Anzeige
Satirisch gut

Neues vom Hetzer

Nun nehmen die Ausländer Adelbert B. auch noch den wohlverdienten Urlaub weg. Da hilft nur: Entspannen auf Balkonien und Frust ablassen auf Facebook.

8551978062_f151f5055d_o.jpg

Bild: Flickr, onnola

Nachrichten und Debatten rund um die Flüchtlinge boten diesmal reichlich Stoff, das alljährliche Sommerloch in den Medien zu füllen. Die Hitze kann dabei schon mal emotional machen: Die einen weinen, die andern streicheln, noch andere hetzen. Zu Letzteren gehört auch unser alter Bekannter Adelbert B. Nichts Neues also, aber in diesem Sommer ist Adelbert besonders aufgebracht. Seinen Mittelmeerurlaub hat er kurzerhand streichen müssen, als er in den Nachrichten vom letzten größeren Bootsunglück hörte: „Ich kann nicht da Urlaub machen, wo andere ersaufen. Ich bin doch kein Unmensch!“, sagt Adelbert. Und nachdem die Ausländer ihm bereits die Arbeit weggenommen haben, kann sich Adelbert einen ferneren Urlaubsort als das Mittelmeer nicht mehr leisten.

Das bedeutet für Adelbert: zu Hause bleiben. Und von hier aus kann er dasselbe auch von den Einwanderern fordern. Denn jetzt, wo die Flüchtlinge ihm sogar noch den Urlaub ruiniert haben (warum müssen sie auch gerade in seinem Meer ertrinken?), hat Adelbert umso mehr Zeit, seinen Frust auf den sozialen Netzwerken rauszulassen. Fleißiger denn je nutzt er Kommunikationsplattformen wie etwa die Facebook-Gruppe „Iats reichts“, um sein persönliches Sommerloch auszufüllen.

„Die Politik lässt uns Südtiroler im Stich. Ich komme mit meinem Arbeitslosengeld kaum noch über die Runden“, wettert Adelbert, während er Meersalz in sein Badewannenwasser schüttet – der Atmosphäre wegen. „Und wer will, dass der Staat noch mehr Flüchtlinge aufnimmt, der soll sie doch gefälligst selber aufnehmen. Oder er soll eine Steuer drauf zahlen, da hatte der Blöder oder Pöder, oder wie der heißt, mal eine gute Idee. Wenn man die Auswärtigen will, dann muss man eben auch kon…ehm konsequitent sein!“, so Adelbert. Und konsequent sein, das ist für Adelbert das Wichtigste.

Nach seinem Meersalzbad gibt sich der Asylskeptiker wieder ruhiger und versöhnlicher. „Eigentlich habe ich nicht wirklich etwas gegen Ausländer, wenn sie sich ordentlich integrieren“, so Adelbert. „Aber wenn man nach Europa will, muss man eben europäisch werden. Wie gesagt, Konsequitenz ist mir wichtig“, sagt er und veröffentlicht daraufhin einen neuen Post:

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
Anzeige

Satirisch gut

Was war los in Südtirol im letzten Monat? Ein satirischer Rückblick auf jene Ereignisse, die Land und Menschen bewegten.

Mehr Artikel
Anzeige

Hinterlasse einen Kommentar

Mehr Artikel

 | 
He says, she says

Ist der Weltfrieden weiblich?

In allen Ecken der Welt wird gemetzelt, geschossen, gesprengt. Liegt es daran, dass am Ende der Zündschnur immer Männer stehen?
0    
 | 
HIV und AIDS in Südtirol

Das Leben mit dem Tod

25 Menschen stecken sich in Südtirol jährlich mit dem HI-Virus an. Sicheres Todesurteil ist das keines mehr, aber Garant für Scham und Ausgrenzung.
0    

Resist

Mit „Resist“ legt die junge Rittner Rockband „Last Chance“ ihre erste eigene Single vor. Der Song handelt von Selbstvertrauen und Selbsthass.
 | 
Interview mit Spitzenkoch Roland Trettl

„Ich bin und bleibe Südtiroler“

Roland Trettl über First Dates, seine Hassliebe Südtirol und sein neues Buch „Nachschlag“, in dem er zu allem, was ihm nicht passt, seinen Senf dazugibt.
0    
 | 
Straßenzeitung Zebra

„Hopp, es geht weiter!“

Stephan verkaufte zebra. ab der ersten Stunde. Das gab ihm die Stabilität, um weitere Schritte zu wagen. Heute kann er sagen, dass er es geschafft hat.
0    
Anzeige