Setzen, Fünf!

Die SVP und der böse Wolf

Politiker machten schon ihren Lehrern zu schaffen. Und heute? Wir lesen Pressemitteilungen wie Schularbeiten, die SVP macht den Anfang – setzen!

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Bild: Photo by Michael LaRosa on Unsplash

Wenig schwarz, viel rot: Manche Schüler bereiten ihren Lehrern viel Arbeit und Kopfschütteln. Mit Grammatik- und Rechtschreibfehlern, akuten Matheschwächen, verfehlten Themen ... Heute sind einige dieser ehemaligen 5er-Schüler in der hohen Politik und bereiten immer noch viel Arbeit und Kopfschütteln – bei Journalisten. Darum wollen wir in die Haut ihrer Deutschlehrer schlüpfen und ihnen mal genauer auf die Finger, das heißt auf die Pressemitteilungen schauen: Ausdrucksfehler? Argumentationslücken? Mangelhaftes Faktenwissen? Hier wird alles rot angestrichen. Und gnadenlos bewertet ;-)

Heute im Visier des Rotstifts: eine Pressemitteilung der SVP vom 3. Mai 2018. Thema: natürlich der Wolf.

Bild: Teseo La Marca

„Landesrat Schuler am Tschöggelberg – Südtirol braucht keinen Wolf”

⇒ Guter Titel: vor allem durch die Ortsangabe gelingt ein subtiler Hinweis auf das intellektuelle Niveau der Veranstaltung.

 


„Die Sitzung fand in Mölten statt, wo Bürgermeisterin Angelika Wiedmer als Gastgeberin durch den Abend führte. Rund 150 Besucher diskutierten bei der Sitzung aktiv und teils sehr emotional mit. Die meisten Wortmeldungen betrafen das Thema „Wolf in Südtirol“. Der öffentliche Tenor forderte ganz klar, gezielte Maßnahmen gegen eine Ansiedelung von Wölfen zu setzen, fasste der Bezirksobmann den Diskussionsverlauf zusammen.”

⇒ Kann man bei nur 150 Besuchern von „öffentlichem Tenor“ sprechen? Bitte beim Kollegen in Mathematik besser aufpassen.

 


„Im Rahmen der Bezirksausschusssitzung wurden vorab die speziellen Anliegen der Bewohner des Tschöggelberges besprochen. Jenesiens Bürgermeister, Paul Romen, thematisierte sowohl die Notwendigkeit und Bedeutung der Wasserversorgung am Tschöggelberg als auch die infrastrukturelle Charakteristik des Tschöggelbergs, der derzeit über vier Seilbahnen erreichbar ist. “

⇒ Völlig irrelevant – eine spannende Einführung sieht anders aus. Zugegeben, es ist ein schwieriges Thema: Der Tschöggelberg war schon immer der fade und langweilige kleine Bruder des Rittens.

⇒ Achtung bei der Genitivbildung: nicht zwei verschiedene Formen im selben Satz verwenden! Das ist kein stilistischer Hochgenuss.

 


„Im zweiten Teil der Sitzung referierte Landesrat Arnold Schuler.
Er arbeite an einer internationalen Seilschaft zur Regulierung der Wolfspopulationen, berichtete Landesrat Arnold Schuler.”

⇒ Ausdrucksfehler: Das Wort „Seilschaft“ hat einen sehr negativen, nahezu mafiösen Beiklang. War das so beabsichtigt?

 

„Der europäische Wolfsbestand wächst. Ein Wolfsmanagement müsse andere Nutzungsinteressen berücksichtigen und im Sinne einer wildökologischen Raumplanung erfolgen.”

⇒ Deutsch sprechen! Was soll man bitte  unter einer „wildökologischen Raumplanung“ verstehen? Berücksichtige auch: Am Tschöggelberg ist eine bodenständige Sprache ohnehin angebrachter.

 


„Aufgrund der europaweit günstigen Populationsentwicklung müsse deswegen der Schutzstatus des Wolfes in der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gesenkt werden, forderte Schuler.”

⇒ Klartext sprechen, Floskeln vermeiden! Gemeint ist hier: Jeder einzelne Wolf, der heiligen Südtiroler Boden betritt, soll abgeschossen werden.

 


„In der teilweise sehr emotional geführten Diskussion kam es zum regen Austausch. Vorwiegend Bauern und Jäger sprachen über die Schäden, die der Wolf verursacht(,) und schlugen Maßnahmen sowie Ideen für Pilotprojekte unter Einbezug des Tourismussektors vor.”

⇒ Konkrete Beispiele für solche Pilotprojekte nennen: sündhaft teure Jagdsafaris für Trophäenjäger aus Russland und den USA? Ein Kuschelzoo mit eingefangenen Wölfen für deutsche Touristenkinder?

⇒ Bitte auch die Kommasetzung beachten!

 


„Nach der sehr erfolgreichen Veranstaltung im Überetsch zur Mobilität, ist dies die zweite „offene“ und somit allen zugängliche SVP-Bezirksausschusssitzung im Bezirk Bozen Stadt und Land. Das neue Modell und die neu gewonnene Sitzungskultur, die von Bezirksobmann Perathoner lanciert wurde, wird auf Grundlage des breiten Anklanges berichtig in den kommenden Monaten fortgesetzt und somit die anstehenden Bezirksausschusssitzungen in den verschiedenen Gemeinden des Bezirkes abgehalten und weiterhin der breiten Öffentlichkeit partizipativ zugänglich gemacht werden.”

⇒ Und wieder: Komma! Diesmal allerdings eins zu viel.

⇒ Sehr sperrige Satzkonstruktion! Welcher Tschöggel soll dem noch folgen können?

 

Gesamturteil:

Schöner Titel, aber sehr konfus und vage gehaltener Bericht. Außerdem kommt hier nicht klar zur Sprache: Was will man mit dem Wolf machen? Insgesamt wird dem Schüler empfohlen, sich von den Kindermärchen vom bösen Wolf langsam abzuwenden und stattdessen richtige Literatur zu lesen. Das kann auch der Ausdrucksweise und dem Satzbau nur von Nutzen sein.

Note: 5

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.

Setzen, fünf

Wenig schwarz, viel rot: Manche Schüler bereiten ihren Lehrern viel Arbeit und Kopfschütteln. Mit Grammatik- und Rechtschreibfehlern, akuten Matheschwächen, verfehlten Themen ... Heute sind einige dieser ehemaligen 5er-Schüler in der hohen Politik und bereiten immer noch viel Arbeit und Kopfschütteln – bei Journalisten. Darum wollen wir in die Haut ihrer Deutschlehrer schlüpfen und ihnen mal genauer auf die Finger, das heißt auf die Pressemitteilungen schauen: Ausdrucksfehler? Argumentationslücken? Mangelhaftes Faktenwissen? Hier wird alles rot angestrichen. Und gnadenlos bewertet ;-)

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