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Südtirols erster Podcast

Hört, hört!

In den vergangenen zehn Jahren hat der Podcast den Medienmarkt erobert. Mit „Isch gleich“ hat jetzt auch Südtirol seinen ersten eigenen.

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David (rechts) und Marc bei der Aufnahme
Bild: Isch gleich in Aktion, Marc Röggla & David Gruber

Als Tristan Louis im Jahr 2000 den Podcast erfand, wusste er weder, dass seine Erfindung einmal so heißen, noch, dass sie einen solchen Siegeszug feiern würde. Der heutige Name für das neue Format kam erst vier Jahre später auf und setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für Rundfunk, „Broadcast“, und dem damals noch allgegenwärtigen Musik-Player iPod. Gemeint sind damit Sendungen in Audio- oder Videoformat, die online zur Verfügung gestellt und die, im Unterschied zu Live-Sendungen, jederzeit abgespielt werden können. 2016 konsumierten allein in Deutschland 7,5 Millionen Menschen regelmäßig Podcasts, mittlerweile gibt es weltweit tausende davon zu verschiedenen Themen und Themengebieten. David Gruber, Astrophysiker am Südtiroler Planetarium und der Eurac-Forscher für Minderheitenrecht Marc Röggla haben nun den ersten Südtiroler Podcast ins Netz gestellt.

Ihr habt euren Podcast „Isch gleich“ genannt. Das wirkt im ersten Moment vielleicht gleichgültig. Was hat es mit diesem Namen auf sich?
Marc: Wir haben lange über die Namensgebung nachgedacht. Schlussendlich haben wir uns gefragt, welche Ziele wir mit dem Podcast verfolgen wollen. Wir wollen den Leuten wissenschaftliche Themen näherbringen und das auf eine lockere Art. Uns war es auch erstmal egal bzw. gleich, wie viele Leute uns zuhören und ob wir Erfolg haben werden. Deshalb habe ich irgendwann gesagt: Dann nennen wir den Podcast doch „Isch gleich“. Das betont zum einen den ungezwungenen Zugang und andererseits spielt es auf das mathematische Gleichheitszeichen an, was wiederum eine Verbindung zur Wissenschaft herstellt. Es ist auch eine gewisse Selbstironie dabei – wir nehmen uns selbst nicht so wichtig und haben nicht den Anspruch der Weisheit letzten Schluss zu verkünden (lacht).

 Ich glaube, dass in Südtirol oft noch das Bewusstsein für die Relevanz wissenschaftlicher Themen und vor allem Forschung fehlt.

Und wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Wissenschafts-Podcast aufzunehmen?
Marc: Die Idee für einen Südtiroler Wissenschafts-Podcast ist von David ausgegangen. Wir haben auch früher schon oft darüber diskutiert, dass in Südtirol, was Wissenschaftskommunikation angeht, noch sehr viel Potential da ist und dass es uns eben auch wichtig wäre, dass die Wissenschaft nicht in einem Elfenbeinturm stattfindet, sondern „on the ground“, für die Menschen verständlich und lohnend ist.
David: Uns geht es auch darum, gerade jungen Südtirolern wissenschaftliche Themen näherzubringen und sie für Wissenschaft zu interessieren. Wir wollen das Interesse der Südtiroler für wissenschaftliche Themen wecken und ein neues wissenschaftliches Bewusstsein schaffen, das in Südtirol noch keine so lange Tradition hat wie anderswo: Die Eurac und die Uni sind noch recht junge Einrichtungen im Vergleich zum Beispiel zur Universität in Trient. Ich glaube, dass in Südtirol oft noch das Bewusstsein für die Relevanz wissenschaftlicher Themen und vor allem Forschung fehlt.

Werdet ihr von Uni, Eurac oder dem Planetarium dann dabei unterstützt oder seid ihr völlig unabhängig?
Marc: Der Podcast ist tatsächlich völlig unabhängig. Wir produzieren als Privatpersonen. Das Planetarium Südtirol ist ebenso wenig involviert wie die Eurac. Wir machen das in unserer Freizeit, unentgeltlich. Die erste Folge haben wir deshalb auch effektiv mit einfachsten technischen Mitteln, mit Kopfhörern am Computer aufgenommen. Die Qualität war natürlich dementsprechend. Wir hatten das große Glück dann Unterstützung zu finden.
David: Simon Gamper, ein entfernter Verwandter von mir, der selbst Komponist und Musiker ist, hat uns mit dem Tontechniker Martin Niedermair von der „Tonstube Ritten“ bekannt gemacht, und der hat uns angeboten, dass er den Podcast für uns kostenlos aufnehmen würde. Am gesamten Projekt sind jetzt also vier Leute beteiligt: Wir zwei als Moderatoren, Simon als Produzent und Martin als Tontechniker.

Bild: Logo, Marc Röggla & David Gruber

Ihr verkostet während des Gesprächs immer eine Biersorte. Ist das als Werbeplattform gedacht?
David: Natürlich wäre Produktplatzierung eine Möglichkeit, das könnte sicherlich für Unternehmen ganz interessant sein. Ich bin da aber immer etwas vorsichtig, denn durch Werbung verliert man immer einen Teil seiner Unabhängigkeit. Der eigentliche Hintergedanke der Bierverkostung ist ein völlig anderer. Die Atmosphäre soll, wie gesagt, locker sein und das widerspiegeln, was wir in der Vergangenheit auch ohne Mikrofon gemacht haben: diskutieren bei einem guten Bier. Und um diese Atmosphäre zu vermitteln, kam eben die Idee mit dem Bier auf. Mit unseren Gästen führen wir dementsprechend auch kein klassisches Interview, sondern wir unterhalten uns einfach mit ihnen.
Marc: In diesem Sinne haben wir auch überlegt, ob wir bei der Aufnahme Dialekt sprechen oder eben Hochdeutsch. Diese Entscheidung war dann aber relativ schnell getroffen, denn wenn wir Hochdeutsch miteinander reden würden, dann würde das die Situation ja völlig verfälschen. Das Format ist sprachlich deshalb natürlich gewöhnungsbedürftig, besonders für Leute, die nur klassische Radio-Sendungen kennen.

In der Beschreibung eures Podcasts heißt es, ihr sprecht über „Forschung, Politik und alles, was Südtirol bewegt“. Seht ihr euch also auch als politischen Podcast? In der letzten Folge hat David zum Beispiel gesagt, dass man seiner Meinung nach den Religionsunterricht abschaffen sollte. Gab es darauf schon Reaktionen?
David: Ich habe das damals bewusst provozierend formuliert, ich wollte an dieser Stelle auch ein wenig polemisieren. Interessanterweise hat sich daran aber niemand gestört. Ich denke, das hängt auch damit zusammen, dass unsere Hörer vor allem Jugendliche bzw. junge Erwachsene sind, die mittlerweile doch sehr säkular geprägt sind, wodurch diese Aussage vielleicht auch gar nicht mehr als so polemisch wahrgenommen wird, wie man bei der Betrachtung unserer großen Medien vielleicht den Eindruck gewinnen könnte. 
Marc: Generell versuchen wir aber politische Statements so weit wie möglich zu vermeiden. In der letzten Folge haben wir zum Beispiel über das Kopftuchverbot in Österreich gesprochen, und da taucht man natürlich sofort in eine hochpolitische Debatte ein. Aber auch dabei wollten wir die wissenschaftliche Perspektive aufzeigen. Wir wollen dafür sensibilisieren, dass bestimmte Themen einfach politisch missbraucht werden und es oft wichtig ist, eine wissenschaftlichere Perspektive in die Debatte einzubringen.

Wir sind effektiv mit der Devise gestartet: „Wenn es nur eine Folge wird, dann isch es auch gleich“.

Wie wurde „Isch gleich“ bisher von den Zuhörern aufgenommen?
Marc: Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Ich habe zu David damals gesagt: „Wenn uns mehr als 20 Leute in jeder Folge zuhören, dann bin ich mehr als begeistert.“
David: Und ausgehend von den Downloadzahlen haben wir schon jetzt im Durchschnitt etwa 200 Hörer pro Folge. Außerdem haben wir fast nur positive Rückmeldungen erhalten, was uns auch sehr darin bestärkt, weiterzumachen.

Bisher habt ihr bereits fünf Folgen von „Isch gleich“ aufgenommen. Wie viele Folgen sind noch geplant?
Marc: Wir sind effektiv mit der Devise gestartet: „Wenn es nur eine Folge wird, dann isch es auch gleich “. Wir wollten es einfach mal ausprobieren und schauen, wie unser Podcast ankommt. Hier in Südtirol muss man sagen, ist das Format ja noch relativ unbekannt. Es gibt unseres Wissens auch nicht wirklich einen anderen Südtiroler Podcast.  Wir haben dann eigentlich sofort sehr gutes Feedback bekommen, und das hat uns natürlich ermutigt, noch weitere Folgen aufzunehmen. Wir haben jetzt beschlossen, dass wir erst einmal zehn Folgen produzieren, und dann muss man schauen, wie es weitergeht. Wir machen das ja alle ehrenamtlich und Produktionskosten fallen nichtsdestotrotz an. Wenn das Format Zukunft haben soll, müssen wir also schauen, wenigstens diese decken zu können. 
 

Die nächste Folge von „Isch gleich” erscheint am Mittwoch, den 2. Mai 2018. Wer sich die bisherigen Folgen anhören möchte, kann hier reinhören.

Wolfgang Tessadri

erforscht in der Ferne den Dialekt seiner Heimat. Mag Wortspielereien in Laut und leise und am liebsten schriftlich. Schreibt selbst gerne, schaut aber meist eher anderen beim Schreiben auf die Feder.
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