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Interview mit Manuel Saxl

Vom Praktikanten zum Chef

Manuel Saxl ist neuer Mitbesitzer der „ff“ und leitet das Magazin bald als Direktor. Er sagt: „So eine Chance kriegt man im Leben wahrscheinlich kein zweites Mal.“

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Bild: Irina Ladurner

Sonntagmorgen am Wiener Schottentor, gleich neben der Universität Wien. Hier studiert Manuel Saxl im vierten Semester Internationale Betriebswirtschaftslehre und Geschichte. Zwei Tage ist es her, dass bekannt wurde: Der 23-Jährige ist neuer Miteigentümer und künftiger Direktor des Südtiroler Wochenmagazins „ff“. Damit übernimmt der junge Brixner die Anteile des Schweizer Journalisten Kurt W. Zimmermann, der das Blatt zehn Jahre lang leitete. Die Redaktion kennt Manuel Saxl seit 2015 von innen. Damals begann er als Praktikant, seitdem hospitierte er immer wieder. Mit 1. Juli übernimmt er nun offiziell 30 Prozent des ff-Verlags. Den Kaufpreis will er nicht verraten, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Laut dem Nachrichtenportal Salto soll sich die Kaufsumme auf 600.000 Euro belaufen.

Du bist Student und plötzlich Miteigentümer und künftiger Direktor eines Mediums. Wie geht das?
Ich hatte immer schon den Gedanken, nach Südtirol zurückzukehren und als Journalist für die ff zu arbeiten. Die ff-Redaktion kennt mich. Ich hätte gute Chancen gehabt, dort anzufangen. Dass ich jetzt Eigentümer und Direktor werde, hat sich ergeben, weil die ff zum Verkauf stand. Als Südtiroler will ich mindestens eine Zeitung lesen können, die unabhängig berichtet. Das bietet mir die ff und das soll auch so bleiben. Es waren auch andere Interessenten im Spiel, bei denen diese Unabhängigkeit vielleicht nicht mehr gegeben gewesen wäre. Ich habe überlegt, welche Konsequenzen es für mich und die Redaktion hätte, wenn ich die Anteile von Zimmermann kaufen würde. Dann habe ich mit meiner Familie darüber gesprochen. Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema haben meine Eltern gesagt, wenn ich das machen will, habe ich ihre Unterstützung. In den Osterferien ist der Entschluss dann endgültig in mir gereift. So eine Chance kriegt man im Leben wahrscheinlich kein zweites Mal. Zimmermann hatte zu dem Zeitpunkt schon konkrete Angebote und gab mir ein paar Tage Zeit, um auch eines vorzubereiten.

Natürlich habe ich nur so viel an Erfahrung, wie sie ein 23-Jähriger eben haben kann. Aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Was hat für Zimmermann den Ausschlag gegeben, dein Angebot vorzuziehen?
Da müsste man ihn Fragen. Ich kann nur wiedergeben, was ich ihm gesagt habe: mein Angebot kommt zwar ein wenig spät und womöglich kann es finanziell nicht mit den anderen mithalten, aber die ff ist das vielleicht wichtigste unabhängige Medium in Südtirol. Mit mir bleibt es das auch. Ich habe ihm gesagt, dass ich weiß, wie viel ihm die ff bedeutet, dass er im Sinne des Magazins denken und die Anteile jemandem geben soll, der bereit ist, sein Leben auf diese Aufgabe auszurichten. Durch meine Arbeit bei der ff kannte er mich ja schon. Er weiß, dass ich mich durchsetzen kann und dass das Ganze nicht nur eine Laune von mir ist. Denn wenn ich mir das nicht zutrauen würde, hätte ich das Angebot gar nicht erst gemacht. Trotz meines Alters sehe mich der Aufgabe gewachsen. Natürlich habe ich nur so viel an Erfahrung, wie sie ein 23-Jähriger eben haben kann. Aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich kenne die Medienlandschaft in Südtirol und weiß, wie man journalistisch gut arbeitet. Und ich bin bereit, mich ständig weiterzubilden und mir anzusehen, was andere Redaktionen und Medien machen.

Ideologische Beweggründe allein haben wohl nicht zur Entscheidung geführt, ff-Anteile zu kaufen. Wie lukrativ ist es, in ein Medium zu investieren?
Ich hätte nicht die Möglichkeiten, so ein Geschäft abzuschließen, wenn finanziell nicht auch etwas zurückkommen würde. Das meiste wird durch einen Kredit finanziert. Der Großteil des Kapitals kommt also von der Bank und zum Teil werde ich von meiner Familie unterstützt. Das ist natürlich mit Risiko verbunden. Allein die Tatsache, dass ich dieses Risiko eingehe zeigt, dass ich ans Produkt glaube. Ich hoffe, dass die Leser das honorieren und es den ein oder anderen dazu bringt, sich die ff einmal näher anzuschauen. Vor allem auch Leute meiner Generation.

Auf der Facebook-Seite der ff wurdest du in einem Kommentar als Vatersöhnchen bezeichnet. Wie reagierst du auf solche Kritik?
In dem Moment, in dem ich mich exponiere, muss ich mit solchen Angriffen rechnen und damit leben. Manche Leute glauben anscheinend, ich beziehungsweise meine Familie hätte eine solche Investitionssumme einfach so griffbereit. Das ist nicht der Fall. Eine Investition legt man langfristig an und man kann sie mit Fremdkapital stützen. Damit eine Investition aufgeht, muss man hart arbeiten. Mir wird nichts geschenkt.  Und dass ein 23-Jähriger wirtschaftlich vollkommen unabhängig von seinen Eltern ist, ist selten der Fall.

Mit 1. Juli 2017 bist du offiziell ff-Miteigentümer. Verantwortlicher Direktor wirst du aber erst als eingetragener Publizist oder Journalist. Was fehlt dazu noch?
Ich muss mich erst ins Publizisten-Album eintragen lassen. Dazu muss man mehrere Bedingungen erfüllen - unter anderem auch einen Kurs absolvieren. Der fehlt mir noch, aber ich werde ihn so bald wie möglich machen. Die Journalistenprüfung steht auch auf meiner To-do-Liste. Darauf muss ich mich natürlich vorbereiten. Erst einmal will ich aber mein Studium abschließen.

Wirst du weiterhin auch journalistisch für die ff tätig sein?
Ich werde mich sicher einbringen, durch Leitartikel etwa. Journalistisch werde ich auch etwas machen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Als Herausgeber ist es schwierig, auch tägliche journalistische Arbeit zu verrichten. Man ist schließlich in Doppelfunktion unterwegs.

Bist du auch angetreten, um das Blatt einem jungen Publikum zu öffnen?
Es wäre schon jetzt für ein junges Publikum interessant. Die Frage ist, ob sich der Journalismus dem Leser annähern soll – mit bestimmten Artikeln etwa. Eine schwierige Frage. Ich glaube, es sollte immer um den Inhalt gehen. Politik, Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen, so wie wir sie im Blatt haben, gehen alle etwas an – auch junge Leute.  Wir werden keine Artikel im Stil des Mediums Vice schreiben, nur damit uns 18-Jährige lesen. Das ist nicht die Richtung, in die ich gehen will. Man muss den jungen Leuten bewusstmachen, dass es wichtig ist, Nachrichtenmedien zu konsumieren. Es kann sich jeder gern auch über soziale Medien austauschen, das gehört dazu. Der Unterschied ist: Im Internet suchst du dir deine Informationen und Meldungen selbst. Um dieser Blase zu entkommen, halte ich es für wichtig, „klassische Medien“ als Korrektiv heranzuziehen. Denn dabei stoße ich auf Themen, nach denen ich selbst vielleicht nicht gesucht hätte und die aber bereichern können.

Ich muss jetzt an den richtigen Stellen schrauben und das passende Maß für Veränderung finden.

Was willst du als künftiger ff-Direktor konkret verändern?
Schon als ich journalistisch für die ff tätig war, habe ich Ideen aufgeschrieben, welche Änderungen man machen könnte. Auf die kann ich jetzt zurückgreifen. Es gilt, von einer Baustelle zur nächsten zu gehen und die einzelnen Löcher nacheinander zu schließen. Konkret möchte ich dazu nichts sagen. So viel sei aber verraten: Es geht mir mehr um Verbesserungen denn um Einschnitte. So wie die ff ist, ist sie ein gutes Produkt mit großem Potenzial. Ich muss jetzt an den richtigen Stellen schrauben und das passende Maß für Veränderung finden. Ich hoffe, das mir das gelingen wird.

Du hast als Praktikant begonnen, bald bist du Direktor. Ist es nicht schwierig, wenn man den älteren Kollegen plötzlich in dieser neuen Rolle gegenübersteht?
Als Praktikant war ich mehr als 15 Jahre jünger als die anderen Redaktionsmitglieder. Trotzdem sind mir alle auf Augenhöhe begegnet und ich bin von Anfang an nach meiner Meinung gefragt worden. Man hat mich nie spüren lassen, dass ich Praktikant war. Deshalb glaube ich nicht, dass es da irgendwelche Schwierigkeiten geben wird. Aber es wird vielleicht zu Situationen kommen, in denen ich eine andere Position vertrete als die Redaktion. Darauf bin ich eingestellt und die Redakteure sind es ebenfalls. Ich habe den Betrieb immer als sehr professionell empfunden. Für mich ändert sich nichts, weil wir immer schon auf Augenhöhe waren. Wäre es anders gewesen, hätte ich mich nicht entschieden, die Anteile zu kaufen.

Welche Pläne hast du jetzt für dein Studium und für die Zeit danach?
Mein oberstes Ziel ist es, neben der ff das Studium abzuschließen. Im Moment sieht es so aus, als würde ich den Wirtschafts-Bachelor in sechs Semestern schaffen. Zwei Semester liegen also noch vor mir. Was ich danach mache, kann ich noch nicht sagen – die ff wird aber Priorität haben. Vielleicht mache ich einen Master oder schaue in andere Medienhäuser. Man sollte sich laufend informieren, was andere Zeitungen machen. Nur so ist es möglich, nicht betriebsblind zu werden. Deshalb möchte ich ab und zu ausbrechen und mich bei anderen Medien umsehen.

Wirst du deine neue Rolle als Direktor also von Wien aus übernehmen?
Ich mache demnächst ein Erasmus-Semester in Bologna. Das sind drei Stunden Zugfahrt nach Bozen. Ich werde voraussichtlich alle zwei Wochen nach Hause pendeln, damit ich in der Redaktion sein kann. Schreiben kann ich ja sowieso von überall. Wenn ich wieder zurück in Wien bin, werde ich ebenfalls pendeln. Ich will diese Position so gut wie möglich ausfüllen. Das geht auch von Wien aus. Die ff ist natürlich irgendwo auch ein Risiko, das ich eingehe. Aber auch eine Sache, an die ich glaube. Ich muss also gegen das Risiko arbeiten und für meine Überzeugung.

Irina Ladurner

lebt und studiert in Wien. Ausgezogen, um die Welt kennen zu lernen. In Wien die (Südtiroler) Heimat gefunden. Mag den Südtiroler Exotenbonus, das Wiener Dorf und die Rückkehr in die eine oder andere Heimat.
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