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Software ohne Grenzen

Enrico Fabris' Herz schlägt für Ubuntu. Jede freie Minute steckt er in das freie Betriebssystem. In seinem zweiten Leben will er Programmierer werden.

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Enrico Fabris an seinem alten Computer.

Foto: 
Maria Lobis

In seinem zweiten Leben will Enrico Fabris Programmierer werden, in seinem ersten hat der aus Feltre stammende und in Brixen lebende Mann Kunst studiert. Bei der Arbeit kümmert sich der 37-Jährige um das passende Licht für Architektur, in seiner freien Zeit wird er zum Nerd: Freie Software liegt ihm am Herzen, Ubuntu ist eine davon.

Das Wort „Ubuntu“ stammt aus dem südafrikanischen Zulu-Dialekt und meint „Mitmenschlichkeit“. Der Begriff passe gut zu diesem Betriebssystem, meint Fabris: Ubuntu ist für die Nutzer kostenlos, der Quellcode frei zugänglich, jeder kann an der Weiterentwicklung mitarbeiten. Und Ubuntu ist weniger anfällig für Viren und Malware als es beispielsweise Windows-Betriebssysteme sind.

Rund um den Globus programmieren Menschen an dieser freien Software: Sie arbeiten freiwillig, tauschen sich öffentlich aus und verfolgen keine Gewinnabsicht. So wird das einfach zu installierende und leicht zu bedienende Betriebssystem mit aufeinander abgestimmter Software ständig weiterentwickelt: Kein anderes freies System hat sich in den vergangenen 20 Jahren so rasant verbreitet wie Ubuntu.

An seinen alten Nokia-Handys hängt Enrico Fabris immer noch.

Foto: 
Maria Lobis
Auch bei Betriebssystemen gehe es um Artenvielfalt, sagt Enrico Fabris, nicht nur bei Pflanzen und Tieren. Die meisten Menschen hätten Windows oder macOS auf ihren Computern installiert. Diesen Nutzern sollte bewusst sein, dass sie kein Programm gekauft haben, sondern den Gebrauch eines Programmes und dass sie bei ihrer Internetsuche und beim Schreiben ihrer Mails überwacht werden. Die dabei erhaltenen Informationen wandeln Weltkonzerne in passgenaue Werbung und Geld um. Auf den Webseiten, die Fabris an seinem Laptop aufruft, erscheint keine Werbung. Trotzdem denken nur wenige über einen Wechsel zu kostenloser und sicherer Software nach. Das habe mit Bequemlichkeit und mit den enormen finanziellen Mitteln zu tun, die Microsoft oder Apple in die Vermarktung ihrer Produkte steckten.

Es ist schon einige Jahre her, als Enrico Fabris für die Tischlerei eines Freundes passende Programme für Rechnungen und Textverarbeitung suchte. Damals begann sein Herz für Ubuntu zu schlagen. Bei 50 bis 60 alten Computern hat er die freie Software inzwischen installiert und das Leben der alten Rechner damit beträchtlich verlängert.

Der kritische Denker fährt ein Methangas-betriebenes Auto, bezieht seine Lebensmittel hauptsächlich über GAS-Gruppen, backt Brot aus Sauerteig und arbeitet auf einem sieben Jahre alten Laptop. Er nutzt weder Facebook noch Instagram und überlegt ernsthaft, sein neues Smartphone wieder gegen das alte Nokia-Telefon einzutauschen, um zumindest in der Freizeit wirklich frei zu sein. 

von Maria Lobis

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