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Thomas Volgger und sein Label

Immer Volggas

Thomas Volgger ist Grafiker und Inhaber eines Street Fashion Labels, mit dem er mehr als nur Kleidung verkaufen möchte. Er will die Leute zum Nachdenken anregen.

Alles ist Inspiration. Für Thomas Volgger jedenfalls. Immer und überall hat der 34-Jährige aus Winkl in Sand in Taufers sein Notizheft dabei. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, könne eben in allem inspirierende Ideen finden. Bekommt Thomas, der von allen Tom genannt wird, eine Eingebung für ein neues Design, schreibt oder zeichnet er sie sofort auf. Egal, ob er nun in seinem Büro sitzt oder auf über 2.000 Metern beim Snowboarden auf dem Speikboden. „Des taugt mo“, sagt der kreative Kopf.

Tom Volgger, Grafikdesigner und kreativer Kopf von VDC

Bild: Thomas Volgger

Tom bezeichnet sich selbst als umtriebig, kreativ und als ganz ein bisschen verplant. „Auf eine sympathische Art und Weise. Das sind wir Grafiker, glaube ich, alle“, sagt er und lacht. Neben Logos für Kunden, konzipiert er auch die Designs für sein eigenes kleines Street Fashion Label: Volggason Design Company (VDC).

Mehr als nur schön aussehen

Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit der Snowboardcrew „Bockysnow“. Sobald die Skigebiete öffnen, verbringt Tom mit seiner Frau Ines und den gemeinsamen Freunden seine Freizeit beim Boarden. Auf dem Speikboden, auf dem Klausberg. Hauptsache, rauf auf den Berg und rein in den Schnee.

Beim Freeriden kommen der Crew viele Ideen. Die Kollegen fangen daraufhin an, Shirts zu designen und zu bedrucken, eröffnen ihren eigenen Onlineshop. Doch bald schon wird die Arbeit zu viel und das ganze verläuft sich. Bis Tom im Frühjahr 2019 wieder anfängt. Mit seinem Label Volggason.

„Als Grafiker mache ich viele Vektorengrafiken. Ich dachte mir, die könnte man doch auch auf ein paar Hoodies und Leibelen drucken.“ Der Name ist ein Mix aus Toms Nachnamen und seiner Liebe zu Norwegen. Eriksson zum Beispiel bedeutet in Skandinavien „Sohn des Erik“. „Ich bin der Sohn vom Volgga. Daher passt das ganz gut“, sagt er und lacht.

Die Designs seines Labels sollen nicht nur schön aussehen, sondern sollen zum Nachdenken anregen. Immer wieder lässt Tom Interpretationsmöglichkeiten offen oder eckt mit gewissen Aussagen an, wie bei den Shirts „Angry Utan – Palm Oil Borneo“ oder „Activism is not a crime“.

Auch Südtirol, das Tom nur noch „Dirty South“ nennt, kommt als Motiv in seinen Drucken immer wieder vor. Sei es mit Designs von Südtiroler Bergen, mit dem Motiv von Andreas Hofer „It is time Dudes“ oder mit „Dirty South“ – Toms Lieblingsdesign.

Bild: Thomas Volgger

„Die Leute sollen in die Designs ihre eigene Meinung reininterpretieren. Für manche ist sind Motive wie Dudes zu patriotisch. Aber ich bin nun mal sehr heimatverbunden, wenn auch auf eine gesunde Art und Weise“, erklärt Tom. Der Pusterer reist gerne, war schon in vielen Ländern dieser Erde und mit jeder Reise lernt er mehr zu schätzen, was er an Südtirol hat. Dass sauberes Trinkwasser und die gute Luft ein Privileg sind. Ein Grund, warum er versucht, auch aktiv Umweltschutz zu betreiben. Angefangen bei seiner Streetwear.

Nachhaltig und fair

Von Anfang an ist Tom klar: er will eine faire und nachhaltige Produktion. Etwas, hinter dem er zu 100 % stehen kann. Dass die meisten Firmen nur die billigsten „Leibelen“ für Ihr Unternehmen kaufen und nicht auf faire Bedingungen und auf den Verzicht von Kinderarbeit achten, ärgert ihn: „Welches Leid und Umweltverschmutzungen dahinterstecken, denkt niemand.“ Nach langer Suche stößt er auf das Label Earth Positive. Das Unternehmen wurde als Fair Ware und zudem von PETA offiziell als vegane Kleidung eingetragen. „Man denkt, das ist selbstverständlich“, erklärt Tom. „Ist es aber nicht.“

Earth Positive produziert klimaneutral und versucht bei der Herstellung so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Bedruckt werden jedes Shirt und jeder Hoodie dann individuell von Toms Kollegen in St. Georgen. Um eine Überproduktion zu vermeiden, wird jedes Teil erst dann bedruckt, wenn es bestellt wird. Ein Teil des Erlöses wird für Spenden an Sea Sheperd und WWF verwendet und auch privat versucht Tom so nachhaltig wie möglich zu leben. Natürlich gehe es nicht überall, das ist Tom klar. Er macht einfach das, was jeder Normalo-Bürger in seinen Alltag integrieren kann.

„Das ist wie, wenn man in seinem Wohnzimmer Müll reinschmeißt, und sich nachher regt man sich über die Leute auf, die das freiwillig wegräumen.“

„Ich hoffe, es passiert ein Umdenken, denn es betrifft uns alle. Es ist mir unverständlich, warum sich immer wieder Leute gegen die Klimaschutz-Bewegung stellen. Das ist wie, wenn man in seinem Wohnzimmer Müll reinschmeißt und nachher regt man sich über die Leute auf, die das freiwillig wegräumen.“

Bild: Thomas Volgger

Step by step versucht Tom jetzt, sein nachhaltiges Label weiter aufzubauen. Aber nicht nur in dieser Sache hängt sich der Pusterer gerne rein. Zusammen mit seinen Kumpels organisiert er regelmäßig Veranstaltungen, wie die berühmt-berüchtigte Winklparade in Kematen. Jetzt im Winter zusammen mit Kollegen vom Snowboardclub beispielsweise einen Contest. Und natürlich verbringt der 34-Jährige jetzt wieder viel Zeit beim Boarden.

Immer dabei: sein Notizheft und seine Kamera. Nebenbei fotografiert Tom nämlich auch. Er knipst Werbebilder für sein Label oder Fotos, die er in seine Grafiken einfließen lässt. Tom kennt die Spots. Weiß, wann das Licht gut ist. Langweilig wird seine Arbeit nie. „Ich kann immer wieder neue Sachen kreieren.“ Bei jedem neuen Shirt, bei jedem neuen Kundenauftrag fängt Tom wieder bei null an. Mit einer neuen Inspiration und einer neuen Idee. Zuerst im Kopf, dann auf dem Papier und dann am PC und im Druck.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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