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Kommentar zur Corona-Impfpflicht

Ja zur Spritze

Die Infektionszahlen steigen, die Intensivstationen füllen sich. Ein Teil der Bürgerinnen und Bürger lässt sich aber nicht impfen. Für unseren Autor Wolfgang Mayr ist das arrogant und egoistisch. Er fordert die Impfpflicht.

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Bild: KitzD66/pixabay.com

Die Opfer dieser Haltung sind die Jugendlichen und die Seniorinnen und Senioren. Es wird wahrscheinlich nicht mehr allzu lange dauern, bis wieder laut über die Schließung von Kindergärten und Schulen nachgedacht wird. Werden die Altenheime wieder hermetisch abgeriegelt, kommt es zu einer Zwangsisolation für die alten Menschen?

Kommen wieder Ausgehverbote für Jugendliche, Schule zuhause vor dem Computer, irgendwann dann wieder ein Lockdown für alle? Nur weil Verblendete sich verweigern, aus angeblichen gesundheitlichen Gründen, wegen irgendwelcher vermuteten Nebenwirkungen, weil die persönliche Freiheit auch angeblich eingeschränkt wird?

Sagenhaft: Da entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wegen der pandemischen Gefahr in kurzer Zeit einen Impfstoff und von Covid bedrohte Menschen winken desinteressiert ab. Deren Argumente sind zur Genüge bekannt, nachzulesen auf Facebook. Da überbieten sich selbsternannte Fachleute mit Thesen über die „hochgespielte Covid-Gefahr“ und über die angeblich kleingeredeten Impf-Nebenwirkungen. Diese Expertinnen und Experten beschimpfen die tatsächlichen Fachleute als Handlanger von Big Pharma und Bill Gates – warum auch immer.

Da entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wegen der pandemischen Gefahr in kurzer Zeit einen Impfstoff und von Covid bedrohte Menschen winken desinteressiert ab.

Deshalb sind wir wieder dort, also vor 20 Monaten, als über uns die Pandemie hereinbrach. Warum ziehen die Verantwortlichen nicht die Reißleine? Führt doch die Impfpflicht ein, sage ich. Wir vertragen keinen Lockdown mehr und warum sollen noch mehr Menschen erkranken und sterben? Weil die Impfung gefährlich ist, weil die Freiheit eingeschränkt wird? Es reicht doch, oder?

Vor 100 Jahren kämpfte die Arbeiterbewegung für die allgemeine Schulpflicht, Bildung für alle, und für den Zugang für alle zum Gesundheitswesen, zum öffentlichen. Um die öffentliche Hand zu finanzieren, gilt die Steuerpflicht, auch wenn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung den Staat und somit die Mitbürgerinnen und Mitbürger betrügt. Die Folgen der laxen Handhabung der Steuereinhebung und der gesunkenen „Steuermoral“ sind spürbar, an allen Ecken und Ende fehlt Geld.

Dort, wo aus der Pflicht Freiwilligkeit wurde, bricht die Zivilgesellschaft ein. Es war keine Friedenspolitik, den obligatorischen Militärdienst abzuschaffen, damit wurde auch der Zivildienst aufgehoben. Die Zivildiener fehlen im Sozialwesen. Abgeschafft wurde auch die Wahlpflicht, die demokratischen Wahlen verlieren damit stückweise an Legitimation. Kehren wir doch wieder zurück zu Pflichten, die ja auch Rechte sind, wie das Recht auf Gesundheit, auf körperliche Unversehrtheit.

Dort, wo aus der Pflicht Freiwilligkeit wurde, bricht die Zivilgesellschaft ein.

Im Lockdown beschimpften Wirtschaftssparten die Politik wegen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herunterfahrens. Nachvollziehbar. Warum aber halten sich Handel und Gastronomie nicht peinlich genau an die Vorgaben und Regeln? Beim Besuch von zehn Gasthäusern in den vergangenen Wochen fragte nur ein Betreiber nach dem Green Pass. Die Laxen sind dann jene, die gegen den Lockdown protestieren und die Hände aufhalten, um vom Land und Staat Starthilfe zu erhalten.

Der Journalist Martin Zeyn sagte in der KulturBühne auf Bayern2: „Es gibt keine Freiheit, andere zu gefährden. Jeder hat das Recht auf eine Meinung. Aber niemand hat das Recht, mich zu gefährden, weil er meint, sich nicht impfen zu lassen wäre eine rechtlich gestützte Entscheidung. Ist es nicht!“ Zeyn meint, „wir können niemandem befehlen, sich selbst zu schützen.“ Doch, das können wir. Mit der Impfpflicht für alle. Rechtsfahren, angurten, rote Ampeln, wer zweifelt an diesen Regeln? Betrunken Auto fahren? Geht nicht, wohl eine der erfolgreichsten Maßnahmen der Berlusconi-Regierung. Traut euch doch, die Handbremse anzuziehen. Wie viele Wellen sollen noch über uns zusammenschlagen, nur weil Südtirolerinnen und Südtiroler sich im „Widerstand fühlen?“

Kehren wir doch wieder zurück zu Pflichten, die ja auch Rechte sind, wie das Recht auf Gesundheit, auf körperliche Unversehrtheit.

Wie schon die Alt-Vorderen 1809. Die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ grub eine sehr alte Geschichte aus dem Jahr 1807 aus. Damals führten die Bayern, die Verbündeten des Napoleon-Frankreichs, als erstes Land der Welt die Impfpflicht ein. Kostenlos, ab dem Alter von drei Jahren, eine Impfung gegen die Pocken. Jährlich verstarben damals im westlichen Europa bis zu 400.000 Menschen. Mit ihren importierten Pocken vernichteten die europäischen Eroberer in Amerika einen Großteil der Ureinwohner-Völker.

Der Kapuzinerpater Joachim Haspinger, ein durch und durch reaktionärer katholischer Fundamentalist, wetterte gegen die Impfung. Haspinger verdammte die Maßnahme als teuflischen Versuch und als Gotteslästerei.  Die Tiroler griffen zu den Waffen. „Diese Schutzimpfung provozierte den bewaffneten Aufstand,“ Anno 1809, spöttelte „Die Welt“. Um welchen Aufstand geht es heute? Um einen Aufstand der Egoistinnen und Egoisten, Besserwisserinnen und Besserwisser. Aber: „Es gibt keine Freiheit, andere zu gefährden“. Deshalb, her mit der Pflichtimpfung.

Andersherum: Ärztinnen und Ärzte und Pflegerinnen und Pfleger in Deutschland kündigten an, wegen der Arbeitsbelastung künftig ungeimpfte Covid-Erkrankte nicht mehr behandeln zu wollen. Krebs- und Herzpatienten wollen sie bevorzugen, statt Impfverweigerern und Covid-Leugnern das möglicherweise gefährdete Leben zu retten. Eine logische Umsetzung der egoistischen Grundhaltung der Schwurblerinnen und Schwurbler. Es wäre nur konsequent, die Solidarität mit jenen aufzukündigen, denen die Solidarität am Arsch vorbeigeht. Wetten, der Aufschrei der „Widerstandskämpfer“ gegen eine solche Praxis wäre enorm!

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