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Poetry-Slammer Hannes Huber

Im Rhythmus

Der 17-jährige Hannes Huber slammt erst seit einigen Monaten. Trotzdem hat er sich bereits in- und außerhalb Südtirols einen Namen in der Szene gemacht.

Hannes_Huber_privatfoto.JPG

Bild: Hannes Huber

 „Verbrannt, vergast und zurückgeschickt.
Aber der Supermarkt hat danach nur noch mehr vertickt.
Sie kommen immer und immer wieder.
Ja, sie legen unsere Moral auf den Boden nieder.
Sie bringen nur Schlechtes,
nichts Stilechtes.
Schauen anders aus,
fast schon ein Graus,
sie nur anzuschauen.
Geschweige denn, auf denen rumzukauen.“

„Haribo“ nennt sich der Debüt-Text von Poetry-Slammer Hannes Huber. Er schreibt darin über grüne Gummibärchen und warum sie bei den meisten so verhasst sind. Eigentlich spricht Hannes damit aber über Vorurteile und die Angst vor dem Fremden. Er sagt: „Ich versuche immer ein wenig gesellschaftskritisch in meinen Texten zu sein. Dabei vermittle ich die Botschaft meist in einem ironischen Ton, sodass man schmunzeln kann, aber doch zum Nachdenken angeregt wird.“

Seinen ersten Poetry-Slam besuchte Hannes im Haus der Familie, damals saß er noch im Publikum. Kurz danach zog es ihn selbst auf die Slammer-Bühne. „Haribo“ begann er im November 2018 zu schreiben. Drei Monate arbeitete er am Text, bevor er ihn im Ost West Club in Meran zum ersten Mal präsentierte. Sein Auftritt führte ihn gleich auf das Siegertreppchen und Hannes schrieb weiter.

Hannes Huber beim Slammen

Bild: Benjamin Thomes

Der 17-Jährige schreibt das nieder, was ihm gerade im Kopf herumschwirrt. Dabei müsse sich ein Text nicht zwingend reimen: „Ich mag es, wenn sich ein Text reimt, aber die besten Texte sind oft die ungereimten.“ Denn wenn der Text einen gewissen „Flow“ oder Rhythmus besitzt, werde der Reim zweitrangig. Der Newcomer will die Aufmerksamkeit des Publikums lange aufrechterhalten, bevor er die eigentliche Botschaft durch ein pointiertes Ende offenbart. „Oft lasse ich die Zuhörer ein wenig im Ungewissen, verschlüssle meine Texte, sodass man erst draufkommen muss, worum es eigentlich geht“, sagt er. Das beste Beispiel dafür ist sein Text „Wir waren einmal Fleischfresser“:

„Tag ein, Tag aus nehmen wir Gebrauch von ihnen,
um uns Anerkennung zu verdienen.
In schönen Wortkonstellationen verkaufen sie sich besser,
und unsere Mitmenschen nehmen sie auf.
Ja Lügenfresser
sind wir mittlerweile geworden.
Wir waren einmal Fleischfresser.“

Der Titel führt bewusst in die Irre, erweckt die Erwartung, es gehe um Veganismus oder Vegetarismus. Stattdessen nimmt er eine unerwartete Wendung, handelt von Fake-News und anderen Lügen, die in der Gesellschaft verbreitet und aufgenommen werden.

So unerwartet und vielfältig wie Hannes‘ Texte sind auch seine Interessen: Regelmäßig spielt der 17-Jährige im Impro-Theater „Carambolage“. Zudem ist er nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch aktiv. Mit seiner erst kürzlich gegründeten Band „Heating Cellar“ ist er auf den Bühnen Südtirols unterwegs. Zusammen mit seinen Band-Mitgliedern Alexander von Walther, Jakob Gebert und Isidor Gasser spielt er selbstkomponierte Songs in einem von ihnen neu geschaffenen Stil, den die Band „Alternative Indie Trashpunkgrungerock“ nennt. „Die Musik ist meine größte Leidenschaft“, sagt Hannes, der Schlagzeug, Klavier und Gitarre beherrscht. Und auch singen kann er: Schon lange vor dem Slammen schrieb er eigene Songtexte. Vom Songtext zum Slam-Text war es dann kein weiter Weg mehr.

Hannes und seine Band „Heating Cellar”

Bild: Andreas Heiler

Durch Musik, Theater und Slam hat das Multitalent bereits reichlich Bühnenerfahrung. Angst vor der Bühne hat Hannes deshalb keine – und beschränkt auch die Vorbereitung auf ein Minimum. „Wenn ich einen Text schreibe, wiederhole ich schon immer wieder einige Zeilen. Vor einem Auftritt übe ich den Text aber nicht gezielt ein, das funktioniert bei mir nicht“, erklärt er schmunzelnd.

Diese Gelassenheit und sein Schreibtalent führten ihn bis zur österreichischen U-20 Slam-Meisterschaft. Für Südtirol gingen Hannes und der Slammer Felix Maier an den Start. Beide meisterten die Vorausscheidung mit Bravour und lösten damit das Ticket für das Finale in Wien. „Felix hat dann gewonnen, und ich war super zufrieden!“, sagt Hannes. Und fügt hinzu: „Die Szene in Österreich ist auf einem sehr hohen Niveau, aber gleichzeitig auch wie eine große Familie, in der sich jeder kennt. Ich habe viele tolle Slammer kennengelernt und einige wertvolle Tipps bekommen.“ Die konnte er auch gleich bei der Südtiroler Poetry Slam-Landesmeisterschaft 2019 umsetzen. Zwar schaffte es Hannes dort nicht ins Finale, nächstes Jahr will das Slam-Talent aber erneut mitmischen.

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Poetry Slammer Felix Maier

Je provokanter, desto besser

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