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Der Geburtstagsfrust

Ulli Mair feierte am 11. September ihren 39. Geburtstag. Zeit Bilanz zu ziehen.

Liebes Tagebuch,

letzte Woche hab ich Kerzen ausgeblasen, 39 an der Zahl. Was bedeutet: Ich bin schon wieder um ein Jährchen älter geworden und wie es Tradition für mich ist, habe ich an meinem Geburtstag Bilanz gezogen.
Beruflich kann ich mir auf die Schulter klopfen, wenn das sonst schon niemand gerne tut (wir Südtiroler sind ja ein neidisches Völkchen, da gönnt niemand niemandem was). Egal was andere sagen: Mit meinen nicht mal 40 Jahren hab ich einiges erreicht, als Landtagsabgeordnete und Landesparteiobfrau! Status: Position noch ausbaufähig! Stolz bin ich, dass ich alles aus eigener Kraft geschafft hab, nicht wie diese jämmerlichen SVP-Kandidaten, die nur aus Opportunismus in ihrer Partei sind.

Privat machen mich Geburtstage nachdenklich. Das ist komisch, denn eigentlich stehe ich voll darauf, im Mittelpunkt zu sein. Langsam erhole ich mich davon, dass mir im Jahr 2001 Al-Kaida den Tag verpatzte. Als die Kumpels von Bin Laden in die New Yorker Twin Towers hineinpreschten, saß ich zuhause vor dem Fernseher, mit einer Schwarzwälder Kirschtorte vor mir, und war gerade 27 Jahre alt geworden. Für ein paar Jahre hat sich meine Geburtstagsfreude, ähnlich wie die Zwillingstürme, in Luft aufgelöst. Wer will schon an einem 11. September seinen Geburtstag feiern und ständig mit Negativem konfrontiert werden? Den Tag feiern höchstens die Terroristen und mit denen verbindet mich nun wirklich nichts.

Noch ein Jahr und dann wird’s brenzlig für mich! In diesen zwölf Monaten muss ich ordentlich was reißen. Dann bin ich 40! Ob ich wohl schon alt aussehe? Die grauen Haare überfärbe ich seit Jahren mehr oder minder erfolgreich. Aber mittlerweile bereue ich, so oft ins Solarium gegangen zu sein ... Es wäre auch klug von mir gewesen, früher mit der Augencreme anzufangen!
Aber sehe ich auch älter aus als andere? Älter, als meine Jahrgangsgenossinnen Laura Pausini oder Penélope Cruz? Wenn, dann wäre das kein Wunder. Dass ich mich so oft mit Pius, Sigmar und Co. herumärgern muss, hat mich ein paar Jahre meiner Jugend gekostet. Mindestens!


 

Barbara Bachmann

ist freie Journalistin und in der Welt zu Hause. Als Reporterin sucht und findet sie gute Geschichten wie das Schwein den Trüffel.
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Liebes Tagebuch

Die geheimen Gedanken unserer Politikerinnen. BARFUSS sind die Tagebücher von Ulli Mair und Brigitte Foppa zugespielt worden. Über die Echtheit besteht kein Zweifel ;-)

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