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Einradfahrer Fabian Schrott

Kein Hindernis zu groß

Er springt über Hindernisse, fährt von Bergen und über Dächer. Fabian Schrott aus Latzfons ist ein wahres Genie auf seinem Einrad.

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Bild: Fabian Schrott

Es passiert alles so schnell, dass die Zuschauer in Bozen Schwierigkeiten haben, genau zu sehen, wie der Trick funktioniert. Ein Grund, den 360-Unispin zu wiederholen. Fabian Schrott steht auf den Pedalen seines Einrads, springt in einem Satz hoch, dreht das Rad unter sich einmal quer um die eigene Achse und landet wieder auf den Pedalen. Schrott grinst. Der 20-Jährige lebt für solche Tricks. Auf dem Einrad ist er in seinem Element. Einige Passanten, die im Park neben dem Museion spazieren gehen, drehen sich erstaunt um. So etwas sehen sie nicht jeden Tag.

Schrott reiht einen Trick an den nächsten, springt über die Steinbänke. „Kombinationsmöglichkeiten gibt es unendlich viele“, sagt er. Der Latzfonser Einradfahrer macht hauptsächlich Street. Das ist ein Mix aus Tricks und Sprüngen auf der Fläche und über Hindernisse – in der Szene Flat und Trial genannt. Er macht aber auch Muni – fährt mit dem Einrad die Berge rauf und runter. Unter anderem fuhr er auch schon vom 2.563 Meter hohen Monte Pez auf dem Schlern.

Schrott ist bereits von einigen Bergen Südtirols mit dem Einrad abgefahren. Immer dabei: seine Kamera und die staunenden Blicke von Wanderern oder Mountainbikern. Durch sein Talent auf dem Einrad und die Leidenschaft, sich dabei zu filmen, ist er seit mehr als vier Jahren Partner von Youtube. „Muni ist super. Vor allem wenn man an Fahrradfahrern vorbeifährt, die das Rad schieben. Die schauen oft ganz schön blöd.“ Schrott lacht. Angefangen hat er ganz klassisch, wie so viele beim Zirkus in der Grundschule.

Damals steigt er das erste Mal auf ein Einrad. Mit 15, als er auf Youtube die spektakulären und coolen Videos von professionellen Einradfahrern sieht, fängt er aber erst richtig damit an. Die Videos der Sprünge packen ihn: „Ich habe gesehen, was auf dem Rad alles möglich ist.“ 2012 nimmt er an der Weltmeisterschaft in Brixen teil und belegt gleich den dritten, vierten und fünften Platz in den Kategorien 10 Kilometer, Downhill und Uphill. Seine Karriere beginnt.

Ausgleich zum Studium

Einradfahren ist eine Randsportart, die auch in Südtirol immer populärer wird. Die ersten Einrad-Begeisterten stammen aus Lajen. Mittlerweile gibt es Gruppen in Villanders, Naturns, Kaltern und Latzfons. Beliebt macht die Sportart vor allem, dass sie so vielfältig ist. Es gibt unzählige Disziplinen. „Es ist für jeden Typ etwas dabei“, sagt Schrott. Sehr beliebt in Südtirol sind Downhill, Uphill und Crosscountry. Die Berge rauf und runter fahren – naheliegend, wenn man wie in Südtirol von Bergen umgeben ist. Ebenfalls häufig, Freestyle, bei dem die Tricks ähnlich sind wie beim Eiskunstlauf. In dieser Disziplin finden in Villanders in diesem Jahr die Landesmeisterschaften statt, in Muni die Italienmeisterschaften in Naturns.

Athletische Fahrer bevorzugen Bahn oder Staffel, Teamplayer wählen Basketball und Hockey, was in Südtirol aber nicht sehr verbreitet ist. Einzelkämpfer, die mit Kraft arbeiten wollen, machen Trial, Flat oder Street. Wie Schrott. Er hat sich anfangs durch mehrere Disziplinen getestet, bis er seine gefunden hat.

„Auf dem Einrad kann ich so richtig entspannen, das brauche ich einfach, damit ich mich nachher wieder konzentrieren kann.“

Schrott studiert Elektrotechnik im vierten Semester in Graz. Nach einem Uni-Tag, vollgepackt mit Informationen, nach Lerneinheiten und viel Kopfarbeit, trifft er sich gerne und oft mit zwei Kollegen, ebenfalls gute Einradfahrer, zum gemeinsamen Trainieren. Sie jagen entweder die ausgeschriebenen Downhillpisten runter oder üben ihre Tricks im Park.

Sonnenschein, Musik und das Einrad. Mehr braucht Schrott nicht: „Ich kann so richtig entspannen, das brauche ich einfach, damit ich mich nachher wieder konzentrieren kann.“ Das Training macht ihm Spaß, ein Grund, warum ihm diese Disziplin so gefällt.

Bild: Petra Schwienbacher

Wenn mal ein Trick nicht klappt, auch egal, dann hatte man eben eine schöne Zeit mit den Kollegen, ist Schrotts Credo. Im Einradsport geht es zwar meistens freundschaftlich zu, Kampfgeist ist allerdings auch zur Genüge vorhanden. Das liegt auch oder genau deswegen daran, dass es bei Wettkämpfen so gut wie nie Preisgelder gibt – Fairness und die erreichten sportlichen Leistungen stehen im Vordergrund. Die gegenseitige Anerkennung und der Respekt für die erbrachten Leistungen sorgen dafür, dass die Athleten bei Wettkämpfen das Maximale aus sich und dem Material rausholen wollen, erklärt der Einradprofi.

Locker zum Erfolg

Vom Einradfahren leben kann kaum jemand. „Es gab Diskussionen, ob Einrad beim Italienischen Fahrradverband aufgenommen wird, aber vor allem bei Flat und Trial war man dagegen, weil man Doping befürchtete“, erklärt Schrott. „Zwar gibt es bereits jetzt einzelne Dopingfälle, das muss aber nicht sein.“ Fürs Preisgeld lassen sich die Fahrer oft selbst etwas einfallen und legen manchmal selbst Geld zusammen, das anschließend unter den Besten aufgeteilt wird.

Wo andere eine Bank zum Ausruhen sehen, sieht er ein ideales Hindernis für Sprünge. 

Für Schrott zählt aber ohnehin nicht das Geld, sondern die Freude an der Sache und an seinen persönlichen Leistungen. Und vielleicht ist es genau diese Lockerheit, die zu seinen Erfolgen führt. Schrott holte sich unter anderem Gold in Cyclecross und Bronze in Marathon bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Kanada 2014, Gold in Hochsprung, Gold in Weitsprung und Bronze in Trial bei der Trial-Meisterschaft 2013 in Deutschland.

Schrotts ganzes Leben dreht sich ums Einrad. Wo andere eine Bank zum Ausruhen sehen, sieht er ein ideales Hindernis für Sprünge. Fährt er mit dem Bus durch eine Stadt, sieht er immer wieder ideale Stellen für Tricks und Hindernisse für Sprünge. Eine Berufskrankheit sozusagen. 

Mit dem Einrad um die Welt

Macht Schrott Urlaub, nimmt er sein Einrad mit, wenn es denn geht. Es hat im Koffer zwar Platz, wiegt aber doch sechs Kilogramm. Ungünstig beim Fliegen. Dennoch war der Latzfonser mit seinem Einrad schon in zahlreichen Ländern. Schweiz, Spanien, Kanada, Deutschland. Sei es im Urlaub, als auch auf Wettkämpfen. Und es werden noch viele weitere Länder folgen. Einer der nächsten Fixtermine ist im Sommer in der Schweiz. Mitte August treffen sich Fahrer aus ganz Europa zum gemeinsamen Abfahren von den Schweizer Bergen.

Bild: Fabian Schrott

Im Sommer ist Schrott regelmäßig in Südtirols Bergen unterwegs. Und wenn ihn die Mountainbiker in den Bergen komisch ansehen, wenn er mit seinem Einrad scheinbar mühelos über Stock und Stein fährt, dann muss er nur grinsen. Er kennt den Unterschied. Angefangen hat er nämlich mit Mountainbike-Rennen. Vergleicht er die beiden Sportarten heute, ist er zwar mit dem Einrad langsamer unterwegs, kann aber spektakulärer fahren. Das beweist er vor allem bei den Tricks, die er gerade hinter dem Museion zeigt. Sie sehen teilweise zwar einfach aus, haben es aber in sich. „Einige klappen nur je nach Tagesfassung“, weiß Schrott. Wie der 540-Unispin. Eineinhalb Umdrehungen des Einrads in der Luft. Heute, an diesem Tag im Februar, bleibt er aber bei der 360-Grad-Drehung. Und die klappt tadellos.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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