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Den Datenkraken ausgeliefert?

Google, Apple, Facebook und Amazon beherrschen das Internet – und kennen uns besser als wir selbst. Uns ihnen blind anzuvertrauen, ist naiv.

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Lizenz: CC0
Bild: Unsplash/ rawpixel

Man hätte die Buchstaben auch anders kombinieren können: AGFA (aber das gibt es bereits). FAGA. FAAG. AFGA. GAAF. AFAG. AGAF. Geworden ist es GAFA, und ich finde es passend. Das Akronym klingt so nämlich wie „Gaffer“, und tatsächlich haben die GAFA einiges mit „Gaffern“ gemein. 

Was verbirgt sich nun hinter GAFA? Es sind die Anfangsbuchstaben der vier einflussreichsten Tech-Konzerne unserer Zeit: Google. Apple. Facebook. Amazon. (Korrekterweise müsste man statt Google freilich dessen Mutterkonzern Alphabet erwähnen. Dann würde aus GAFA aber AAFA – und wer kann sich das merken?)  

Die GAFA also bestimmen, wie unser Internet aussieht. Klingt übertrieben? Ist aber so. Halten wir uns zunächst vor Augen, womit wir es zu tun haben. 

Beginnen wir mit Apple. Obwohl der Konzern – fast möchte man sagen „nur“ – für (zu) teure Computer und Smartphones steht und bei weitem nicht die größten Marktanteile in diesem Bereich hält, gilt Apple als das wertvollste Unternehmen der Welt

Den größten Anteil an diesem Erfolg hat ohne Zweifel das iPhone, dessen Präsentation durch Steve Jobs vor elf Jahren überhaupt erst den Siegeszug der Smartphones eingeleitet hat. Für viele ist das Wort iPhone sogar Synonym für Smartphone, so wie andere Tempo statt Papiertaschentuch sagen. Daran lässt sich ermessen, welch epochemachenden Einfluss Apple auf unsere Gegenwart hatte. Mittlerweile haben andere Konzerne nachgezogen, aber das iPhone bleibt der Gradmesser für den Stand der Technik. Freilich mutmaßen viele, dass Apple mittlerweile seinen Zenit überschritten hat. Der iPhone-Markt scheint gesättigt. Was soll nun noch folgen? Experimentiert wird mit durchwachsenem Erfolg mit Smartwatches und selbstfahrenden Autos. Trotzdem oder deswegen sind sich viele (vor allem Hater) einig: Apple ist demnächst am Ende. Dennoch muss man festhalten: Wer so häufig kopiert wird, kann nicht alles falsch machen. Lange hatte man über Apples Politik gelästert, mit der Kunden an den Konzern geradezu gefesselt werden: eigene Anschlüsse, eigene Betriebssysteme, inkompatibel mit anderen Geräten, selbstreferentiell im eigenen „Ökosystem“ und teuer beim Nachrüsten. Genau diese Strategie wird aber mittlerweile fleißig kopiert, sodass man sich als Käufer zuweilen fragen muss: Nehme ich die fast ebenso teure Kopie oder bleibe ich gleich beim Original? 

Trotz aller Unkenrufe ist davon auszugehen, dass Apple uns noch eine Weile erhalten bleiben und wahrscheinlich auch noch einige Innovationen bieten wird. 

Kommen wir zu Google. Ist Apple der Konzern, dessen Krakenarmen man entrinnen kann, so ist Google der Krake, dem wir geradezu hilflos ausgeliefert sind – und zwar umso mehr, wenn man NICHT bei Apple ist. 

Google ist nämlich weit mehr als „nur“ eine Suchmaschine. Zu Google gehört auch das einzige andere Smartphone-Betriebssystem, das neben Apples iOS bestehen kann: Android. Wer heute ein Smartphone besitzt, hat also die Wahl, sich Apple auszuliefern. Oder Google. (Natürlich kann man sich Google auch ausliefern, wenn man ein iPhone hat. Aber mit einem iPhone unterliegt man gewissen Zwängen nicht. Man braucht beispielsweise kein Gmail-Konto, damit das Handy funktioniert.) Android kommt mit gewissen vorinstallierten Apps, beispielsweise YouTube oder der Chrome-Browser, die ebenfalls zum Konzern gehören. Und natürlich ist die angebotene Suchmaschine die Google-Suchmaschine. Per Standortbestimmung und GoogleMaps kriegt man dann auch noch eine Art Navigationsgerät im Paket.

Wer das ganze Android-Paket inklusive Gmail (auch hier steht das G für Google) nimmt, liefert Google also Folgendes: Genaue Informationen, mit wem man im E-Mail-Kontakt steht (dass die E-Mails, die man schreibt, auch von Dritten gelesen werden können, sorgte erst kürzlich für einen mittleren Aufschrei), präzise Angaben über Aufenthaltsorte und Bewegungsmuster (aha, Herr Müller geht am Wochenende immer zur Thai-Massage), Angaben, welche Videos man sich gerne anschaut (so, so, Frau Meier will alles über Chemtrails wissen) und natürlich, welche Suchanfragen man so stellt (schau, schau, Frau Schmidt googelt nach einer Abtreibungsklinik). 

Dass Google – und dahinterstehend Alphabet – uns besser kennt als wir selbst, ist ein Bonmot, der vielen leicht über die Lippen kommt. Wie wahr der Satz ist und wie weitreichend seine Folgen sind, dürfte den meisten aber nicht klar sein. 

Dennoch gibt es neben Chef-Krake Google noch die beiden „Aushilfskraken“ Facebook und Amazon, die man nicht unterschätzen darf. Facebook dominiert die sogenannten Sozialen Netzwerke mit Facebook, Instagram und – was häufig vergessen wird – Whatsapp. Damit hat Facebook Zugriff auf Metadaten wie beliebte Hashtags und aktuelle Diskussionsthemen, aber nicht nur. Facebook weiß, welche Bilder wir teilen, welche Inhalte wir liken und sogar, was wir uns nur angeschaut haben, wie lange wir es uns angeschaut haben und wie viele Sekunden dieses Videos wir haben laufen lassen. Facebooks Algorithmus kategorisiert die Nutzer der Facebook-Dienste, bündelt sie zu Interessenspaketen und verkauft sie an Werbetreibende für sogenanntes Mikrotargeting

Kommen wir zuletzt zu Amazon. Von den GAFA-Konzernen der vielleicht unterschätzteste. Amazon hat sich vom Online-Buchhändler zum Online-Handel „für einfach alles“ gemausert – bis hin zum Filmstreamingdienst. 

Nicht zuletzt – und weniger bekannt – ist Amazons Ableger Amazon Web Services (kurz AWS) auch Vermieter von Datenspeicherplatz (Cloud) und hält damit Konzerne wie Airbnb, Spotify oder Netflix in seiner Abhängigkeit

Doch auch wenn wir uns nur Amazons Anteil am Onlinehandel ansehen, wird uns schwindlig. Wer heute ein Produkt kaufen möchte, sucht es meist gar nicht mehr mit Google. Sondern gibt es direkt auf Amazon ein. Ist ja auch praktisch: Ich sehe nicht nur, was es kostet, sondern auch, wie es von anderen Kunden bewertet wurde. Und kann es dann mit einem Klick direkt bestellen. Amazon ist dabei, als Produkt-Suchmaschine Google den Rang abzulaufen. Daher weiß der Konzern nicht nur, was wir kaufen, sondern auch, was wir uns sonst noch angeschaut, aber dann doch nicht gekauft haben. Amazon kennt uns also in einem Bereich besser als die anderen Konzerne: Amazon weiß, wofür wir unser Geld ausgeben. 

Die GAFA-Konzerne sind also tatsächlich Gaffer: Sie folgen unseren Schritten im Internet – und darüber hinaus. Wissen, mit wem wir wann wie lange reden (und meistens sogar auch noch, worüber). Sie kennen unsere Interesse und Ängste, wissen über unseren physischen und psychischen Zustand Bescheid (Herr Klein tummelt sich in Suizid-Foren). Sie wissen, wie wir politisch eingestellt sind, und prognostizieren, wen wir wählen werden. Sie kennen unser Konsumverhalten, unsere Vorlieben und Abneigungen. 

Das alles ist bekannt. Jeder hat davon gehört. Big Data ist ein Stichwort, das seit Jahren herumgeistert. Als Edward Snowden die Schnüffeleien der NSA enthüllte, waren wir sekundenlang empört. Dann war es uns wieder egal. Google, Facebook und andere wissen sowieso schon alles über uns. Dann kann die NSA doch auch noch gleich mitmachen. Und Booking.com und Tripadvisor und all die anderen Monopolisten, an denen scheinbar kein Weg vorbeiführt.

Die Wahrheit ist: Die Dienste, die wir scheinbar kostenlos nutzen können, sind es uns wert. Warum soll ich auf eine andere Suchmaschine umsteigen, nur damit Google nicht weiß, dass ich nach Lasagne-Rezepten suche? 

Wir sind es gewohnt, ausspioniert zu werden. Es macht uns nichts aus. Wir haben ja nichts zu verbergen. Sollen sie ruhig gaffen, die GAFA und ihre Konsorten. Es gibt nichts zu sehen. Was wir dabei vergessen: Das Internet ist größer als der Einflussbereich der GAFA. Es gibt mehr zu sehen. Wenn wir uns nur noch mit denen vernetzen, die auch auf Facebook oder Whatsapp sind – wenn wir nur noch das kaufen, was es auf Amazon gibt – wenn wir nur noch anklicken, was uns Google als erstes Suchresultat liefert – dann sind wir Gefangene. Und das auch noch freiwillig. 

Es mag sich nicht wie ein Gefängnis anfühlen, und natürlich: Man kann nie alles sehen, hören oder erfahren, was es gibt. Aber eines dürfen wir nicht vergessen: egal, ob Google, Facebook, Amazon oder ein anderer Tech-Riese – sie sind bestimmt praktisch, innovativ, bieten nützliche Dienste. Aber sie sind nicht die Guten. Uns ihnen blind anzuvertrauen, ist naiv. 

Man kann einwenden, dass wir keine Alternative haben, wenn wir uns nicht völlig abschotten wollen. Das ist zu einem gewissen Grad wahr. Doch es gibt gewisse Maßnahmen, die man treffen kann, um sich zu schützen. 

Darüber werde ich im nächsten Artikel schreiben. 

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