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Von wegen kalt ist ungesund

Veronika Seiwald ist Rohköstlerin, ernährt sich vegan und hat für jede Krankheit ein Kräutlein. Maria Lobis hat die Frau mit dem alternativen Lebensstil in Meran getroffen.

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Bild: Maria Lobis

Schlafen im Freien ist für sie konsequent. Ihre Mutter starb an Krebs, als Veronika Seiwald 13 Jahre alt war. Als sie mit 24 Jahren selbst Mutter wurde, war für die damalige Studentin der Technologie und Biotechnologie der Lebensmittel klar, dass Gesundheit vor allem hausgemacht ist. Heuer wird die gebürtige Berchtesgadnerin 50. Sie ist seit 20 Jahren Rohköstlerin, pflanzt in ihrem Garten in Meran Gemüse, Obst und Beeren, hat für jede Krankheit ein Kräutlein, aber keine Medikamente. Würde die zierliche Frau mit den naturblonden Locken einen Besen hervorholen, um mit Otfried Preußlers kleinen Hexe in die Lüfte aufzusteigen, es würde nicht weiter verwundern.

Seit zwei Jahren verbringt Veronika Seiwald jede Nacht auf ihrem Bett unter dem Balkon der Nachbarn gut eingepackt in Daunendecken. Sie schläft mindestens acht Stunden durch und genießt Mond, Sterne, Regen oder Gewitter. Mit den „Fünf Tibetern“ trainiert sie morgens Körper und Geist, trinkt zum Frühstück Smoothies und isst während des Tages alles, was roh und vegan ist. Zum Unterricht an die Fachoberschule für Tourismus und Biotechnologie läuft die Ingenieurwissenschaftlerin an der Passer entlang, möchte „im Fluss bleiben“. Als Rohköstlerin kocht Veronika Seiwald nicht. Das tun ihr Mann und die beiden Kinder. Dann sitzt sie daneben, isst Salate oder knabbert an Nüssen, Algen und gekeimten Bohnen.

Das Wissen über Inhalts- und Zusatzstoffe in Lebensmitteln hat sie dazu gebracht zu essen, was sie selbst anbaut und zu kaufen, was bio ist. Den Verzehr von rohem Fleisch hat sie aufgegeben. Schlechte Träume habe ihr das gebracht. Vor 30 Jahren erzählte man ihr beim Besuch in der Produktionsstätte von Smarties, dass in die skandinavischen Länder nur naturfarbene Zucker-Schokolinsen geliefert werden dürfen, weil einige Lebensmittelfarben hochallergen und dort verboten sind. Im Rest der Welt lutschen Kinder nach wie vor an den grellbunten Linsen.

Veronika Seiwald wundert sich über den unkritischen Kauf vieler Konsumenten. „Wir entscheiden jeden Tag darüber, was produziert wird“, sagt sie. Ernährung bestimme mit über Lebensqualität und Gesundheit. Nur zwei Tage hat sie bei der Arbeit in den vergangenen zehn Jahren krankheitsbedingt gefehlt.

Mit dem Auto ihres Mannes fährt sie selten, der Fernseher im Schrank führt ein einsames Dasein. Die freie Zeit verbringt sie am liebsten mit der Familie in den Bergen, organisiert Projekte für mehr Nachhaltigkeit, ist dankbar für die Demokratie und besorgt über die Fragilität des Friedens.

Stolz zeigt Veronika Seiwald auf die teils selbst gezüchteten Apfel-, Marillen- und Zwetschgenbäume, auf die Feigen und Oliven, Kirschen, Kiwi und Kaki, die Himbeeren, Brombeeren und Kräuter in ihrem Garten. Im Sommer schläft sie nicht alleine dort, dann bevölkern ihn auch zwei Landschildkröten. Sie haben sich derzeit zum Winterschlaf in die Erde eingegraben.

von Maria Lobis

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