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Achtung, Hund!

Von Gackerln und Sackerln

Obacht, liebe Hundefreunde, jetzt wird’s unappetitlich. Die Gretchen- beziehungsweise Kötchenfrage der Hundehaltung lautet: Nun sag, wie hast du’s mit dem Hundhaufen?

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Bild: Tatiana Rodriguez/unsplash

In Österreich versucht man es ja gern mit Charme, ehe man zum Raunzen übergeht. „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“, liest man auf Mülleimern, von denen treue Hundeaugen schauen. Gleich hinterdrein wird mit Geldstrafen gedroht.

Das wäre natürlich gar nicht nötig. Gewissenhafte Hundehalter (und sind wir das nicht alle?) brauchen keine Mahnungen und keine Drohungen, für sie ist es selbstverständlich, dass sie entsorgen, was ihr vierbeiniger Kumpel unerwünscht in den öffentlichen Raum stellt. Damit endet dieser Artikel und wir gehen über zum nächsten Kapitel. Oder aber wir schauen noch einmal genauer hin. Da scheint nämlich doch so einiges unaufgeräumt zu bleiben bei diesem Thema.

Für viele ist schon die reine Vorstellung ein Graus: Mit der Hand nach einem dampfenden Haufen zu greifen, wenn auch geschützt durch die dünne Plastikwand des „Sackerls“, kostet Überwindung, vor allem die ersten Male. Mit der Zeit wird es besser. Als Hundehalter muss man ohnehin hart im Nehmen sein. Denn natürlich bleibt nicht immer alles im Säckchen, sondern landet zwischendurch auch auf Haut und Kleidung. Doch wer es gewohnt ist, seinem Hund auch mal mit der bloßen Hand ins Maul zu greifen, um irgendeinen halbverwesten und unkenntlichen Tierkadaver herauszuziehen, der steckt das weg. Dafür hat man ja ein Haustier, um geerdet zu werden und sich eventuelle Zimperlichkeiten ordentlich abzugewöhnen. Spätestens, wenn man versucht, auch noch die Sauerei eines Hundedurchfalls in irgendeiner Form in ein Säckchen zu schaufeln, hat man sämtliche Berührungsängste hinter sich gelassen.

Der reine Vorgang des Häufchen-Entsorgens ist also irgendwann Routine. Spannender ist die Frage, ob auch die Infrastruktur stimmt. Dafür ist man einerseits selbst verantwortlich. Ich zum Beispiel habe in jeder Jacke, jedem Mantel, jeder Hosentasche immer mindestens ein-zwei Säckchen parat. Egal, in welcher Kleidung ich aus dem Haus gehe, irgendwo findet sich immer sorgsam zusammengefaltet ein rotes oder schwarzes Plastikbehältnis für den Fall der Fälle. Das hat bei mir ein Ausmaß erreicht, dass ich vor jedem Waschgang immer bergeweise Hundekotbeutel aus den diversen Taschen holen muss. Ich bin eben gerne gut vorbereitet.

Doch was nützen all die Säckchen, wenn man sie, nachdem man sie mit ihrer dampfenden Fracht beladen hat, nicht wieder loswird?

Die Zahl der öffentlichen Müllcontainer bewegt sich besorgniserregend jener der öffentlichen Telefonzellen entgegen. Eine aussterbende Spezies.

Das ist mir mehr als einmal passiert: KACK – SACK – PACK – ZACK, lautet die Anweisung, aber nach den Schritten „Kack“, „Sack“ und „Pack“ haperte es gewaltig mit dem „Zack“. Vielleicht ist es noch nicht allen aufgefallen, doch die Zahl der öffentlichen Müllcontainer bewegt sich besorgniserregend jener der öffentlichen Telefonzellen entgegen. Eine aussterbende Spezies.

Nie werde ich vergessen, wie ich in Meran in der Karl-Wolf-Straße stand, meinen Kack-Sack gepackt, verzweifelt nach einem Zack-Eimer Ausschau haltend – und da war weit und breit keiner! Und mit „weit und breit“ meine ich: kilometerweit und stadtviertelbreit. Erst irgendwo beim Vinschger Tor hab ich dann einen Mülleimer gefunden.

Na und?, sehe ich euch, liebe Leserinnen und Leser schon die Schultern zucken, dann gehst du halt mal ein bisschen länger, bis du den Sack wieder loswirst. Das sagt sich so leicht dahin. Aber wenn man dann einerseits den Hund an der Leine führt, andererseits seine Handtasche nebst eventuell noch einer weiteren Einkaufstasche und dann noch den ominösen Duftbeutel tragen soll, dann wird es mühsam. Es wächst einem in der Not ja trotzdem kein weiterer Arm aus der Achsel. Und kilometerweite Umwege machen, nur weil beim Vinschger Tor der Müll steht, man aber eigentlich nur noch zweihundert Meter in die entgegengesetzte Richtung zum geparkten Auto gehen will?

Ihr werdet schon öfter gesehen haben, was dann passiert: Plötzlich steht der gefüllte Sack einfach irgendwo am Wegesrand. Unschön und unanständig, ich weiß. Und ich will hier beteuern, dass ich selbst so etwas noch nie getan habe. Aber ich war oft nah dran. Denn die Alternative, also das, was ich getan habe, ist auch nicht so schön. Irgendwann steckt man den Kacksack nämlich in die eigene Handtasche oder deponiert ihn im Kofferraum oder balanciert ihn beim Autofahren auf dem Schoß und hält fieberhaft nach Mülleimern am Straßenrand Ausschau.

Dabei gäbe es durchaus eine Lösung: Man könnte mehr Hundekotbeutelspender-Mülleimer aufstellen. In Zernez, wo ich wohne, klappt das. Hier findet sich alle paar Hundert Meter ein „Bello“. Freilich muss man dazusagen, dass ich auch jährlich 100 Franken Hundesteuer zahlen muss. Und es gibt noch einen Nachteil: Leider sieht man nicht selten, dass Menschen ihren eigenen Müll in die Hunde-Mülleimer entsorgen, sodass die Kotbeutel oft gar nicht mehr richtig hineinpassen.

“Ich glaube nicht, dass sie das Zeug essen, mir jedenfalls haben sie es streng verboten.“

Ob man sich innovativere Konzepte einfallen lassen könnte? Immerhin könnte man Hundekot auch als Biomüll betrachten, was er ja auch wäre, wenn er nicht in Plastikbeutel gefüllt werden müsste. Es gibt erste Versuche mit biologisch abbaubaren Hundekotbeuteln, die allerdings auch wieder nichts bringen, wenn der Biomüll dann doch wieder mit den anderen Plastikbeuteln vermischt wird. Ich habe von Hundehalter*innen gelesen, die immer eine Schaufel dabeihaben, um beim Spazieren in der Natur den Hundkot zu vergraben. Ich stelle mir vor, wie das aussähe, wenn auf der schicken Passerpromenade in Meran alle paar Meter ein Hundehalter zwischen den gepflegten Blumenbeeten knien und das Häufchen seines Fiffis verbuddeln würde.

Vielleicht wird ja auch demnächst die verpflichtende DNA-Datenbank eingeführt, in der sämtliche Hunde erfasst werden. Und wenn dann ein einsamer Haufen zwischen geparkten Autos lauert, kann man die verräterische Hinterlassenschaft von der Schuhsohle kratzen, um den Übeltäter zu identifizieren und dessen pflichtvergessenen Halter zu bestrafen.

Was wohl die Hunde selbst über dieses Thema denken? Ein bisschen verwundert sind sie wahrscheinlich schon über unsere Besessenheit von ihrem Kot. Wenn Puck reden könnte, würde er es kopfschüttelnd beim Stammtisch erzählen: „Meine Menschen sammeln immer meine Häufchen. Dabei versuche ich diese immer ganz diskret zu verräumen und setze mich extra ins hohe Gras oder über ein Schneeloch. Meine Menschen fluchen dann immer, wenn sie den Haufen da fast nicht mehr rauskriegen. Ich weiß bis heute nicht, warum sie das tun. Ich glaube nicht, dass sie das Zeug essen, mir jedenfalls haben sie es streng verboten.“ Und dann würde er seufzend hinzusetzen: „Ich habe sie ja schon irgendwie lieb, aber so richtig verstehen werde ich sie nie.“

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Da kann ich nur sagen: kein Hund (und das Problem ist gelöst).

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