Musik im Park

Endlich wieder live. Wie fühlt sich das nochmal an? Unsere Autorin hat sich beim Festival „Musik im Park“ in Toblach unter das Feiervolk gemischt.
Musik im Park
Endlich wieder live. Wie fühlt sich das nochmal an? Unsere Autorin hat sich beim Festival „Musik im Park“ in Toblach unter das Feiervolk gemischt.

Musik im Park – in Zeiten wie diesen muss man sich solche Worte auf der Zunge zergehen lassen. Jede Silbe auskosten, in Gedanken durchspielen. Und erst wenn ich auf das Parkgelände trete, vor das historische Grand Hotel Toblach mit seiner eindrucksvollen Bergkulisse, realisiere ich: Es gibt wirklich Musik im Park. Live. Getränke dazu und Menschen um einen herum. Ausgelassenheit, frische Luft, Kultur – keine Pandemie kann sie ganz und für immer vom Alltag fegen. Früher oder später kommen sie zurück.

Einen Anfang in diesem Toblacher Kultur Sommer 2021 macht das Festival „Musik im Park“, organisiert von der Stiftung Euregio Kulturzentrum Toblach. Zwei Bands und ein DJ-Duo stehen heute auf dem Programm.

„Traditionell machen wir eher Klassik, die Gustav-Mahler-Musikwochen gibt es seit 40 Jahren,“ erklärt Marion Mair vom Kulturzentrum Toblach, das sich seit 1999 im Grand Hotel befindet und das Festival organsiert hat. Das Grand Hotel Toblach ist unweigerlich verbunden mit dem berühmten Komponisten Gustav Mahler, der im Dorf regelmäßig seinen Sommerurlaub verbrachte, und hier mehrere Werke komponierte. Das erklärt den Bau des Gustav-Mahler-Saals im Grand Hotel und die jährlichen klassischen Musikwochen zu Ehren des Komponisten. Aber die Musikszene in Toblach hat eine zweite Seite.

 

Ausgelassenheit, frische Luft, Kultur – keine Pandemie kann sie ganz und für immer vom Alltag fegen.

Die große Fläche erlaubt die nötige Distanz in Corona-Zeiten.

„In den letzten Jahren haben wir versucht, alternative Musik anzubieten, um auch ein anderes Publikum anzuziehen,“ erzählt Marion Mair. Das Ergebnis war vor zehn Jahren die Entstehung des Open-Air-Festivals „Langis.klong“ mit Südtiroler Größen wie „Mainfelt“ und „Shanti Powa“, das aber auch internationale Bands ins Pustertal zu locken vermochte, so zum Beispiel die Australier „Caravana Sun“ oder die Münchner Band „LaBrassBanda“ (verschoben auf 2022).

Als das Festival letztes Jahr ausfallen musste, wurden neue Wege bereitet: „Wir wollten trotzdem etwas machen, weil den Platz dafür haben wir ja“, so Marion Mair. Der Park des Grand Hotel sollte von den Einwohnern mehr genutzt werden, und so entstand Musik im Park 2020 zum ersten Mal.

Die große Fläche erlaubt die nötige Distanz, lokale Bands können problemlos anreisen, statt abgesperrtem Gelände mit Security und Eintrittsschlange gibt es einen öffentlichen Park, auf dem jeder kommen und gehen kann, Familien auf Picknickdecken verteilt, Grüppchen von Menschen im Grün. Lockerer, intimer, lokaler – aber mindestens genauso geil.

 „Das ist voll gut angekommen, alle haben gefragt, ob wir es wieder machen“, freut sich Marion Mair. So kommt Musik im Park in diesem Jahr sogar mit drei Versionen wieder, nach dieser ersten Edition unter dem Motto „Langis.klong“ folgen am 03. Juli „Musik im Park – Folk“ mit „Kaiser Lee“ und „Titla“, und am 07. August die Version „Aperitivo“ des Festivals, bei dem „Medea“, „Since11“ und „DJ Bongo Bob“ auftreten werden.

Lockerer, intimer, lokaler – aber mindestens genauso geil.

Zieharmonika-Spieler Daniel Frank hier mit “Lollo” von den Seltsamen Senfsamen

Dass die Menschen sich nach solchen Events gesehnt haben, ist spürbar in der Luft des lauen Sommerabends. Vor dem Grand Hotel haben sich rund 150 Leute versammelt – Junge, Ältere, Familien.

Den musikalischen Einstieg machen Marc Perin und David Frank. Der Pustertaler Fingerstyle-Gitarrist und der Vinschgauer Zieharmonika-Spieler zaubern einen neuen Mix: „Wir versuchen Volksmusik mit anderen Elementen zu verbinden – Blues, Jazz, alles ein bisschen,“ sagt David. Dabei erzählen die Lieder Geschichten: Mal ein ruhigeres Stück, das den Herbst erzählt, dann ein fröhlicherer Sommerklang, gefolgt vom hektischen Lied über einen Wilderer, auf frischer Tat ertappt, und auch schmunzelnd interpretierbare Lieder-Geschichten sind wie „Ein schnelles Vorspiel.“

Ob die Musiker während des pandemiebedingten Kulturstillstands eingerostet sind? Auf keinen Fall, ist Perin überzeugt: „Man braucht eine Weile, um reinzukommen. Aber in dem Moment, wo ich die Augen schließe und die Anwesenheit der Leute spüre, ist alles gut.“

Auch das Publikum hat laut Perin während des Lockdowns nichts an Energie verloren: „Die Leute schätzen jetzt viel mehr. Sie nehmen es nicht mehr als selbstverständlich wahr und sind mehr in das Spüren gekommen, sie verstehen den Wert der Musik viel mehr.“

 

 

Vor dem Grand Hotel haben sich rund 150 Leute versammelt – Junge, Ältere, Familien.

Die Seltsamen Senfsamen

Den Musikern ist die Freude nach der langen Zwangspause anzusehen. „Ein gewaltiger Trompeter!“ ruft der Harmonikaspieler David, nachdem Lorenz von den Seltsamen Senfsamen das Duo spontan mit einem Trompeten-Impro begleitet.

Nach Perin und Frank folgen Die Seltsamen Senfsamen, die nicht nur mit ihrer Musik unterhalten, sondern auch den ein oder anderen obligatorischen Corona-Witz in die Runde schmeißen: „Leute, kommt her! Klatschen und Tanzen ist erlaubt. Nur Schmusen geht nicht, es ist Corona“, ruft Trompeter Lorenz von der Bühne.

Nach einem Mix aus Eigenkompositionen, die sowohl gemächliche Blasmusik bieten als auch jazzige Sounds, folgen Hits von DJ Agostino, Adele und den Beatles, die das junge Publikum zum Tanzen animieren. 

 

„Leute, kommt her! Klatschen und Tanzen ist erlaubt. Nur Schmusen geht nicht, es ist Corona.“

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Die Seltsamen Senfsamen brachten Groß und Klein zum Tanzen.

Auf dem Festival wird aber nicht nur Musik gehört und getanzt, es wird auch für einen guten Zweck gespendet: Der Jugenddienst Pustertal sammelt mit dem Projekt „Peter Pans Fantastische Reise“ – einer mobilen Fotobox, mit der Teilnehmende selbst Polaroid-Fotos schießen können – Spenden für Peter Pan, eine Vereinigung für krebskranke Kinder und Jugendliche.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom Jugenddienst Bozen – Land in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Peter Pan. Sie haben die mobile Fotobox selbst gebaut, die noch bis Ende des Jahres von den Jugenddiensten ausgeliehen werden kann, um auf Veranstaltungen Geld für betroffene Kinder zu sammeln.

Als es dunkel wird, beginnt der Ausklang des Musikabends mit Wicked und Bonny. Seit 2014 spielen die zwei DJs aus Schlanders nicht nur für Südtiroler Events, sondern treten auf Festivals in ganz Europa auf. Als „Straightbase Dubs in einer digitalen und rauen analogen Art“, beschreiben sie ihre Musik.

Und sie gefällt – so sehr, dass es am Ende schwer wird, die Leute pünktlich zur Ausgangssperre heimzuschicken. Es gelingt dann trotzdem, wahrscheinlich weil jeder weiß: Bald gibt’s wieder „Musik im Park“... so schnell lassen wir sie nicht mehr gehen.

 

Wicked und Bonny sorgten für den Ausklang des Musikabends