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Ist das Kunst oder kann das weg?

Künstler, Kritiker und Experten sind sich einig: Wenn wie im Bozner Museion Kunst mit Müll verwechselt wird, liegt es nahe, den Müll zur Kunst zu erklären.

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Auch Marcel Duchamps „Fahrrad-Rad“ landete auf dem Müll, wurde später rekonstruiert und zur Kunst erklärt.

Bild: flickr/Eneas de Troya

Die Liste der Künstler, deren Werke für Abfall gehalten wurden, ist lang, und sie trägt große Namen wie etwa jenen von Marcel Duchamp. Nun blieb auch dem Museion, dem Bozner Museum für zeitgenössische Kunst, eine solche Verwechslung nicht erspart. Eine Putzfrau entsorgte ein Kunstwerk, das sie für die Überreste einer längeren Partynacht hielt. Aber ist das noch innovativ? Sensationell? Nach gekreuzigten Fröschen und schwebenden Kartonschachteln war es wohl eher eine simple Frage der Zeit, bis es zu einem solchen Vorfall kam.

Das gesteht sich auch die Leiterin des Museions Letizia Ragaglia ein. Deswegen habe sie eine Versammlung ranghoher Kunstexperten, Künstler und Kritiker einberufen. Die Frage lautete: Was kann noch origineller sein als Kunst, die wie Müll aussieht? „Wir haben lange diskutiert und recherchiert“, sagt Ragaglia. „Und wir kamen zum Ergebnis: Müll, der wie Kunst aussieht.“

So wurde schließlich die Idee für das „Mülleion“ geboren. Hier soll tatsächlicher Abfall als hohe Kunst ausgestellt werden. So werden lästige Verwechslungen von Kunst und Müll a priori vermieden. Denn jeder weiß, dass es sich eigentlich um Abfall handelt. Liebhaber zeitgenössischer Kunst zeigen sich begeistert: „Die Ausstellungsobjekte kommen direkt aus Mülleimern, Deponien und Containern. Dadurch werden auch jene eingeschnappten und eitlen Individuen überflüssig, die früher für die Erschaffung dieser Ausstellungsobjekte nötig waren; also jene Menschen, die sich Künstler nennen.“

Der Einfall des Museions, Müll für Kunst auszugeben, ist nicht nur für die Kunstwelt bahnbrechend. Das zeigt etwa die erfreute Reaktion des Bürgermeisters von Neapel Luigi de Magistris: „Wenn das so ist, bewerben wir unsere Straßen gleich als UNESCO-Weltkulturerbe!“  Aber was genau nun alles als Müll und dadurch auch als Kunst gelten kann, ist noch umstritten. Jedenfalls erheben inzwischen auch schon einige Südtiroler Politiker den Anspruch darauf, dass ihre Reden und Wahlversprechen als Kunst angesehen werden.

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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