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Medium Mundart

Die Ahrntaler Mundartdichterin Klothilde Oberarzbacher-Egger lädt auf ein Glas'l ein. Ein Gespräch über Lachen und das Leben – in Originalton.

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Bild: Vera Mair am Tinkhof

Klothilde Oberarzbacher-Egger schreibt so, wie sie redet, im schönsten Teldra-Dialekt. Weil das von ihr Erzählte immer von ihrer Sprache lebt, wollen wir es hier nicht anders machen und geben das Glas'l-Gespräch originalgetreu wieder. Wer schon mal eines ihrer Gedichte gelesen hat oder beim Kabarettwettbewerb „So lacht Südtirol“ dabei war, den die Autorin im August gewonnen hat, wird vertraut sein mit den vielen Ös und Üs und den anderen Eigenheiten der Ahrner Mundart. Für alle anderen kann das hier ein Crash-Kurs sein in Südtiroler Völkerverständigung.

Wie Klothilde Oberarzbacher-Egger mit ihren Gedichten Leute zum Lachen und Nachdenken bringt und wie wichtig Humor in allen Lebenslage für sie ist, erzählt sie BARFUSS bei einem Glas'l bei ihr zu Hause.

Wie kamen Sie zum Kabarettwettbewerb „So lacht Südtirol?"
In do Zeitung  honi va den Wettbewerb gilesn, dass des isch, na honimo in easchtn Moment gidenkt, do tü i mit. Donna honni die Zeitung lign gilot und lign gilot, bis an 15. Juli do Einsendetermin isch giwessn. A Sonsta isch se giwessn, und i hon nö nicht ingschickt gihop. Und na an Sunnta honimo donna gidenkt, taifascht, its schicki decht öpas. Jo und na honi oan Seite gschriebn, und an Mota honise gschickt.

Donna isch a Brief kem: „Ihr Stück hat es ins Finale geschafft“. Na san siebn Finalistn giwesn, in Graun öbo Kurtatsch, af asö an gröaßn Plotz, und gonz a Haufe Leit san giwessn.
Sebm mussi a oafoch is Publikum löibn. De hom oanfoch gilocht und bigeischtot sanse giwesn. Gonz mit oafocha Sochn. „Schochtlgschichtn“ honi gschriebn. Se san holt selcha Gschichtn, wo man nö denkn müss ba lisn.

Welcher Witz funktioniert?
Witze dozeil tü i net, Witze kimp mir olbn fi tin in Lebn passioung. I dozeil a oafoch la van Lebn, nichts extrans eigentlich. Wosmo selbo passiuscht odo wos i hear odo wos i oanfoch woaß. Und die Leit hom olla gilocht. Ingschlogn wie a Blitz hots. Jo, dos isch schie giwessn. De hobm asöi auagstrohlt, richtig bigeischtot. Des isch na richtig a Freide.

Di ondon Finalistn worn ondoscht, gonz ondoscht. Se isch eben is Schiene, de Vielfolt. Die junge, wos in drittn Preis bikem hot, hotmo a gonz güit gfoll, dise hot dozeilt wie se unbedingt onfong giwellt hat zi rachn. Weil olla homse giracht, und na ischra fikem, wennse rachat bikampse an Freund (lacht).

Anderer Dialekt, anderer Humor?
Inso Ahrntoala Dialekt gfollt schu oanfoch in die Leit. Obo vielleicht a weil man oanfoch gonz Oanfochis red. Do Humöi va die Leit wescht schu awin voschiedn sei vielleicht. A ondra Ort. Humöi homse vielleicht schu olla, höffwo holt. Sist wars Lebn hoscht. Asö a humorlosis Dasein, se war nicht.

Obo olla hobn a net zi lochn. Atie isch schu is Lebn vielleicht söfl eaongscht, dass nimma viel zi lochn isch. Obo mit Humöi get holt a epas Letzis leichta.
I loch a gonz geang ibo mi selbo. Se, kimpmo fi, isch wichtig, wenn man ibo sich selbo lochn konn. Sebm mocht man holt nicht folsch und beleidigit holt niemand, tüt man niemandn wia.

Kann man Humor lernen, oder wird man damit geboren?
Humöivoll, se moani bin i olbn giwessn. Weil wenn i asöi Gedichte vöizilesn gei, wenni mi beschreib, donna müss i olbn sougn dass i olbn schu asöi a Netta bin giwessn. (lacht) Se hobmsimo olbn asöi dozeilt, boli gonz kloa bin giwessn honi schu mit olla gilocht.

Galign in do Schüilzeit hots mitn Schreiben ogiheb. Sem honi mear sella Gibetlan gschriebn. Woasch, fria hot man mear gibetn. Se mecht man eigntlich haint a nö, Morgen- und Abendgibet und zin Essn. Se hot mir gfoll. Obo haint get do Radio schu und die Handys und de hom olla nimma doweil amo schnell awin zi betn. Znochtsn get nö do Fernseh, und sebn missn olla stille san, weil gired mog sem a fellig nimma weang. Se isch schoude. Fria hot man mear mitnondo gired. Und dos wescht olba letza. Ingalign wesche segn sitzn olla mit an Computa vöi sich und schreibn vielleicht in oan umin dou, wos epa vis-à-vis entn sitzt.

Schreiben Sie viel?
Jo, schreiben tü i viel. Gschriebns honi viel dou, kischtnweise. Wennse des galign amo voorbatn missn, sem homse Orbat ginüi. (lacht) A bissl öpas schreib i olbn. Epas Luschtigis sougwo. Obo a öpas Besinnlichis. Oanfoch wie is Lebn isch.

Is Schreibn isch fi mi a Hobby, olbn giwessn. I hon eigntlich nie gidenkt, dass man do kannt richtig epas draus mochn. A do its mit den Kabarettwettbewerb: Wirklich erscht in letstn Moment, net longe giplant, oanfoch den Zettl gschriebn, net iboorbatit odo do longe, oanfoch dos gschriebn.

Gibt´s noch große Wünsche und Ziele?
I bin net asö dassi an Ideal nochstreb ödo wirklich an Ziel. I loss oafoch af mi heronkem und na tü i wos. Es isch vielleicht die Erziehung, ödo die Kindheit: Asö zifriedn san wies hot isch, ohne eigntlich gonz gröaßa Onspriche. Haint vielleicht gangs nimma. Die jung Leit missn haint viel mea leistn aswi wiu fria, viel mea.

Das Glas ist leer. Auf die Frage nach ihrem Alter antwortet sie noch:

„I bin 65, in bestn Olto. Na, obo jedis Olto isch oanfoch schie. Und i denk oanfoch afs Olto gou nie. I leb oafoch und vogiss donna vielleicht olt zi weang." Und lacht.

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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