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Auf a Glas'l mit Benno Elsler

Kopf der Studis

Benno Elsler ist neuer Vorsitzender der Südtiroler Hochschülerschaft. Was der Studienort Südtirol braucht und warum viele Studierende im Ausland nicht nach Südtirol zurückkehren.

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Der neue Vorsitzende der Südtiroler Hochschülerschaft Benno Elsler.
Bild: Petra Schwienbacher

Die Südtiroler Hochschülerschaft (SH) ist wie eine Gewerkschaft, die sich um die Interessen der Studierenden im In- und Ausland kümmert und kulturelle Veranstaltungen organisiert. Die SH hat Sitze in sechs Städten: In Innsbruck, Salzburg, Graz, Wien, Trient und Bologna. Weitere sollen folgen. Zurzeit zählt der Verein 1.600 Mitglieder. Neuer Vorsitzender ist der Bozner Student Benno Elsler. Der 26-jährige Psychologiestudent will den Stellenwert der Bildung in Südtirol weiter ausbauen und sich verstärkt um die Studientitelanerkennung bemühen.

Du bist seit kurzem neuer SH-Vorsitzender. Welche Schwerpunkte liegen dir besonders am Herzen?
Ich möchte einmal die Südtiroler Hochschülerschaft als Verein sichtbarer und bekannter machen – sei es bei den Studierenden als auch bei der restlichen Gesellschaft. Außerdem möchte ich den Service erweitern. Dazu habe ich auch schon viele Ideen – wir möchten zum Beispiel die Studentenrabatte ausbauen. Ein wichtiges Thema ist auch die Studientitelanerkennung, an der die SH schon länger arbeitet.

Du hast dich kurz nach deiner Ernennung zum Vorsitzenden mit der Jungen Generation der SVP getroffen. Wie kam es dazu?
Das Treffen wurde bereits unter meinem Vorgänger Fabian Frener geplant, aber in seiner Zeit als Vorsitzender mehrmals verschoben. Schließlich fiel es auf einen Termin kurz nach meiner Wahl. Ich wollte es nicht schon wieder verschieben, deswegen hat es so kurz nach meiner Neuernennung stattgefunden.

„Wir haben bei dem Treffen einfach Themen besprochen, bei denen es Schnittstellen gibt und wo uns die Junge Generation der SVP helfen kann, unsere Ziele zu erreichen.”

Ihr habt eine stärkere Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Hochschülerschaft und der Jungen Generation der SVP angekündigt. Lässt sich die SH jetzt politisch vereinnahmen?
(Lacht) Nein, sicher nicht. Wir haben bei dem Treffen einfach Themen besprochen, bei denen es Schnittstellen gibt und wo uns die Junge Generation der SVP helfen kann, unsere Ziele zu erreichen. Themen, bei denen es interessant wäre, mit der JG zusammenzuarbeiten. Es ging beispielsweise um junges Wohnen, um die Studientitelanerkennung oder um ihre Kontakte zu Vertretern im Südtiroler Landtag, in Rom und in Brüssel. Wir müssen erst schauen, was sich aus der Zusammenarbeit ergibt.

Ist so ein Treffen auch mit den jungen Freiheitlichen, den Grünen oder der Jugendvertretung der Süd-Tiroler Freiheit geplant?
Wir werden uns definitiv mit weiteren Interessensvertretungen und Akteuren treffen. Diese Treffen finden Schritt für Schritt statt, da mein Vorstandsteam und ich derzeit mitten in der Prüfungsphase sind. Geplant sind sie also. Neben der JG habe ich mich auch mit dem Abgeordneten Florian Kronbichler getroffen. Wir haben vor allem über die Möglichkeiten der Interessenvertretung der Studierenden in Rom gesprochen, weil er ja direkt vor Ort ist.

In der Vergangenheit wurde der SH auch vorgeworfen, dass sie keine unabhängige Studentenvertretung, sondern ein politischer, links-grüner Verein sei. Kannst du diese Kritik nachvollziehen?
In unserem Statut steht, dass die SH nicht parteipolitisch ist, sich aber sehr wohl um gesellschaftspolitische Themen kümmert und sich zu Fragen äußert, die die Studierendenpolitik betreffen. Das ist unser Hauptjob, deswegen ist es nicht möglich und auch nicht sinnvoll, vollkommen unpolitisch zu sein. Die Kritik kommt oft von denen, die die SH gern mehr auf der eigenen Seite hätten. Wir sind aber eine Plattform, der es um die Interessen der Studierenden geht. Wir sind keiner politischen Gruppierung zuzuordnen und das ist auch nicht unser Anliegen.

Muss die SH ihr Image verbessern?
Das eigene Image verbessern will denke ich jeder. Als öffentlich finanzierter Verein sehen wir uns dazu besonders verpflichtet, da wir einen wichtigen Dienst für eine Bevölkerungsgruppe leisten. Die Zufriedenheit der Studierenden liegt uns natürlich sehr am Herzen und wir orientieren uns an ihren Rückmeldungen, ob etwas gut ist oder verbessert werden muss. Jede Außenstelle ist in dieser Hinsicht autonom und entscheidet solche Dinge intern. Die SH sichtbarer und bekannter zu machen hätte sicherlich auch positive Auswirkungen auf ihr Image.

In den SH-Außenstellen soll es oft chaotisch zugehen und es sollen zum Teil katastrophale Zustände herrschen. Was sagst du dazu?
Eigentlich ist mir nur ein Fall bekannt: Im letzten Jahr wurde die SH-Außenstelle Wien für ihr Gästezimmer kritisiert. Ich war damals nicht vor Ort und kann deshalb nur begrenzt etwas dazu sagen. Mir wurde gesagt, dass vielmehr die Gäste das Gästezimmer nicht so hinterlassen hatten, wie normalerweise üblich. Generell gilt, dass wir eine günstige Schlafmöglichkeit, nicht aber ein Hotel anbieten.

Du studierst Psychologie. Warum?
Mich hat das schon immer fasziniert, ich habe aber am Anfang gezweifelt, weil ich dachte, da denkt man zu viel über sich selbst nach. (grinst) Aber ich muss sagen, das war eine der besten Entscheidungen, wenn nicht sogar die beste, die ich je getroffen habe. Das Studium ist eine Bereicherung und ich finde Psychologie sollte auch in Schulen eine größere Rolle spielen.

Warum hast du dir Mailand und damit einen italienischen Studienort für dein Studium ausgesucht?
Ich habe mich an mehreren Universitäten eingeschrieben. In Mailand hat mir das Bildungsangebot am besten gefallen. Die Studientitelanerkennung war da leider auch ein Thema, das muss ich zugeben. Wenn man als Psychologe später an öffentlichen Wettbewerben teilnehmen möchte, muss man in Italien oder Österreich studieren. Ansonsten wird es schwierig, wenn man keine Prüfungen nachholen möchte. Das gilt auch für andere Berufe. Wir als SH werden weiterhin daran arbeiten, aber es ist schwierig, hier auf EU-Ebene etwas durchzubringen.

Wie oft pendelst du zwischen Mailand und Bozen?
Derzeit, um meiner ehrenamtlichen Tätigkeit nachkommen zu können, einmal pro Woche. Das sind jedes Mal fast fünf Stunden mit Bus oder Zug.

Wie denkst du über den Studienort Südtirol? Ist Bozen überhaupt eine Studentenstadt?
Die Uni Bozen gibt es ja noch nicht so lange. Ich denke, dass sich Bozen entwickelt hat, aber es ist auch noch viel Luft nach oben.

„Es braucht endlich mehr „Studentenleben“ in den Uni-Städten Südtirols.”

Was müsste getan werden?
Damit Südtirol als Studienort attraktiver wird, braucht es Verbesserungen in mehreren Bereichen. Erstens muss sich die Uni Bozen noch stärker differenzieren und ihr Studienangebot weiter ausbauen. Zweitens sollte die Zusammenarbeit mit zukünftigen potenziellen Arbeitgebern wie etwa mit Forschungsinstituten, Unternehmen oder Schulen weiter forciert werden, um so den Studierenden noch bessere Berufschancen zu ermöglichen. Drittens, und hier hat Südtirol im Vergleich zu anderen Uni-Standorten sicherlich mehr Aufholbedarf, braucht es endlich mehr „Studentenleben“ in den Uni-Städten Südtirols. Damit meine ich mehr kulturelle und sportliche Freizeitangebote. Es hat sich zwar in der Ausgehszene in Südtirol in den letzten Jahren einiges zum Positiven geändert, aber die Lage bleibt schwierig.

In einem offenen Brief an Sanitätsdirektor Thomas Schael und Gesundheits-Landesrätin Martha Stocker haben fast 160 Medizinstudenten und Jungärzte, die im Ausland sind, erklärt, warum sie nicht nach Südtirol zurückkehren können. Kannst du das nachvollziehen?
Wir als SH sichern ihnen unsere Unterstützung zu. Wir werden uns demnächst mit einem Sprecher der Jungärzte treffen. Genaueres möchte ich nicht sagen, weil ich mir alles noch anhören möchte.

Die Mediziner sind nicht die einzigen: Warum kehren junge Südtiroler Studierende nicht mehr nach Südtirol zurück?
Da gibt es viele Faktoren. Besonders für hochspezialisierte Kräfte ist es in Südtirol schwierig. Es gibt für manche Berufe einfach ein zu geringes Arbeitsangebot. Auch das Gehalt spielt sicherlich eine Rolle. Es gibt aber sicher auch ganz simple Gründe: Wenn Studierende beispielsweise eine Partnerin oder einen Partner im Ausland finden.

Tut die Südtiroler Politik genug dafür, dass Absolventen zurückkehren?
Es ist nicht so, dass nichts getan wird, aber es wäre sicher mehr möglich. Die Regierung Renzi hat mit dem Bonus für Neuakademiker bereits einen Anreiz geschaffen. (Anm. d. Red.: Es gibt eine Steuerbegünstigung für Akademiker, die nach dem Studium im Ausland in Italien arbeiten.) Im Bereich Wissenschaft gibt es hierzulande einfach wenig Arbeitsplätze. Man müsste es schaffen, Außenstellen größerer Unternehmen nach Südtirol zu holen. Zu überlegen wären auch Familienunterstützungen, wie es sie in den nordischen Staaten bereits gibt. Dort werden Männer und Frauen während des Studiums unterstützt, wenn sie in dieser Zeit eine Familie gründen möchten. Man könnte schauen, inwieweit so etwas in Südtirol umsetzbar wäre.

In eineinhalb Jahren machst du deinen Abschluss, wenn alles gut geht. Was ist danach geplant?
Danach möchte ich das Pflichtpraktikum für die Eintragung in das Berufsverzeichnis der Psychologen bei der Psychologenkammer machen. Zu weit vorausplanen möchte ich aber nicht, das kann man meist eh nicht einhalten. (lacht)

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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