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Zu Besuch auf dem Kastnerhof

Honig im Kopf

Hannes Plattner schwört auf die Wirkung seiner Bienen-Produkte. Der Hobby-Imker verkauft Bienenluft und versetzt seinen Honig mit gefriergetrocknetem Obst.

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Bild: Lisa Maria Kager

Verrückte Ideen hatte Hannes Plattner schon immer. In der Mittelschule wollte der junge Möltner noch Strauße züchten. Heute ist er Herr über drei Millionen Bienen und tüftelt neben seinem Job als Zimmermann an der Gefriertrocknung von Gemüse und Obst. Freizeit muss er sich hart erarbeiten. „Aber sonst wäre es ja langweilig“, grinst er.

Auf seinem Kastnerhof in Schlaneid trifft man den 30-Jährigen mit Schaufel und Pickel an. Es ist heiß an diesem Frühsommertag und Schweiß perlt von seiner Stirn. Im Stall neben dem Wohnhaus muhen die Kühe. Gefüttert werden sie von einem Roboter. Weil Hannes Vollzeit bei seinem Onkel in der Zimmerei arbeitet, ist er im Stall nicht mehr so oft anzutreffen.

Das Bienenhaus, in dem die fleißigen Mitarbeiterinnen des jungen Imkers wohnen, liegt einige Meter unter dem Garten der Familie. Von Hannes selbst aus Holz und Glas gebaut, verschwindet es mit seinem begrünten Dach fast völlig im Hang. Durch die gesamte vordere Holzfront zieht sich ein schmaler Schlitz, den Hunderte von Bienen als Eingang zu ihren Stöcken nutzen. Diese befinden sich direkt dahinter, im Inneren des Bienenhauses. Als Hannes die Tür öffnet, strömt uns der Duft von Bienenwachs und Honig entgegen und in der Luft liegt das Summen der Bienen.

Der Bienenzugang

Bild: Lisa Maria Kager

Obwohl Hannes 60 Bienenvölker besitzt, betreibt er die Imkerei nur als Hobby. Sein Interesse daran wuchs erst allmählich, nachdem er das erste Bienenvolk geschenkt bekommen hatte. „Ich habe am Anfang nicht oft hingeschaut und vieles ist einfach schiefgelaufen“, sagt der 30-Jährige, „dann macht es natürlich auch keinen Spaß.“ Mittlerweile hat der Möltner nicht nur den Bienen-Grundkurs in Südtirol, sondern auch einen Bienen-Meister in Graz absolviert. Und seine Leidenschaft für die fleißigen Tierchen brennt weiter. Enthusiastisch erzählt er von der Materie, seine Wangen glühen dabei hellrot. Auf jede Frage hat der junge Imker die passende Antwort. „Und doch weiß man nie alles über diese kleinen Lebewesen“, meint er, „vor allem die Königin ist großteils unerforscht.“

Hannes in seinem Element 

Bild: Lisa Maria Kager

Die Imkersaison beginnt im Februar. Dann bringt Hannes seine Bienenvölker von 1.200 Metern Meereshöhe hinunter ins Tal nach Terlan. Weil es dort sieben bis acht Grad wärmer ist, fliegen die Bienen bald aus. „Hier oben brauchen sie im Winter hingegen relativ wenig Energie, weil es kühl ist und sie nicht oft ausfliegen“, erklärt der Jungimker. In Terlan bleiben sie bis Mitte April, dann bringt Hannes seine Bienen immer wieder dorthin, wo die meisten Blüten stehen. Zuerst zur Obstblüte nach Marling, dann zurück ins eigene Kirschfeld nach Mölten. Später bringt er die Völker nach Kurtatsch und auf den Möltner Berg zur Akazienblüte und ab Mitte Juni in den Möltner Wald. Zuletzt kommen sie zu den Steinernen Mandlen, um den Alpenrosen-Honig zu sammeln. „Ab Ende Juli werden die Bienenvölker aufgefüttert und mit Oxalsäure gegen die Varroa-Milbe behandelt“, erklärt Hannes.

Mit silbernen Deckeln und schwarzem Etikett versehen stehen die Honigsorten des Kastnerhofes in einer Glasvitrine im Bienenhaus. Die Hälfte des Sortiments hat Hannes mit eigenen Trockenfrüchten ergänzt. So gibt es bei ihm Erdbeer-, Himbeer- oder Apfel-Zimt-Honig. Durch das spezielle Verfahren der Gefriertrocknung bleiben fast alle Inhaltsstoffe in den Früchten erhalten und der ohnehin schon gesunde Honig wird um einige Vitamine reicher. „Die Frucht wird auf -60 Grad Celsius gekühlt. Beim anschließenden langsamen Auftauen wird die Feuchtigkeit durch Vakuum entzogen“, erklärt Hannes den Prozess der Gefriertrocknung.

Die Früchte sind so bis zu drei Jahre haltbar. Zurzeit tüftelt der Möltner zusammen mit seinem Bruder am idealen Endprodukt aus gefriergetrockneten Früchten und Obst. Wegen der vielen Nährstoffe wollen sie es in Zukunft als natürliches Nahrungsergänzungsmittel an Leistungssportler verkaufen. Hannes Bienen-Produkte haben sich in dieser Hinsicht hingegen bereits bewährt. Bei Triathlons und Bergläufen hat er sie selbst getestet und ohne viel Training bemerkenswerte Platzierungen erreicht. „Das liegt bestimmt am Pollen“, meint er und grinst.

Die 55.000 Bienen aus einem Stock befliegen an einem Tag circa vier Millionen Blüten.

Von seinen Bienen erntet er nicht nur die verschiedenen Honigsorten, sondern auch Propolis, Pollen und Bienenluft. Über hundert Leute haben sich im vergangenen Sommer im Bienenhaus am Kastnerhof behandeln lassen. Vor allem für Menschen mit Allergien oder Atemwegsbeschwerden wie Asthma oder Bronchitis sei „Wellness mit Bienenstockluft“ nämlich perfekt. In der Volksheilkunde gilt die Apitherapie als leistungsfähigste und zugleich älteste Naturheilmethode des Menschen. Über 800 Krankheiten sollen mit den Grundprodukten der Bienen geheilt und vorgebeugt werden können.

Bienen bei der Arbeit

Bild: Lisa Maria Kager

In ihren Stöcken halten die Bienen eine Temperatur von 35 Grad Celsius und 60 bis 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. „So gesehen müsste da drinnen eigentlich alles schimmeln“, meint Hannes und öffnet den Querschnitt eines Bienenstocks. Weil der Tüftler diesen verglast hat, lassen sich die Bienen von außen bei ihrem fleißigen Treiben beobachten. Um Schimmel vorzubeugen, desinfizieren sie den Stock mit Propolis. Den Honig trocknen die Bienen durch das Aufwirbeln der Luft auf 16 bis 17 Prozent Luftfeuchtigkeit und machen ihn so haltbar.

Bienenluft atmen

Bild: Kastnerhof Plattner / facebook
Die 55.000 Bienen aus einem Stock befliegen an einem Tag etwa vier Millionen Blüten. „Der ganze Blütenstaub von all den Blüten der Saison befindet sich hier drinnen“, sagt Hannes und zeigt in den Stock, „trotzdem duftet jedes Volk anders und hat andere Inhaltsstoffe.“
 Mit dem Api-Air-Gerät wird die Energiebombe aus Honig, Propolis, Pollen und der hohen Luftfeuchtigkeit aus dem Bienenstock abgesaugt, Patienten inhalieren diese Luft dann durch einen Schlauch und eine Maske. Der Luftwirbel unterstützt den Trockenvorgang des Honigs. „Um die Bienen zu schonen, saugen wir von jedem Stock nur zehn Minuten lang Luft ab“, meint Hannes. Für den besten Erfolg inhalieren seine Kunden eine Woche lang 30 bis 60 Minuten am Tag. Pro Sitzung atmen sie dabei zehn Minuten lang Bienenluft von drei verschiedenen Stöcken ein.

Im Bienenhaus stehen aber nicht nur die grauen Hocker für die Bienenluft-Behandlungen bereit. Versteckt hinter grünen Vorhängen gibt es auch einige Betten. „Die sind nicht etwa für meine Mittagspause gedacht“, scherzt der junge Imker. Weil viele Gäste auf seinem Hof Angst vor den Bienen hatten, hat sich Hannes etwas ausgedacht: In seinem Bienenhaus kann man die Nacht verbringen, mit dem Summen der Bienen einschlafen und am nächsten Morgen Bienenprodukte frühstücken. Während des Frühstücks können Gäste die fleißigen Bienen beobachten, die durch eine durchsichtige Pyramide direkt über den Tisch in den Stock krabbeln.

Bienen zum Frühstück?

Bild: Lisa Maria Kager

„Für einen Kilogramm Honig muss ein Bienenstock sechs Mal um die Welt fliegen“, sagt Hannes, öffnet einen der Holzkästen und beruhigt seine Bienen mit etwas Rauch. Einen Schutzanzug trägt er selten. Dann zieht er eine der Waben heraus und bietet mir etwas frischen Honig an. Meinen Finger muss ich dafür direkt zwischen die Bienen in das süße Gold tauchen. 250 Gramm Honig konsumiert ein Bienenvolk selbst am Tag. „Sollte es zwei Wochen regnen, fressen sie den ganzen Honig auf“, meint Hannes, „da muss man schon aufpassen.“ Obwohl er bestens über seine Millionen Mitarbeiterinnen Bescheid weiß, habe er trotzdem nie ausgelernt. Jedes Bienenjahr sei ein neues Lehrjahr. 

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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