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Satirisch gut

„Öt-schiii!“

Wie mag es geklungen haben, wenn Ötzi geniest hat? Und was hat man vor 5.000 Jahren darauf erwidert? Es bleibt spannend um den berühmten Mann aus dem Eis.

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Bild: Flickr, OetziTheIceman

Anna B. ist inzwischen verzweifelt. Die Bozner Witwe, die in der Museumstraße wohnt, kann die Touristenhorden, die regelmäßig die Umgebung des Archäologiemuseums verstopfen, nicht mehr ertragen. „Ich dachte anfangs, dass es früher oder später besser wird. Aber es wird immer schlimmer“, sagt sie. Wie viele andere dachte auch Anna, dass man irgendwann einfach nichts Neues mehr erfinden könne, um den Ötzi immer wieder interessant zu machen. Doch sie täuschte sich. Wie man aus einem toten alten Mann so viel Geld holen kann, möchte sie jetzt auch gern wissen. Mit Wehmut erinnert sie sich an ihren eigenen: „Also der, den i g‘heiratet hab, der hat mir ja nur a paar Häuser hinterlass’n“.

Nachdem man die Stimme des Ötzi nachgestellt hat und jetzt endlich weiß, in welchen Tönen man damals gesprochen hat, kommt nun die nächste Sensation: die Rekonstruktion davon, wie Ötzi geniest hat. „Öt-schiii!“, so soll es geklungen haben, als der Steinzeitmensch seine Bazillen aus der Nase pustete. Was vor 5.000 Jahren darauf erwidert wurde, darüber sind die Forscher aber noch uneins. Möglicherweise etwas wie „Helft, Götter“.

Wissenschaftler sind außerdem gerade dabei, einen originalen E-Mail-Verkehr von Ötzi nachzustellen. „Das hat uns beispielsweise schon immer interessiert, wie damals die Anrede war“, sagt ein Forscher von der Uni Ntressant. Ob es sich bereits um ein gediegenes „Sehr geehrte(r) Herr/Frau“ oder noch um ein rustikales „Ouh, du Wildfockjager“ handelte, wird sich demnächst herausstellen.

Übrigens wird gegenüber vom Südtiroler Archäologiemuseum bald ein neues Museum entstehen. Es widmet sich dem Marketing und will sich zur Einweihung auch mit dem Ötzi-Thema befassen. „Die 1.000 Strategien, mit denen man es immer wieder geschafft hat, einen alten Haufen Knochen interessant zu machen“, so lautet der Titel der ersten Ausstellung. Mark Ting, der Direktor des neuen Museums, ist unter Fachleuten eine renommierte Persönlichkeit und scheint sich für sein neues Amt bestens zu eignen. „Zuerst habe ich darüber geforscht, wie die Stadt Mekka es schafft, Millionen Menschen zu einem blöden Stein zu locken“, erklärt Ting. „Dann habe ich von Bozen und seinem Ötzi gehört. Das schien mir mindestens genauso faszinierend.”

Teseo La Marca

hat neulich eingesehen, dass Freiheit mehr bedeutet, als Bindungsängste gegen alles zu haben. Will daher sein Studium beenden und lebt nun in Wien, wo er nach wie vor zu viel prokrastiniert.
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