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Harte Töne

Sie sind ungepflegt, unhöflich und machen nicht Musik, sondern Lärm – nur einige Vorurteile gegenüber Metalern. Graveworm beweist das Gegenteil.

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Gitarrist Eric Righi, Schlagzeuger Martin "Maschtl" Innerbichler, Bassist Florian Reiner, Sänger Stefano Fiori und Gitarrist Steve Unterpertinger

Bild: Graveworm

„Wir sind schon alte Knacker“, sagt Gitarrist Eric Righi gleich zu Beginn. Er ist sympathisch, hat ziemlich lange Haare und ist keineswegs so, wie es manche Vorurteile gegenüber Metalfreunden sagen. Er gehört zu einer der bekanntesten Metalbands Südtirol – den Graveworm. Die insgesamt fünf Männer machen harten, aber dennoch melodischen Sound. Die perfekte Vorlage für jeden Metal-Liebhaber zum ungehemmten Headbangen. Righi bezeichnet den Stil als melodischen Death- oder Blackmetal. „Es ist schwierig die eigene Musik zu beschreiben. Für jemanden, der Metal nicht kennt würde ich sagen Casino“, sagt der 39-Jährige. Heute blickt er auf 15 Jahre mit der Metalband zurück und erzählt von unvergesslichen Touren und den Anfängen in der Musik.

Der Erfolg 

„Unser Ziel war immer Spaß zu haben. Wir wollten nie unbedingt berühmt werden“, erzählt Righi und wirkt dabei äußerst bescheiden. Geschafft hat es Graveworm trotzdem. In den vergangenen Jahren tourten sie durch Mexiko, China, Thailand, Südkorea, Russland und Europa und haben insgesamt acht CDs aufgenommen. Mittlerweile ist es etwas ruhiger um die Band. Einige der Mitglieder sind Vater geworden, die Auftritte wurden zurückgeschraubt. „Florian und ich sind aber immer noch lustig und ledig“, fügt Righi lachend hinzu. Den Namen Graveworm, das englische Wort für Grabwurm, entdeckten sie übrigens in einem Wörterbuch. Ein perfekter Name für die harte und düstere Musik.

Die Südtiroler Metalband hätte das geschafft, von dem viele Musiker träumen: Sie hätten von der Musik leben können, wenn auch knapp: „Für jede verkaufte CD bekommt man von der Plattenfirma einen kleinen Prozentsatz“, erklärt der Gitarrist. Diese sei aber so klein, dass man ganz viele CDs verkaufen müsste. Durch illegale Downloads, CD-Brennen und MP3 wäre das sehr schwierig geworden. „Und wir brauchen eine gewisse Sicherheit“, sagt Righi. Deshalb sind Sänger Stefano Fiori, Bassist Florian Reiner, Gitarrist Righi, Schlagzeuger Martin „Maschtl“ Innerbichler und der zweite Gitarrist Steve Unterpertinger keine Berufsmusiker, sondern arbeiten nebenbei weiter. Für die Planung der Auftritte ist das nicht immer ganz einfach, eine Tour im Jahr und „einen Haufen“ Festivals im Sommer schaffen sie aber trotzdem. 

Die Männer von Graveworm sind zufrieden mit dem, was sie erreicht haben. Unzählige Fans können es kaum erwarten das neue Album zu hören, Anfang November wird es soweit sein. „Es wird ein geiles Fest, weil wir nicht oft in Südtirol spielen“, sagt Righi. Wenn die harten Kerle eine neue CD herausbringen, planen sie ihren ersten Auftritt immer zu Hause in Südtirol. Zurzeit arbeiten sie noch an ihrem neuen und somit neunten Album. Die meisten Lieder schreibt Righi, einige Unterpertinger, Bassist Florian Reiner komponiert.

Vorbilder gibt es bei Graveworm mehrere, denn jeder in der Band habe seinen eigenen Musikstil, sagt Righi. „Das kann sein von Hardcore beim Schlagzeuger bis zu Post-Rock bei mir. Steve ist ein alter Metallaro." So kann jeder die verschiedenen Elemente einbringen und es klingt trotz der vielen Einflüsse noch nach Graveworm.

Der große Durchbruch

Und wie ist Graveworm entstanden? „Jeder will doch als Jugendlicher eine Band haben“, sagt Righi. 1992 beschlossen deshalb einige junge Metalfans eine solche zu gründen. Die Besetzung hat sich seitdem immer wieder geändert. Fix dabei sind von den Gründungsmitgliedern noch Fiori und Innerbichler. Im Jahr 1996 hatte Graveworm einen Auftritt auf einem Festival in Bruneck. Wie der Zufall es wollte, standen auch die Musiker einer Plattenfirma aus Deutschland auf der Bühne. Die Musikproduzenten haben Graveworm gesehen und sie sofort unter Vertrag genommen. „Wir hatten noch nicht mal ein Demo“, sagt Righi. Es folgte die erste Platte und von da an waren sie bei den großen Festivals wie Wacken und Summerbreeze mit dabei. Die Welle der Bekanntheit rauschte immer weiter.

Den großen Durchbruch landeten sie vor zehn Jahren mit der großen Plattenfirma „Nuclear Blast“ aus Deutschland. Seit zwei Jahren haben sie außerdem eine eigene Bookingfirma, die Aufrtitte und Touren für Graveworm organisiert. Die Plattenfirma haben sie nach Ablauf des Vertrags gewechselt. Jetzt stehen sie bei „AFM Records“ unter Vertrag, neben anderen Bands wie Fear Factory und Korn. Gibt es nach all den Erfolgen noch Wünsche? Noch viele Gigs an vielen Orten zu spielen sei ein Traum, sagt der leidenschaftliche Metalhead. „Toll wären Neuseeland, Argentinien oder Brasilien."

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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Zitat: "Er ist sympathisch, hat ziemlich lange Haare und ist keineswegs so, wie es manche Vorurteile gegenüber Metalfreunden sagen." -- Was sagen denn die Vorurteile? In meinen Augen sind Metalheads im Allgemeinen die friedlichsten und gemütlichsten Zeitgenossen...

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