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Schauspieler und Filmemacher Tobias Gruber

Große Träume

Mit seinen 17 Jahren weiß Tobias Gruber ganz genau, was er im Leben möchte: Mit Filmemachen sein Geld verdienen. Und für seinen Traum von Hollywood arbeitet er hart.

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Bild: Maximilian Malfertheiner

In Hollywood durchstarten. Als Schauspieler oder Filmproduzent bei großen Kinoproduktionen mitwirken und in einer Villa in Beverly Hills wohnen. So malt sich ein 17-Jähriger aus Auer seine Zukunft aus. Tobias Gruber lacht, wenn er davon erzählt: „Man muss seine Träume eben hoch stecken, damit man zu etwas kommt.“ Aber erst einmal will er klein anfangen: Drehbücher schreiben, eigene Filme produzieren und versuchen, große Rollen zu ergattern. Daran arbeitet er momentan, um irgendwann vielleicht von der Schauspielerei leben zu können.

Vor zwei Jahren gründete Tobias „Topfilm Entertainment“ – ein Zusammenschluss von Schülern, die sich für die Filmbranche interessieren und Eigenproduktionen realisieren. Topfilm Entertainment wird zum Übernamen für eine Reihe von gemeinsamen Projekten: Musikvideos, Kurzfilme und Spielfilme. Zu ihnen gehörte vergangenes Jahr auch der Spielfilm „Eremos“.

Die Liebe zum Film

Ein Mitschüler von Tobias, Jannis Kager Kofler, schreibt den Drehbuchentwurf für das 50-minütige Teenager-Drama. Seine Motivation: Er will seinen Lehrern und allen anderen zeigen, was er kann und dass er nicht nur „Blödsinn“ im Kopf hat. Auch das ist eine der Ideen hinter Topfilm Entertainment: Der Welt zu zeigen, was die „Jugend von heute“ drauf hat. Gut sieben Monate arbeiten die Freunde am Film. Jede Szene soll sitzen. Geld verdienen sie keines dabei, das Filmemachen nehmen sie trotzdem ernst. „Wir machen das aus Liebe zum Film. Unsere Produktionen sind mit Herzblut gemacht“, sagt Tobias. Ihr Grundsatz: Lieber keinen Film machen, als einen schlechten.

Besonders stolz sind Tobias und seine Freunde auf die letzte Produktion „Eremos“. Anfangs gestaltete es sich schwierig, die nötigen Leute für den Dreh aufzutreiben. „Wir haben den gesamten Film neben der Schule gemacht. Nicht alle hatten Lust, in den Ferien auch noch zu arbeiten“, erklärt Tobias. Im Film spielt er eine der Hauptrollen. In den Allerheiligenferien 2016 gelang es dem Filmteam schließlich doch noch, bis zu dreißig Bekannte und Freunde zu mobilisieren. Damit konnte der Dreh beginnen.

Die Botschaft von Eremos: Man soll das Leben genießen, denn man weiß nie, was passiert. „Das ist das Problem heutzutage“, sagt Tobias. Man lebe zu sehr in der Zukunft. „Man strengt sich in der Schule an, damit man einen Studienplatz bekommt. Man studiert, um irgendwann eine gute Arbeit zu haben. Man will genug Geld verdienen, um in der Pension das Leben genießen zu können. Irgendwann ist man alt, blickt zurück und hat nicht gelebt.“ Eine Meinung, die auch Tobias’ Vater Josef Gruber vertritt. Auch er übernahm eine kleine Rolle in Eremos.

Am Set von Eremos.

Bild: Tobias Gruber

Tobias möchte seine Zeit mit Dingen füllen, die ihm Spaß machen. Zurzeit besucht er das Franziskanergymnasium in Bozen. Der selbstbewusste Schüler weiß ganz genau, was er später machen will. „Die Schule ist da eher ein Hindernis“, sagt er. Aber er weiß auch: „Eine gute Allgemeinbildung ist nicht schlecht, wenn ich später in die Filmbranche will.“

In seiner Freizeit arbeitet Tobias an neuen Filmprojekten. Mal schreibt er das Drehbuch, mal führt er Regie oder kümmert sich um den Schnitt und spielt nebenher auch noch selbst mit. In Eremos spielt er die Rolle des Luce, des leukämiekranken Jugendlichen. Sieben Tage Dreh waren anfangs geplant, am Ende wurden es zehn. Fünf Minuten Filmresultat drehten die Jugendlichen pro Tag. Immer wieder wiederholten sie einzelne Szenen. Am Ende sollte alles passen, die Premiere auf großer Kinoleinwand ein Erfolg werden.

„Der Film macht nachdenklich, das war unser Ziel. Er soll noch eine Weile in den Köpfen der Leute bleiben“

Am 19. März war es dann soweit. Für die Premiere mieteten die jungen Filmemacher einen Saal im Cineplexx Bozen an. Knapp 200 Leute kamen, um Eremos zu sehen. Beim Verlassen des Saales hatten einige Tränen in den Augen. „Der Film macht nachdenklich, das war unser Ziel. Er soll noch eine Weile in den Köpfen der Leute bleiben“, sagt Tobias.

Seine Leidenschaft fürs Schauspiel entdeckte er schon als Kind. Sein erster Auftritt war der als böser Schneemann im Kindertheaterprojekt „Tabaluga“ in Auer. „Es hat mir schon damals gefallen, vor Menschen aufzutreten und in eine Rolle zu schlüpfen.“ Mit 12 Jahren bekommt er eine kleine Rolle in „Die schwarzen Brüder“. Das Filmset begeistert ihn. Von da an weiß er: „Ich will Schauspieler werden.“ Da es nicht so leicht ist, Rollen zu bekommen, fängt er an, selbst Filme zu drehen. Er schaut sich stundenlang Youtube-Tutorials an, bringt sich Filmführung und Schnitt bei. Die Idee für den ersten großen Film „Einmal Freiheit bitte“ kam 2014. Der 75-minütige Film entstand in dreißig Drehtagen.

Auf der Bühne und vor der Kamera fühlt sich der 17-Jährige wohl.

Bild: Vereinigte Bühnen Bozen

Heute steht Tobias ab und zu auf der Bühne der Vereinigten Bühnen Bozen (VBB). Er geht zu Castings, besucht einen Filmkurs und nimmt an Sprachworkshops teil, um die Standardsprache richtig zu betonen. Das meiste aber ist „learning by doing“. Das ist für ihn die beste Möglichkeit, sich fortzubilden. „Andere spielen Playstation, ich arbeite lieber an einem neuen Film“, grinst Tobias. Jetzt arbeitet er daran, Rollen für größere Filme zu ergattern. Seine Vorbilder: Schauspieler Leonardo DiCaprio und Regisseur Christopher Nolan.

Nächstes Jahr möchte Tobias Topfilm Entertainment als Firma eintragen lassen. Dann ist er volljährig und könnte erste Einnahmen erzielen. Danach will er studieren. In Amerika – oder in München. Auch die Idee für den nächsten Film steht bereits. Er soll ihn seinem Traum von der Karriere in Hollywood ein Stück näher bringen. Aber alles der Reihe nach.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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