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Portrait einer Tierschützerin

Tabeas Tierparadies

In Völs hat die 19-jährige Tabea Berger eine Arche für dutzende ungewollte, misshandelte und ausgesetzte Tiere geschaffen. Ein Besuch bei der jungen Tierschützerin.

Als Alf hier ankam, war er in einem schlimmen Zustand. Seine Ohren waren übersät mit Milben, seine Muskeln hatten sich zurückgebildet, da er jahrelang in einem viel zu kleinen Käfig ausharren musste. Jetzt, einen Monat später, springt der Rammler, wenn auch noch etwas zaghaft, durch das geräumige Quarantäne-Gehege gemeinsam mit anderen Neuankömmlingen. Schon bald darf er in das riesige Nebengehege der Hasen und Meerschweinchen umziehen, das sich über mehrere Etagen über einen kleinen Abhang verteilt.

So sieht Alf heute aus – glücklich und gesund.

Bild: Tabea Berger
Hier hat er noch mehr Platz zum Rennen und es gibt schattenspendende Bäume und kleine Holzhäuschen, um sich zu verstecken – Alf darf hier seinen Lebensabend in artgerechter Haltung genießen. Möglich gemacht hat das Tabea Berger. Sie kümmert sich seit fünf Jahren um ungewollte, ausgesetzte oder misshandelte Tiere. Am Dorfrand von Völs hat die 19-Jährige ein Paradies für ungewollte Tiere geschaffen. Zurzeit leben hier 24 Hasen, 17 Meerschweinchen, 18 Katzen, drei Hunde, ein Hamster und ein Pferd. Im Juni diesen Jahres hat sie zusammen mit ihrer Mutter und der Tierärztin Kathrin Schrott den Tierschutzverein „Hilfe für Tiere in Südtirol“ gegründet.

Leben für die Tiere

Berger sitzt in der kleinen Wiese vor ihrem Elternhaus neben den Gehegen der Kaninchen und Meerschweinchen und streichelt ihre zwei Hunde Malou, eine französische Bulldogge, und Mayla, eine kleine Mischlingshündin, die in Kalabrien ausgesetzt und von ihr vor adoptiert wurde. Nicht lange, dann gesellen sich auch zwei ihrer jungen Katzen dazu.

„Ich konnte einfach nicht mehr länger mit ansehen, wie manche Tiere gehalten werden“, beschreibt sie ihre Motivation, um ihre Freizeit dem Tierschutz zu widmen. Meist bekommt sie Hasen, die als Spielzeug für Kinder angeschafft wurden und nun nicht mehr erwünscht sind, weil kein Interesse mehr da ist. „Entweder wurden sie ausgesetzt oder man wollte sie beseitigen“, sagt die junge Frau, die durch ihr Engagement im Tierschutz mittlerweile im ganzen Dorf bekannt ist und auch auf Facebook eine kleine Fangemeinde hat. Die meisten fänden es toll, dass sie sich so für die Rechte der Tiere einsetzt, sagt sie. Negative Kommentare kämen nur, weil sie sich seit eineinhalb Jahren vegan ernährt, nicht wegen ihrer Tierliebe. „Obwohl hinter meinem Rücken vielleicht schon geredet wird“, überlegt sie und lacht.

Bild: Tabea Berger

Um all ihren Tieren gerecht zu werden, arbeitet Berger nur halbtags in einem Spielwarengeschäft. Viel lieber würde sie ja mit Tieren arbeiten, aber bis auf Tierärztin gäbe es hierzulande nicht viele Möglichkeiten, sagt Berger. So geht sie in ihrer Freizeit spazieren, putzt die Gehege, füttert und streichelt die vielen Tiere und päppelt kranke wieder auf.

Erst vor vier Monaten hat sie drei ausgesetzte Katzenbabys aufgezogen, gab ihnen alle zwei Stunden das Fläschchen – auch in der Nacht. Normalerweise würde sie jetzt, da sie über den Berg sind, eine neue Familie für die Samtpfoten suchen, aber diese drei gibt sie nicht mehr her. „Wenn man alles versucht hat, damit sie überleben, wachsen sie einem besonders ans Herz. Dann fällt es mir schwer, sie weiterzuvermitteln“, sagt Berger. Deswegen dürfen die drei Katzen in Tabeas Tierparadies bleiben.

Für die Tiere, die zur Vermittlung stehen – das sind zurzeit zwei Kaninchen und sechs Katzen – macht die Völserin Vorkontrollen bei den Interessenten. Sie müssen einen Fragebogen ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben, dass sie die Tiere artgerecht halten und notfalls wieder an sie zurückbringen. So will Berger verhindern, dass ihre Schützlinge wieder vernachlässigt werden.

„Oft sind sie in einem viel zu kleinen Käfig eingesperrt und liegen im eigenen Dreck.”

Mehr Rechte für Vierbeiner

Berger war schon immer tierlieb. Mit sechs Jahren bekam sie ihre eigenen Hasen, die sie, wie sie heute zugibt, auch nicht artgerecht gehalten hat – einfach weil sie es nicht besser wusste. Vielleicht geht ihr heute deshalb besonders das Schicksal von Hasen so nah. „Oft ist eine ganze Gruppe in einem viel zu kleinen Käfig eingesperrt und liegt im eigenen Dreck“, erzählt Berger bedrückt. Sie denkt den ganzen Tag an die Tiere, wie sie in ihren kleinen Käfigen ausharren müssen und sie nichts dagegen unternehmen kann, denn vor allem die Hasen haben keine Rechte. Es gibt keine vorgeschriebenen Käfiggrößen und auch wenn Berger einen Fall von Tierquälerei beim Amtstierarzt melde, passiere meistens nichts. „Selbst wenn sie kein Wasser haben, wird nichts unternommen. Es bräuchte unbedingt Gesetze für Hasln“, findet sie. „Und ein Kastrationsgesetz für Katzen, damit nicht dauernd Junge nachkommen.“

Wird Berger zu einem Fall gerufen, wo Tiere nicht artgerecht gehalten werden, dann spricht sie meist persönlich mit den Besitzern, bevor sie den Amtstierarzt einschaltet. Oft lenken die Besitzer ein, oft reagieren sie zornig, sagt sie. Aber davon lässt sich die engagierte Frau nicht unterkriegen. Sie kümmert sich weiterhin um schwache Tiere und ist auch regelmäßig auf Demonstrationen gegen Pelzhandel oder Massentierhaltung unterwegs.

Viel Zeit um die Häuser zu ziehen, wie es andere in ihrem Alter machen, bleibt für die 19-Jährige nicht. Aber das ist ihr egal, sie mache eh nicht gerne Party, meint sie. Ihr Traum ist es, irgendwann einen Hof zu führen wie Gut Aiderbichl, mit geretteten Kühen und Ziegen. Aber sie sieht es realistisch und sagt lachend: „Dafür bräuchte man erst mal einen Haufen Geld.“

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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