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Auf a Glas'l mit Norman Funk

Mr. Schön

Norman Funk hat es auf die Mailänder Laufstege geschafft. Das Model aus Lana über das Leben im Scheinwerferlicht, Diäten und Drogenpartys.

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Bild: Thomas Tribus

Norman Funk ist gebürtiger US-Amerikaner, zog in seiner Kindheit mit seinen Eltern durch die Welt, bis sie schließlich in Lana landeten. Zunächst wollte der deutsch-italienische Amerikaner Koch werden. In seiner Oberschulzeit freundete er sich aber immer mehr mit dem Gedanken an, ins Modelbusiness einzusteigen, bis er sich schließlich zum „Mister Südtirol”-Wettbewerb anmeldete – den er auch gewann. Im letzten Jahr wurde er von der „ELITE MODEL”-Modelagentur aufgenommen und schreitet seither über die Laufstege in Mailand.
Ich freue mich schon sehr auf das Gespräch, denn Norman und ich sind alte Bekannte. Norman wartet bereits im Café, ich setze mich zu ihm und bestelle einen Cappuccino. Norman bestellt sich – passend zum Klischee – ein Mineralwasser.

Wie geht es dir, Norman?
Ich bin gestresst, ansonsten geht es mir sehr gut.

Bist du derzeit nicht im Urlaub?
Doch, aber nur für zwei Tage. Am Sonntag muss ich wieder zurück nach Mailand.

Keine Zeit zum Ausspannen also.
Doch, ein wenig Entspannung findet sich immer. Das Modelleben ist halt kein einfaches. Man ist sehr viel unterwegs.

Wie war das damals eigentlich, als du mit der ganzen Model-Sache angefangen hast? Ich kann mich erinnern, dass du dich ziemlich verändert hast in der Oberschule. Ich kannte dich noch als gut gebauten Computerspieler, der eines Tages Koch werden wollte.
(lacht) Ja, das Ganze hat ungefähr in der dritten Klasse Oberschule angefangen. Ich war damals noch ziemlich gut gebaut. Plötzlich bin ich aber in die Höhe geschossen und habe abgenommen. Mein Äußeres hat sich stark verändert. Ich war sehr schüchtern damals, aber ich wollte etwas ändern. Ich wollte mein Leben verändern. Deshalb beschloss ich, mich beim „Mister Südtirol” anzumelden. 2010 war das glaube ich. Das war schon eine radikale Entscheidung. Ich habe keinem außer meinen Eltern etwas gesagt. Versteh mich nicht falsch, ich hab mir damals nicht gedacht, dass ich gut ausschaue – das tue ich heute noch nicht – aber ich wollte beim Wettbewerb antreten, um mir selbst etwas zu beweisen, und das hat dann auch ganz gut geklappt, wie man sieht. Letztes Jahr bin ich dann nach einem Casting bei meiner Agentur „Elite Model” gelandet, mit der ich sehr glücklich bin.

Wie wichtig ist der Rückhalt in der Familie bei einem Job wie diesem?
Der Rückhalt ist sehr wichtig. Ich habe keine Sicherheit. Ich verdiene zwar relativ gut, es kann aber immer sein, dass man an einem Tag einen Job hat und dann einen Monat lang wieder keinen. Der Rückhalt in der Familie ist deshalb auch so wichtig, weil meine Familie für mich da ist, wenn es mir einmal schlecht geht.  In einem Job wie dem meinen, tut man sich schwer, eine tiefere Beziehung zu einem Partner aufzubauen, weil man eben immer unterwegs ist. Gerade deshalb ist mir die Familie sehr wichtig.

Du warst auch schon als Kind immer unterwegs.
Ja, das stimmt. Das liegt bei uns in der Familie. Mein Vater kommt eigentlich aus Berlin. Wegen der Arbeit ist er aber dann nach Rom gezogen. Dort hat er meine Mutter kennengelernt. Die beiden haben in dieser Zeit für dieselbe Firma gearbeitet. Schließlich wurde ihnen das Angebot gemacht, in den USA zu arbeiten. Beide haben sofort zugesagt. Für eine Zeit lang haben sie in New York gewohnt. Später sind sie dann nach Arizona gezogen, wo mein Bruder auf die Welt gekommen ist. Wenig später sind sie noch einmal umgezogen. Diesmal nach Florida. Dort bin ich dann auf die Welt gekommen und aufgewachsen. Florida hat meinen Eltern aber nicht besonders gefallen. Deshalb sind wir, als ich 8 Jahre alt war, die gesamte Ostküste der USA auf der Suche nach Arbeit hochgefahren. Erfolglos. Schließlich machten wir uns auf den Weg über den großen Teich nach Großbritannien. Dort haben wir den ganzen nördlichen Teil der Insel nach Arbeit abgesucht und sind dann irgendwann auf das Festland gewechselt. Schließlich sind wir in Lana gelandet, wo wir bis heute geblieben sind.

Du hast also keine festen Wurzeln.
Ja, das könnte man sagen.

Siehst du das als Vorteil in deinem Beruf?
Auf jeden Fall.

Jetzt bediene ich ein Klischee: Wie schaut es mit Drogen in der Modelbranche aus?
Für mich persönlich ist das nichts. Es ist einfach nicht mein Ding. Seien es nun Partydrogen oder Aufputschmittel. Ich weiß von Fällen, wo sich Männermodels Pferdehormone spritzen, um den Muskelaufbau und den Abbau des Körperfetts zu fördern. Cannabis ist sicherlich die Droge, die am meisten konsumiert wird. Es kifft fast jeder. Es passiert mir immer wieder, dass ich mitkriege, wie sich die Leute zum Kiffen verabreden. Auf der einen Seite kann ich sie ja auch verstehen. Viele sehen die ganze Modelei nur als Erlebnis, als temporäres Hochgefühl. Die meisten modeln nur für ein Jahr, deshalb geben sie beim Partymachen ordentlich Gas. Das ist auch in Ordnung. Aber so bin ich nicht. Ich sehe die ganze Sache anders. Ich verfolge eine Karriere in diesem Metier. Natürlich ist mir bewusst, dass man nicht ewig modeln kann, aber es gibt haufenweise anderer Sachen, die man nach einer Karriere als Model machen kann.

Die da wären?
Nun, mein großer Traum wäre es, als Schauspieler in Hollywood zu landen. Auch wenn das ziemlich weit gegriffen ist. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass man alles auf dieser Welt mit genug Eifer, Disziplin und Willen erreichen kann.

Du gibst dich sehr zielorientiert, zumindest auf Facebook. Außerdem rätst du den Menschen Veganer zu werden.
Ja, ich versuche so vegan wie irgendmöglich zu leben und ich lege das auch jeden ans Herz. Als ich in Mailand mit dem Modeln angefangen habe, wollte ich unbedingt eine Diät machen. Ich habe damals alles ausprobiert. Eine Zeit lang habe ich mich nur von Obst ernährt, dadurch habe ich stark zugenommen. Ernährungstechnisch bin ich durch alle Höhen und Tiefen gegangen, die man sich nur vorstellen kann. Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr auf eine normale Diät. Schließlich bin ich auf die Dokumentation „Forks over Knifes” gestoßen. Dort wird aufgezeigt, wie schlecht übermäßiger Fleischkonsum ist. Besonders in diesen Mengen, wie wir sie heutzutage konsumieren. Ich möchte den Menschen durch meine Arbeit auch zeigen, dass man durch einen gesunden Lebensstil erfolgreich sein kann. Ich möchte nicht nur ein Model sein, sondern auch ein (Norman fällt in sein Englisch zurück) „Rolemodel” sein. Also ein … äh, wie sagt man?

Vorbild?
Ah, ja danke, Vorbild. Ich möchte ein Vorbild sein. Mit Leistung und dem richtigen Lebensstil kann man alles erreichen. Nebenbei gehört auch noch Sport dazu. No pain, no gain. Natürlich soll man es aber nicht übertreiben. Ich habe mich teilweise so gestresst, um die richtigen Maße zu haben, dass ich fast schon in die Bulimie abgerutscht bin. Es wurde damals einfach zu viel. Man kann sich einen gewissen Lebensstil nicht einfach „anstressen”, man muss hineinwachsen und ausgewogen daran arbeiten.

Ich bin letztens auf deinen Blog gestoßen, wie kamst du auf diese Idee?
Ich schreibe gerne. Das Schreiben ist ein kreativer Prozess, der mir sehr gefällt. Zugleich möchte ich positive Energie vermitteln. Ich bin der Überzeugung, dass wir einfach mehr auf uns selbst hören sollten. Ich habe viel darüber nachgedacht, was ich erreichen will. Die Frage, die mir dabei die ganze Zeit durch den Kopf geschwirrt ist, war: „Was ist dir wichtig?” Viele hören sich nicht zu und überladen sich mit Sachen, die einfach nicht wichtig sind. Ich war auch so. Mein Vater war in der Wirtschaft tätig, also habe ich mir gedacht, dass ich auch dorthin muss. Aber das hat mir nie gefallen. Ich denke sehr viel über meine Zukunft nach. Ich handle nicht impulsiv, sondern rational und überlegt. Wenn ich wollte, könnte ich auch jeden Tag Party machen wie meine Kollegen in Mailand, aber das tue ich nicht. Versteh mich aber nicht falsch. Die Sachen, die ich bei Facebook und in meinem Blog poste, poste ich nicht deshalb, um zu zeigen, wie geil mein Leben ist. Ich versuche bodenständig zu bleiben. Ich möchte Menschen inspirieren. Wenn du hart arbeitest, erreichst du etwas. Dwayne „The Rock” Johnson ist mein absolutes Vorbild. Er hat es nie leicht gehabt in seinem Leben. Er ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und hat alles erreicht. Arbeite hart, take a risk. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

Vielen Dank für das Gespräch!

Auf dieser Seite gibts einige Modefotos von Norman zu sehen.

Thomas Tribus

Als Studierender schreibt, filmt und fotografiert er für mehrere Redaktionen dies- und jenseits der Alpen. Liebt gutes Essen und gute Musik.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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