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Der Horrortrip

Arme Ulli: Ihr Urlaub in der Türkei wird zum Albtraum.

Liebes Tagebuch,

nie, wirklich nie mehr wieder, darf ich auf Pius hören. Wie konnte er mich nur in die Türkei fahren lassen? Und das mit den Worten „Des werd diar guat tean“. Tatsache ist: Der Horrortrip nach Adalia hätte mich fast umgebracht. Dabei hatte ich mir wirklich Mühe gegeben, den Urlaub zu genießen. Aus den Handtüchern hatten mir die Zimmermädchen einen Schwan gebastelt und auf mein Bett gelegt. Rundherum hatten sie getrocknete Rosen gestreut, in Herzform! Ich kann mich nicht erinnern, wann sich jemand das letzte Mal so viel Mühe gegeben hat, mir etwas Gutes zu tun. Leider hatten die Mädchen vergessen, die Stacheln zu entfernen ...

Bis vor einer Woche dachte ich immer, alle Südländer liegen nur faul in der Sonne herum. Auf unserer Hotelanlage wurde ich eines Besseren belehrt! Gleich neben meinem Zimmer stampfte eine Gruppe türkischer Bauarbeiter eine Bungalowreihe aus dem Boden. Von frühmorgens bis spätabends hatte ich ihr Sägen, Hämmern und Bohren im Ohr. Schon in der ersten Nacht machte ich eine weitere bleibende Bekanntschaft: mit einheimischen Stechmücken. Da ich neu in der Gegend war, stachen sie mir erstmal den Körper wund. Wie könnte ich etwas dagegen einwenden? Schließlich ist das ihr Land und nicht meines.

Apropos mein Land. Ein halbes Kilo Kaminwurzen reichte natürlich nicht – wie Pius meinte – aus, um eine Woche Türkei zu überleben. Schon am Flughafen hatte ich fast alles aufgegessen. Am zweiten Abend schaffte ich es daher nicht mehr, eiskalt am Buffet vorbeizugehen. Ich muss wohl eine ganze Salatschüssel von der Joghurt-Soße verputzt haben. Die Rechnung für meine Gefräßigkeit bekam ich noch am selben Abend präsentiert. Wegen meiner Bauchkrämpfe musste sogar der Hotelarzt gerufen werden. Der diagnostizierte eine grobe Magen-Darm-Infektion. Ich will nicht groß drumherum reden: Ich lag mit Dünnschiss im Bett. Drei volle Tage lang!

Am vorletzten Abend ging es mir dann besser. Nur wie ich aussah: Abgemagert und blass. So konnte ich unmöglich aus dem Urlaub zurückkommen. Also beschloss ich, den ganzen nächsten Tag am Pool zu schmoren. Hätte ich mich eingecremt, wäre doch nie etwas aus der Sommerbräune geworden. Bei jedem Tritt werde ich nun schmerzhaft an die eigene Dummheit erinnert. Kniekehlen und Pofalten sind besonders schlimm betroffen.

Seit gestern bin ich wieder zu Hause. Ich habe den Boden geküsst, als ich in Südtirol aus dem Auto stieg. Wenn das Urlaub sein soll, dann freue ich mich aufs Arbeiten!
 

Barbara Bachmann

ist freie Journalistin und in der Welt zu Hause. Als Reporterin sucht und findet sie gute Geschichten wie das Schwein den Trüffel.
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Liebes Tagebuch

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