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Schauspielerin Doris Pigneter

Keine Prinzessin

Überraschender Erfolg: Für die Rolle eines transsexuellen Jungen wurde Doris Pigneter als „Beste Nebendarstellerin“ beim Londoner Filmfestival IFF ausgezeichnet. Wer ist diese Frau?

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Bild: Urban Ruths

Doris Pigneter spricht Hochdeutsch, wie man es den meisten Südtirolern kaum zutraut: völlig akzentfrei. Das war ein hartes Stück Arbeit. „Es war wie eine neue Sprache zu lernen”, erzählt Pigneter. Wenn sie in Hamburg bemerkte, dass sie etwas falsch ausgesprochen hatte, dann wiederholte sie es vor allen Leuten so lange, bis es richtig war. Das zog sie beim Bäcker genauso konsequent durch wie auf der Schauspielschule. „Mein Umfeld hat sich dabei fremdgeschämt”, lacht Pigneter rückblickend. Die Mühe hat sich gelohnt. Nach drei Jahren war ihr Hochdeutsch einwandfrei.

Das allein reicht natürlich nicht, um als Schauspielerin durchzustarten. Doris Pigneter bringt noch mehr mit. Unter anderem einen durchdringenden Blick, ein markantes Gesicht und eine offene Art. Beim Interviewtermin in Hamburg hat sie ihr Haar nach hinten gebunden. Im Gesicht trägt sie eine runde Brille mit Goldrand. Diese Brille ist zurzeit im hippen Schanzenviertel besonders angesagt. Ihre Figur ist zierlich, ihr Lachen ansteckend.

Bei den Dreharbeiten zum Film „Im Auge des Betrachters”.

Bild: Doris Pigneter

Bis vor Kurzem war die 27-Jährige in der Branche ein unbeschriebenes Blatt. Nun hat die Jury des Londoner Filmfestivals IFF sie zur „Besten Nebendarstellerin“ für ihre Rolle als transsexuellen Jungen im Film „Im Auge des Betrachters“ ausgezeichnet. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet – es war total schmeichelhaft“, verrät Pigneter. Dieser Erfolg ist ihr nicht zu Kopf gestiegen. Neben Theater und Schauspielerei jobbt sie in den Kneipen St. Paulis hinter dem Tresen. Ihre Antworten formuliert Pigneter besonnen. Schlägt ihr Herz stärker für den Film oder fürs Theater? „Das ist abhängig von Projekten, Rollen und Themen. Und auch, ob es Geld einbringt.”

„Kinder sind ein extrem ehrliches Publikum.”

Doris Pigneter ist in Terlan aufgewachsen. Nach dem Besuch des Pädagogischen Gymnasiums in Meran entschloss sie sich, nach Hamburg zu ziehen. Einem kurzen Aufenthalt beim Musical „Stage” folgte das Schauspielstudium „Freese”. Danach zog es die Südtirolerin auf die Theaterbühne.

Im Hamburger Allee Theater spielte sie im Kinderstück „Das Dschungelbuch” den charmanten Lausbuben Mogli. Was viele nicht wissen: Theater ist nicht nur mental herausfordernd, sondern auch körperlich. In einem Zeitraum von zehn Wochen hat Pigneter das Stück 70 Mal aufgeführt. Manchmal fanden die Aufführungen auch zweimal hintereinander statt. Trotz des immensen Pensums hat es der Südtirolerin sehr viel Spaß bereitet. „Kinder sind ein extrem ehrliches Publikum. Emotionen wie Langeweile, Freude und Trauer zeigen sie dir aufrichtig und ohne zu zögern.” Kinderstücke nimmt sie daher gleich ernst wie Theaterstücke für Erwachsene.

„Meine Rollen dürfen schon einen gewissen Lebenskampf enthalten.“

Doris Pigneter in Aktion auf der Bühne – hier im Stück „Konrad oder Das Kind aus der Konservendose”.

Bild: Doris Pigneter

Pigneter ist eine Kämpferin. Einmal musste sie sich zwei Stunden vor einer Vorstellung übergeben. Ein fieser Grippevirus hatte sie erwischt. Absagen? Keine Option! Pigneter war für eine der Hauptrollen vorgesehen und biss die Zähne zusammen. „Zwei Szenen habe ich vorzeitig abgebrochen. Aber irgendwie habe ich es über die Bühne gebracht“, so die Schauspielerin. Das passt zu dem Rollenverständnis in ihren Stücken. Privilegierte Prinzessinnen möchte sie nicht spielen. „Meine Rollen dürfen schon einen gewissen Lebenskampf enthalten.“

Manchmal scheint Pigneter aber auch die hanseatische Zurückhaltung der Hamburger übernommen zu haben. Auf die Frage ihrer Vorbilder antwortet sie: „Es gibt wahnsinnig viele Schauspieler, bei denen ich das Ergebnis ihrer Arbeit bewundere. Die Beweggründe der Schauspieler kenne ich nicht, daher kann ich sie mir nicht als Vorbild nehmen. Dafür müsste man sich privat mit ihnen unterhalten.” Ein guter Film sei nicht nur der Verdienst des Schauspielers. Auch Musik, Licht und Kameraschnitt seien extrem wichtig.

Typisch für viele Auslandssüdtiroler ist ihr ambivalentes Verhältnis zur Heimat. „Südtirol ist meine Heimat, ob ich will oder nicht. Wenn ich zwei Wochen zu Hause bin, dann denke ich mir: Jetzt reicht es auch wieder.“ Gibt es etwas, was sie besonders vermisst? „Ja, die Kaminwurzen“, sagt sie lachend. „Je länger ich weg bin, desto mehr weiß ich Südtirol zu schätzen.“   

Hier könnt ihr euch einen Ausschnitt aus dem Film Im Auge des Betrachters anschauen.

 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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