshalb verfolgt er auch keinen Plan B. „Warum auch? Ich wäre doch blöd, wenn ich meine Energie für Dinge aufwenden würde, obwohl ich doch weiß, dass ich sie für die Musik brauche. Ich bin ein Typ, der die Musik intensiv lebt, zu 100 Prozent. Entweder All-In oder gar nicht. Da bleibt nicht viel Zeit für andere Sachen.“

Vor allem die Familie ist ein wichtiger Rückhalt in seinem Leben abseits der Musik, die ihn immer wieder auf andere Gedanken bringt. Ein wenig Lampenfieber ist vor einem Auftritt öfters dabei. „Dieses Gefühl und das Adrenalin gilt es zu schätzen zu lernen, um Höchstleistungen zu erbringen,“ meint Hannes nüchtern. Etwas wehmütig erinnert er sich an die erste Auszeichnung, die er mit sechs Jahren an einem wichtigen Wettbewerb erhielt. „Diese Unbekümmertheit, die ich da hatte. Einfach nur die Musik als Spiel erlebt. Dieses kindliche Gefühl werde ich auf diese Weise nie mehr erleben. Ich sage mir aber trotzdem immer wieder: Du musst diesen kleinen Hannes nur wiederfinden.“

Gelegentlich gibt es auch Situationen, wo Hannes der Musik überdrüssig wird und am liebsten alles hinschmeißen würde. „Da gehe ich in die Natur und mache Sport, oder treffe mich mit meinen Freunden.“ Gleichzeitig ist sein Leben das Schlagzeug, da herrscht Gewissheit: „Ich habe das so entschieden und ich werde dafür leben.“ 

Nach der Matura möchte er an einer renommierten Musikhochschule sein Spiel perfektionieren. Immer fest im Blick hält er sein großes Ziel: Profischlagzeuger werden. Den Grundstein hierfür legt er weiter Tag für Tag und mit enormem Willen.

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