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Auf den Hund gekommen

Er gilt als bester Freund des Menschen – der Hund. Grund genug, mal einen Blick auf das Hundeleben in Südtirol zu werfen. Eine tierische Reportage.

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Bild: konstantin
„Schlaf gut lieber Schatz“ steht auf einem marmornen Grabstein. Davor wacht ein steinerner Schutzengel über Jerry, der laut Inschrift hier begraben liegt. Daneben zeigt ein kleines Bild den Verstorbenen: einen englischen Cocker Spaniel. Weitere Grabsteine reihen sich in dem kleinen Waldstück oberhalb von Terlan aneinander – in Südtirols einzigem Tierfriedhof. 
 
Es ist ruhig, zu hören sind nur Vogelgezwitscher und das Blätterrauschen. Mehr als 180 Gräber sind es mittlerweile, sagt Verena Mair vom nahe gelegenen Buschenschank Berg Josl und Betreiberin des Tierfriedhofs. Ein Spaziergang durch die letzte Ruhestätte zeigt, dass vor allem Hunde hier begraben wurden. Viele Grabstätten sind liebevoll gepflegt, mit Blumen, Bildern, Sprüchen und Andenken verziert. An manchen steht sogar ein eigens angefertigter Grabstein. 350 Euro koste ein solches Grab für fünf Jahre, sagt Mair. Danach kann es aufgelassen oder verlängert werden. „Die meisten verlängern aber für weitere fünf Jahre, weil sie nicht möchten, dass die Ruhe gestört wird.“ Verena Mair übernahm den Tierfriedhof vor vier Jahren von ihrem Onkel. Werbung dafür mache sie aber bewusst keine, weil dann die Nachfrage zu groß und der Platz viel zu klein wäre, erzählt sie. 
Bild: Judith Dietl
Bild: Judith Dietl
 
Rund 35.000 Hunde leben nach Angaben des Tierärztlichen Dienstes des Südtiroler Sanitätsbetriebs in Südtirol. Die Lieblingshunde der Südtiroler sind Mischlinge, am wenigsten beliebt sind Windhunde. Es gebe aber immer einen Trend, sagt Peter Rösch vom gleichnamigen Tierfachgeschäft unter den Meraner Lauben. In Mode seien derzeit die kleineren Hunde wie Chihuahuas, out dagegen Pudel. Der Geschäftsmann organisierte im Mai den ersten Flash-Mops Südtirols, ein internationales Möpsetreffen. Mit rund 80 Hunden und ihren Herrchen spazierte Rösch durch die Stadt und empfing die Möpse vor seinem Geschäft mit Delikatessen, serviert auf Silbertabletts. Es gab auch Kritik an der skurrilen Veranstaltung. Das sollte aber nicht so ernst genommen werden, wimmelt Rösch ab: „Das war einfach ein kleines Theaterle.“ 
 
Das Hundehotel
 
Die Beziehung zwischen Mensch und Hund hat sich verändert. Wurden Hunde früher noch als Nutztier gehalten, um Haus und Hof zu bewachen, werden sie heute oft als menschlicher Ersatz gesehen – vor allem in den Städten. Für viele Menschen ist der Vierbeiner ihr Ein und Alles. Der deutsche Schauspieler Heinz Rühmann sagte dazu: „Natürlich kann man ohne Hund leben. Es lohnt sich nur nicht.“ Viele wollen deshalb auch im Urlaub nicht auf Bello verzichten, in normalen Hotels stoßen Hunde aber oft auf Ablehnung.
Bild: Judith Dietl
Diese Marktlücke nutzte Elisabeth Prünster und eröffnete vor drei Jahren in Dorf Tirol das erste Hundehotel Südtirols. Ganz nach dem Motto „Urlaub für Mensch und Hund“ ist das gesamte Haus auf die Vierbeiner ausgerichtet. Bei der Ankunft gibt es einen Dorfplan mit Gassirouten und Gassisackln, im Zimmer stehen Hundebettchen und Hundehandtücher bereit, im Keller ist die Hundedusche untergebracht und auf der Hundewiese können sich Hund und Herrchen austoben. Vom Frühstück bis zum Abendessen – alles kann gemeinsam mit dem vierbeinigen Liebling genossen werden. Auf der Speisekarte gibt es sogar eigene Hundegerichte, in Wurstform verpackt und mit klingenden Namen wie Luna's Lammragout oder Sunny's Schlemmertopf. Die meisten Hundebesitzer nehmen allerdings das eigene Futter mit, weil viele Hunde ungewohntes Fressen nicht vertragen, erzählt Prünster. Sie hat selbst zwei Hunde, vom Vermenschlichen der Tiere hält sie nichts: „Ich sag nicht zu meinen Hunden, kommt her zu Mama. Der Hund ist nicht mein Kind.“ Und das macht sie auch ihren Gästen klar, wenn die Beziehung zum Vierbeiner übertrieben wird: „Viele bekommen wir, wenn sie hier sind, dazu, dass der Hund wieder mehr Hund sein darf.“ Die meisten seien aber eh ganz normal, fügt sie noch dazu. 
 
Sonnenbrille, Zahnbürste und Co.
 
Peter Rösch sieht das Verhätscheln von Hunden nicht so dramatisch. Und viele Produkte seien durchaus notwendig; Wie die Sonnenbrille für den Hund bei einer Bindehautentzündung, die Zahnbürste inklusive Zahnpaste für den Hund mit schlechten Beißern, das Hundehöschen für die läufige Hündin oder der gelartige Pfotenreiniger, um Keime und Schmutzpartikel, die sich in den Hautrissen festsetzen, zu entfernen. 
Außerdem seien viele Hunderassen heute so überzüchtet, dass sie gesundheitliche Probleme haben und deshalb spezielle Produkte benötigen. Das weiß auch Tierärztin Kathrin Schrott: „Jede Rasse hat so ihre Schwachstelle“, sagt sie. Häufig sei das Problem aber auch eine übertriebene Hygiene. Sie bietet in ihrer Praxis in Völs am Schlern neben der klassischen auch alternative Medizin an. Homöopathie für den Hund. In der Veterinärmedizin sei heute so viel möglich, von künstlichen Gelenken bis zur Chemotherapie. Da sieht aber auch die Tierärztin Grenzen: „Ich finde eine Chemo- oder Strahlentherapie ethisch nicht vertretbar. Man muss das Leben eines Hundes nicht um jeden Preis verlängern, wie beim Menschen." Da soll Hund doch lieber eine schöne letzte Ruhestätte bekommen.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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