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Bissige Ulli

Anfeindungen im Wahlkampf sind normal. Doch Ulli treffen sie besonders hart.
Liebes Tagebuch,
 
Politikerin sein, das ist nicht leicht. Echt nicht! Ich beschwer mich ja selten, aber heute muss ich sagen: Mein Leben ist anstrengend. Manchmal möchte ich nicht in meiner Haut stecken. Am liebsten aus mir herausfahren. Hat jemand eigentlich eine Ahnung, wie das ist? Ständig die Zeitung aufzumachen und sein Gesicht darin wiederzufinden wie in einem Spiegel, das Radio aufzudrehen und seine eigene Stimme zu hören oder im Internet Videos von sich anzuschauen? Ich bin praktisch ständig mit Ulli Mair konfrontiert und ich kann sagen: Das ist nicht ohne!
 
Selten liest, sieht oder hört man ja Positives von sich, im Gegenteil: Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird man als öffentlicher Mensch angefeindet. Vieles prallt von mir ab, da hab ich mir einen dicken Panzer zugelegt in all den Jahren. Aber manchmal nehm ich mir die Kritik dann doch zu Herzen. Wie gerade eben wieder. Auf die Frage, „Ulli Mair ist ...?“, hat Elena Artioli im Interview mit der Südtiroler Tageszeitung doch glatt mit „...bissig“ geantwortet. 
Ich muss zugeben, dass mich das ziemlich wütend gemacht hat, und zwar aus mehreren Gründen! Erstens mal regt mich auf, warum die Pressetussi nicht fragen konnte, was Elena Artioli beispielsweise von Sabina Kasslatter-Mur oder von irgendeiner anderen SVP-Tante hält? Immer muss ich den Kopf herhalten und das stinkt mir langsam ganz gewaltig! Bissig zu sein ist ja an sich nichts Schlechtes, in meiner Welt kommt es sogar einem Kompliment gleich. Mich stört nur, wie es diese Artioli gesagt hat ... Ihr überhebliches Grinsen hat mich echt rasend gemacht. Dabei könnte ich eigentlich lachen, wenn ich mir anschaue, wie dick sie geworden ist. Die ist ja nur neidisch, weil ich vier Jahre jünger bin. 
 
Offenbar hab ich ganz schön an der Kritik zu knabbern, und das ist ungewöhnlich für mich. Von meinem Therapeuten weiß ich, dass jeder Mensch im Grunde nur geliebt werden möchte, daran sei gar nichts abwegig. Und ich bin ja auch irgendwo menschlich, von daher wohl nicht davor gefeit. „Ulli, vorsichtig sein!“, ermahnte sie mich. In nächster Zeit könnten sich die Anfeindungen gegen mich nämlich häufen, Stichwort: Wahlkampf! Da würd’ ich vorher schon gern wissen: Ist da draußen jemand, der mich richtig gern hat? 

Barbara Bachmann

ist freie Journalistin und in der Welt zu Hause. Als Reporterin sucht und findet sie gute Geschichten wie das Schwein den Trüffel.
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Liebes Tagebuch

Die geheimen Gedanken unserer Politikerinnen. BARFUSS sind die Tagebücher von Ulli Mair und Brigitte Foppa zugespielt worden. Über die Echtheit besteht kein Zweifel ;-)

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