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Auf a Glas'l mit den jungen Extrembergsteigern

Im Bergfieber

Titus Prinoth und Janluca Kostner haben schon den Mont Blanc und die Eiger Nordwand bestiegen. Dabei sind die beiden Grödner erst 18 Jahre jung.

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Titus, Janluca und die Eiger Nordwand.

Bild: Titus Prinoth

Klettern und Bergsteigen im Sommer, Winterbegehungen und Skitouren in der kalten Jahreszeit: Titus Prinoth und Janluca Kostner aus St. Ulrich kriegen vom Bergsport nicht genug. Erst im April machten die beiden Grödner Schlagzeilen, als sie die Eiger Nordwand bestiegen – und das mit gerade einmal 18 Jahren.

Irgendwann wollen sich die beiden Grödner zum Bergführer ausbilden lassen. Zurzeit sind sie im Ausschuss der Alpinen Gruppe GAG (Grupa alpinisc Gherdeina). Sie besteht aus jungen Alpinisten zwischen 18 und 23 Jahren, die sich zum Klettern treffen. Vor allem bringt die Gruppe aber junge Leute zusammen, die zur Bergrettung gehen wollen. Auch Titus und Janluca absolvieren neben der Schule die nötigen Kurse und Prüfungen. In den Ferien aber wartet der Sommerjob – denn ohne selbst Geld zu verdienen, wäre ihr Hobby nicht möglich. „Man würde nicht denken, dass der Sport so viel kostet. Aber man braucht eben mehr als nur Kletterschuhe“, wissen die Beiden.

Wie seid ihr zum Klettern gekommen?
Titus: Ich habe schon mit vier Jahren damit angefangen. Damals hat mich mein Vater auf der kleinen Fermeda zum Alpinklettern mitgenommen. Später habe ich im Grödner Kletterteam trainiert und bin bei ersten Wettkämpfen geklettert. Dann bin ich mehr und mehr zum Alpinklettern gekommen.
Janluca: Zum Klettern bin ich durch Titus gekommen. Er hat mich mit zehn Jahren in die Kletterhalle mitgenommen. Mir hat es gleich gut gefallen – das war besser als Fußball, was ich früher gespielt habe (lacht). Ich habe dann auch bald begonnen, Wettkämpfe zu klettern.

Der Aufstieg der Eiger Nordwand zieht sich über 18 Stunden.

Bild: Titus Prinoth

Was fasziniert euch so an diesem Sport?
Janluca: Klettern ist harte Arbeit. Auf dem Weg nach oben fragt man sich oft, warum man sich das antut. Wenn man dann auf dem Gipfel angekommen ist, war es die ganze Mühe wert. Es ist immer ein cooles Erlebnis und ein befriedigendes Gefühl.
Titus: Klettern ist immer unterschiedlich. Keine Route gleicht der anderen. Das ist es, was mir so gefällt.
Janluca: Genau. Man kann im Sommer und im Winter klettern und es gibt auf der ganzen Welt Plätze zum Klettern.

Am 13. April 2017 brachen Titus und Janluca zu einer ihrer größten Herausforderungen auf. Gemeinsam fuhren sie nach Interlaken im Schweizer Kanton Bern, wo südwestlich von Grindelwald die Eiger Nordwand in den Himmel ragt – ein Massiv von 1.800 Metern. Vor allem im oberen Drittel ist die Nordwand sehr steil. Hier wartet die sogenannte Weiße Spinne, eine steile Eisrinne. Im Sommer wie im Winter ist die Gefahr von Steinschlägen, Staublawinen und Wasserkaskaden groß. Das macht die Wand so herausfordernd für Alpinisten. In den 1930er-Jahren wurde sie als menschenfressende „Mordwand“ bezeichnet. Acht Männer waren zu diesem Zeitpunkt bereits tödlich verunglückt. Für die vier Kilometer lange Route brauchten die beiden jungen Grödner 21 Stunden: 18 für den Aufstieg und drei für den Abstieg.

Was haben eure Eltern gesagt, als ihr euch für diese Expedition entschieden habt?
Titus: Die Eiger-Nordwand ist einfach ein Must-do für Alpinisten. Wir wussten, irgendwann wollen wir da hinauf. Mein Vater war begeistert, weil er selbst klettert. Aber er hat sich auch Sorgen gemacht.
Janluca: (lacht) Begeistert war dein Vater nicht. Aber unsere Eltern wissen auch, dass sie uns das nicht ausreden können. Besorgt sind sie immer, das ist aber normal. Die Eiger Nordwand ist einfach ein Klassiker. Jede Passage hat ihren eigenen Namen. Wir haben die klassische Heckmair-Route gewählt. Es ist cool, wenn man hochgeht und über jede Stelle schon was gelesen hat.

2016 habt ihr zusammen eine Erstbegehung gemacht, die Route „L Patat“ an der kleinen Fermeda. Janluca, für dich war es die erste Erstbegehung. Was war das für ein Gefühl?
Es war ein Berg, den ich immer im Visier hatte – ob beim Klettern oder Skifahren. Es ist ein tolles Gefühl, sich gewissermaßen auf dem Berg zu verewigen. Um mich an jede Begehung zu erinnern, führe ich ein Routenbuch, in dem ich jede Strecke mit Datum vermerke – eine Art Klettertagebuch.

Bild: Titus Prinoth

Titus, deine erste Erstbegehung war auf der Free Alpin. Wie war das für dich?
Damals war ich 15 oder 16 Jahre alt. Ich war mit zwei Kollegen dort und wir sind eine kleine Route geklettert. Am besten gefällt mir, dass man beim Alpinklettern seine ganze Kreativität einbringen kann. Es ist einfach schön, wenn man dort klettert, wo noch niemand zuvor jemals war. Man kann sich selbst die Linie aussuchen, schlägt Haken in den Felsen und klettert hoch.

Titus und Janluca nehmen die Vorbereitungen für ihre Erstbegehungen sehr ernst. Zuerst schießen sie Fotos der Wand, sehen sich an, wo die Routen verlaufen und suchen eine mögliche freie Route. Dann achten sie auf die Beschaffenheit der Wand. Ist sie überhängend oder einfach? Wie ist der Fels? Das ist wichtig, um das richtige Material zu wählen. Ist die Route einfach, klettern sie wenn möglich nur mit Klemmkeilen und Klemmgeräten. Damit hinterlassen sie keine bleibenden Spuren im Fels.

Welcher Gipfel ist euch am meisten in Erinnerung geblieben?
Titus: Für mich sind die Erstbegehungen am schönsten. Ich war etwa auf der „Civetta“ und auf der „Cima della Busazza” und habe mehrere kürzere Erstbegehungen auf der „Vilnösser Rotwand” gemacht.
Janluca: Ein schönes Erlebnis war sicher die „Esposito“ auf der Eiger Nordwand. Das war die Route mit den meisten Höhenmetern. Auch die Winterbegehungen sind schön, wie die „Salami“. Die habe ich vor zwei Jahren gemacht, die war sehr abenteuerlich.
Titus: Winterbegehungen sind echt ein Erlebnis. Sie sind anstrengend, deswegen macht man nicht so viele.

Hattet ihr schon brenzlige Situationen am Berg?
Janluca: Einmal waren wir Eisklettern. Es war ziemlich warm und ein Eisbrocken hatte sich gelöst, der direkt auf uns zugedonnert ist. Meine Kletterpartner und ich sind gerade noch rechtzeitig weggesprungen. Zum Glück ist nichts passiert.

„Es gibt die natürliche Angst, die man nicht unterdrücken kann. Aber die ist auch gut, weil sie einem vor Unfällen bewahren kann.”

Man ist als Bergsteiger ja immer auch mit dem Tod konfrontiert. Denkt ihr oft darüber nach?
Janluca: Es trifft einen, wenn jemand abstürzt, den man kannte. In diesem Moment denkt man schon darüber nach.
Titus: Man schaut immer, das Risiko so gering wie möglich zu halten, aber man weiß, dass ein Restrisiko bestehen bleibt.

Geht ihr nach einem tragischen Kletterunfall anders an den Berg ran?
Titus: Eigentlich nicht. Man ist immer vorsichtig, hat aber vielleicht mehr Angst. Ein bisschen Angst ist gut. Hat man aber zu viel Angst, ist man verkrampft und es kann gefährlich werden.
Janluca: Es gibt die natürliche Angst, die man nicht unterdrücken kann. Aber die ist auch gut, weil sie einem vor Unfällen bewahren kann.

Was steht bei euch in nächster Zeit an? Ist schon wieder ein Gipfel geplant?
Titus: Ich habe schon einige Erstbegehungen im Kopf, die ich aber noch nicht verraten will. Ich muss erst schauen, ob sie möglich sind.
Janluca: Anfang Juni fahre ich vielleicht zum Klettern nach Frankreich. Außerdem haben wir mit dem GAG am 12. August eine große Veranstaltung hier in St. Ulrich geplant. Es wird ein Wettkampf mit einer Kletterwand über dem Schwimmbad, dazu spielen Bands und DJs. Wir hoffen, dass alles klappt und freuen uns schon darauf.

Bild: Titus Prinoth

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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