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Hausärtzinnen und Hausärzte wichtige Anlaufstellen für Opfer von Gewalt

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Bild: Jörg Oschmann

„Nicht jeder häusliche Missbrauch landet als Bluterguss oder Knochenbruch in der Notaufnahme, wo aufmerksame Medizinerinnen oder Mediziner und Pflegefachkräfte diesen erkennen und den betroffenen Frauen Hilfe anbieten können. Psychischer, physischer, finanzieller und sexueller Missbrauch ist häufig subtil, langandauernd und schwer zu erkennen”, sagt Barbara Plagg vom Institut für Allgemeinmedizin und Public Health in Bozen. Deshalb sei es wichtig, dass sich Betroffene von häuslicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt wenden, auch dann, wenn keine akuten physischen Verletzungen vorliegen. In einem unverbindlichen und anonymen Gespräch können die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner den Betroffenen Hilfe und Information bieten, dabei sind sie zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet.

Südtirols Hausärztinnen und Hausärzte sind eine wichtige Anlaufstelle für Missbrauchsopfer, unterstreicht das Institut für Allgemeinmedizin und Public Health der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana am heutigen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. In der Hausarztpraxis können physische Verletzungen versorgt und die Spuren von Gewalt dokumentiert werden. Hausärztinnen und Hausärzte können den Betroffenen in vertraulichen Gesprächen mögliche Wege aus der Gewalt aufzeigen und sie an die zuständigen Stellen, zum Beispiel Frauenhäuser, weiterleiten.

Viele Opfer von Gewalt und Missbrauch verheimlichen aus Angst und Scham die wahren Ursachen für ihre Verletzungen und Beschwerden. Gerade in solchen Fällen könne das Vertrauen zur eigenen Hausärztin oder zum eigenen Hausarzt hilfreich und von Vorteil sein, damit die Betroffenen ihre Angst und Scham überwinden und über die Gewalt sprechen, sagt Barbara Plagg.

Viele Opfer von Gewalt und Missbrauch verheimlichen aus Angst und Scham die wahren Ursachen für ihre Verletzungen und Beschwerden.

Der Präsident des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health, Adolf Engl, nimmt den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auch zum Anlass, um gezielt Männer anzusprechen. Männer, die von Partnerschaftsproblemen aus der Bahn geworfen werden, sollten sich unbedingt professionelle Hilfe holen, rät Adolf Engl. Sich helfen zu lassen, sei keine Schande. Gleichzeitig spricht er auch die Hausärztinnen und Hausärzte an: Diese seien einerseits mit ersten Hilferufen von Gewaltopfern konfrontiert, andererseits mit indirekten Botschaften und Signalen, deren Wahrnehmung viel Sensibilität und Offenheit von den Medizinerinnen und Medizinern verlange. 

Hausärztinnen und Hausärzte werden mit ersten Hilferufen der Gewaltopfer konfrontiert, sie können aber auch langfristig zu wichtigen Vertrauenspersonen werden, zum Beispiel in jenen Fällen, in denen sich die Betroffenen dafür entscheiden, die Gewalt-Situation nicht zu verlassen. Adolf Engl ruft seine Berufskolleginnen und Berufskollegen deshalb dazu auf, sich Rat und Hilfe bei spezialisierten Einrichtungen, beispielsweise bei den Frauenhausdiensten, zu holen.

Kostenlose Notruflinie: Bozen 800 276433 – Eisacktal 800 601 330 –
Pustertal 800 310 303 – Meran 800 014008

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