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Satirisch gut

Benko für Bozen

Die Geschichte eines missverstandenen Wohltäters und einer Volksbefragung, deren Ausgang nichts ändern wird.

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Bild: Signa

Die Liste an Dingen, die René Benko mit Südtirols Landeshauptstadt noch vorhat, erweitert sich rasant: Ein Skigebiet, dessen Pisten vom Rittner Horn bis nach Bozen reichen, außerdem ein großer Badesee auf den Talferwiesen und eine sechsspurige Brenner-Autobahn (mit einer Ausfahrt, die direkt ins Kaufhaus führt): Das alles hat Benko jetzt noch draufgelegt. Natürlich versäumt er es nicht, auch diese phantastischen Projekte – so wie er es bereits mit der Virgl-Seilbahn getan hat – auf zahlreichen Prospekten in Verbindung mit dem Kaufhaus zu zeigen (siehe Bilder auf der Zukunft-Bozen-Seite). Was genau Benko damit erreichen will, darüber rätseln manche Marketing-Experten noch. „Das Team hinter Benko wird kaum davon ausgehen, dass die Bozner tatsächlich so blöd sind, zu meinen, sie würden auch die Virgl-Seilbahn bekommen, falls sie bei der Volksbefragung für das Kaufhaus stimmen“, meint der Experte Mark Ting. „Schließlich weiß ja jeder, dass es sich bei Kaufhaus und Seilbahn um zwei verschiedene Dinge handelt und dass die Seilbahn eine noch rein hypothetische Sache ist. Die Marketing-Strategie dahinter muss also komplizierter sein.“

Werbung wurde in den letzten Wochen auch auf der Contra-Seite eifrig betrieben, denn man erwartet auf beiden Seiten, dass die Wahlberechtigten zahlreich zu den Urnen gehen werden. Hier und da geht man sogar davon aus, dass die Teilnahmequote an dieser Volksbefragung weit höher ausfallen wird als etwa bei den Gemeinderatswahlen im Mai. Dieses Geschehen beobachten Politikwissenschaftler nun mit Interesse. „Entweder Benko hat es tatsächlich geschafft, eine Volksbefragung, die nichts ändern wird, als entscheidendes Referendum zu verkaufen. Oder die Bürger wollen sich gerade dort beteiligen, wo sie keinen Einfluss und damit keine Verantwortung haben. Was es genau ist, das müssen wir Forscher nun eben herausfinden”, verrät uns ein Beobachter.

Laut den Beobachtern sei es jedenfalls ein Fakt, dass das Projekt Kaufhaus vorangetrieben werden wird, auch wenn in der Volksbefragung das Nein gewinnen sollte. Dann wird eben der nächste Bozner Gemeinderat erneut darüber entscheiden müssen. „Die Bürger wissen halt nicht immer, was das Beste für sie ist“, meint ein Vertreter des GUWW-Vereins (Großinvestoren, die Unvermutet zu Wohltätern Werden), „deswegen muss man vorsorgen für den Fall, dass das Nein gewinnt.“ Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen: Manchmal muss man die Menschen wohl zu ihrem Glück zwingen. Und so kommen wir der Umsetzung des Projekts immer näher, das wohltätige Engagement René Benkos lässt sich kaum noch aufhalten.

Wenige sind es bisher, die im Multimillionär, der 2014 wegen Korruption verurteilt wurde, diesen missverstandenen Wohltäter erkannt haben. Diese wenigen fordern aber bereits, dass dem Philanthropen René Benko ein Denkmal errichtet werde. Ein guter Ort dafür wäre vielleicht der Waltherplatz, dort, wo jetzt noch die Waltherstatue steht. Von dort jedenfalls könnte der steinerne René wahrscheinlich schon bald auf die langjährige Baustelle seines Kaufhauses blicken.

Bild: Facebook

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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