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Fotokünstler im Porträt

Faszination Mythos

Helden, Götter und Titanen: David Klotz ist fasziniert vom Alten Griechenland. Der Fotokünstler überträgt die griechischen Mythen auf die Gegenwart.

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Bild: David Klotz

„Ich habe einen sehr düsteren Blick auf die Gesellschaft“, sagt David Klotz und zieht entschuldigend Augenbrauen, Stirn und Mundwinkel gleichzeitig hoch. Terrorismus, Digitalisierung, scheiternde Politik und die Probleme der Ypsiloner sind nur einige der Missstände, die den jungen Eppaner beschäftigen. „Auch wenn ich selbst mittendrin stecke in diesem Dilemma“, meint er. Dann erzählt er von den griechischen Mythen – seiner ganz eigenen Art der Gesellschaftskritik.

„Alles, worüber wir uns heute aufregen, hat es in irgendeiner Form bereits einmal gegeben.“

Schon im alten Griechenland waren die Mythen das Instrument schlechthin, um gesellschaftspolitische Themen zu verarbeiten und nach Lösungsansätzen zu suchen. David überträgt sie auf die Gegenwart.

Fünf Bücher hat der junge Künstler bereits veröffentlicht. Die Aufmachung bleibt von Anfang an die gleiche: Die Vorderseite zeigt jeweils ein gestelltes Foto, in dem David einen Mythos neu interpretiert. Wendet man die Seite, gelangt man zur Kurzfassung der dahinter stehenden Geschichte und zu einer Pinselzeichnung. Diese stammt von David und bringt in einfachen Acryl-Farben den Kern des Mythos noch einmal auf den Punkt. Außerdem gibt es auf jeder Seite eine grafisch hervorgehobene Aussage, die dem Leser helfen soll, die Geschichte zu interpretieren.

Am Set von Kerberos

Bild: David Klotz

Seine ersten Versuche hat David 2011 in einem Buch gesammelt, das unter dem Titel „Antrophos“ erschienen ist – auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Menschen“. „Alles, worüber wir uns heute aufregen, hat es in irgendeiner Form bereits einmal gegeben“, meint David, „das fasziniert mich einfach.“

Fantasy mochte er schon immer gerne, doch von griechischer Mythologie hatte der 27-Jährige damals kaum Ahnung. Kinofilme wie „Percy Jackson“ oder „Kampf der Titanen“ hätten ihn jedoch so sehr gefesselt, dass er nach Themen aus dem griechischen Mythos recherchierte. Die Interpretationen Michael Köhlmeiers liest er am liebsten. „Ich mag den Witz in seiner neuen Lesart der Mythen“, sagt David und muss beim Gedanken daran grinsen.

David Klotz

Bild: David Klotz

Obwohl er schon als Kind gerne fotografierte, hatte David 2011 auch mit diesem Handwerk nicht viel am Hut. Die Einheit für Fotografie in seinem Studiengang „Digital Film und Animation“ in Wien gefiel ihm aber weit besser als die restlichen Fächer auf seinem Stundenplan. „Ich war im falschen Studiengang, das war damit klar“, erzählt David heute. Er kaufte sich also eine professionelle Kamera, wechselte zum Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft und fing an, Köhlmeiers Geschichten vor die Linse zu bringen.

Im Ein-Jahres-Tempo folgten auf das Debüt-Werk „Antrophos“ schließlich „Megatherium“, „Titanos“ und „Theos“. Menschen, Monster, Titanen und Götter bildeten schließlich den Zyklus „Gnòsi“ und wurden 2015 in einer Ausstellung gezeigt. Von der Idee bis zum Druck liegt dabei stets alles in Davids Händen. Eine Förderung vom Land, die der Hobby-Fotograf für die Realisierung seiner Ausstellung dringend benötigt hätte, wurde ihm verwehrt. Die 2.000 Euro musste er selbst aufbringen.

„Kein künstlerischer Wert erkennbar“, lautete das Urteil der Jury. Ein Satz, der dem jungen Künstler heute noch schwer über die Lippen geht. „Meine Fotos sind Mainstream, ok. Aber ich finde das nicht schlecht“, sagt er. Auch Werbung könne Kunst sein oder eben ganz herkömmliche Fotos wie es seine sind.  David geht es um die Botschaft dahinter und nicht um ausgefallene Darstellungsweisen.

Bild: David Klotz

Seine Magisterarbeit hat David über die RTL-Show „Das Dschungelcamp“ geschrieben und kurz darauf angefangen, in der Marketingabteilung einer großen Firma zu arbeiten. Nebenher realisiert er gerade das zweite Buch seines zweiten Zyklus. Helden, die Odyssee, Jason und Theseus sollen die Bücher dieses Mal füllen. „Das erste Buch des Zyklus ist bereits im Kasten und wird im Februar in Eppan ausgestellt“, sagt er stolz. Beinahe wäre dieser Erfolg wegen einer kaputten Festplatte jedoch ausgeblieben.

„Herakles“ besteht aus zwölf Fotos. Sie stehen jeweils für eine der Aufgaben, die der griechische Halbgott erfüllen sollte, um von Schmerz und Schuld befreit zu werden. Ate, die Göttin der Vergeltung, hatte ihm diese Zustände im Namen Heras auferlegt, weil sie eifersüchtig auf sein Glück war. Auch der moderne Journalismus wird für das Buch über Herakles in die Mängel genommen und schließt den Zyklus als zwölftes Bild. Verglichen hat David ihn mit dem dreiköpfigen Höllenhund Kerberos, der das Tor der Unterwelt bewachte. „Das Volk öffnet sich selbst die Tore“ steht in Petrol-Farbe über der Zeichnung des dreiköpfigen Hundes geschrieben. Petrol ist Davids Lieblingsfarbe.

 „Ich habe jetzt wirklich gelernt, für mich zu fotografieren.“

Am meisten faszinieren den 27-jährigen Künstler traurige Geschichten. Den Halbgott Herakles hingegen mag er nicht so gerne. „Er ist in meinen Augen zu allmächtig, zu toll, zu schlau“, meint David. Viele Geschichten seien dem Heros einfach zugedichtet worden, weil jeder in Griechenland zu dieser Zeit ein Stück Herakles für sich haben wollte.

Griechisch kann David nicht. Es zu lernen, dazu fehlt ihm noch die Muse. Und auch die Fotografie bleibt vorerst nur Hobby. „Wenn man damit Geld  verdienen muss, ist die Fotografie bestimmt nicht mehr so leidenschaftlich, wie sie es jetzt für mich ist“, meint David. Trotzdem will er sich weiterentwickeln, beschäftigt sich in seiner Freizeit immer wieder mit Grafik und findet auch in sich selbst immer mehr den Künstler. Wenn er am Anfang seines Projekts noch wollte, dass jedes der Models ein schönes Foto von sich mit vom Set nehmen konnte, stehe mittlerweile die Kunst im Mittelpunkt: „Ich habe wirklich gelernt, für mich zu fotografieren“, erklärt David.
 

Vernissage
16.02.2018 19 Uhr

Öffnungszeiten
17.02. - 24.02.2018
Mo - Fr 17.30-19.30 Uhr
Sa - So 10.00-12.30 Uhr

Galeria Lanserhaus – 39057 St. Michael Eppan

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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Vielen Dank Frau Kager für dieses zusammengefasste Interview. Es ist erfrischend zu sehen, dass der Antike auch außerhalb ihrer engen Auftrittsfelder an der Schule, der Universität und in den Museen Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ihrem interviewten Fotographen und Ihnen kann nur zugestimmt werden, wenn sie sagen, dass der Antike und insbesondere den antiken Mythen ein zeitloser Geist innewohnt. Das Wissen um die Welt mag zwar komplexer geworden sein, das zwischenmenschliche Beziehungsgeflecht ist jedoch größtenteils immer noch dasselbe geblieben. Darum faszinieren die homerischen Epen, in denen vom Zorn des Achill im Trojanischen Krieg und von der Sehnsucht, der Irrfahrt und der Rache des Odysseus erzählt wird, oder die dramaturgisch aufgeladenen Biographiestücke eines Plutarch, welche Shakespeare Muse standen. Jedoch, und Sie mögen mir die Kritik verzeihen, gibt sich die künstlerische Auseinandersetzung Ihres Fotographen mit den antiken Mythen plattitüdenhaft (beziehe mich ab hier hauptsächlich auf dessen Internetpräsenz unter http://www.klotz-david.com/).

Zunächst scheint die Kombination verschiedener Media und Paratexte gut gewählt: ein Titel mit antikem Inhalt, gefolgt von einem Bild, das ein gesellschaftskritisches Thema einfängt, mit einem dazu passenden Untertitel. Abgerundet wird die Gesamtpräsentation von einem Text, der den Inhalt des antiken Titels erklärt. Was vielversprechend anfängt, scheitert am Anspruch, die Antike in die Moderne zu holen, denn leider wird nur an der Oberfläche beider Zeiten gekratzt. Bestes Beispiel: Herakles und die Unterhaltungssucht. Beides steht amorph zueinander. Nie erfahren wir, wie gerade der Herakles-Mythos dazu beitragen soll, unsere gegenwärtige Unterhaltungssucht besser zu verstehen. Nun könnte man sagen, das sei nicht die Aufgabe der Kunst, sondern es lege an uns, diesen Reflexionsprozess zu starten. Dies mag stimmen, trifft in diesem Fall aber nicht zu. Wie einen Prozess einleiten, wenn die Überschneidungslinien dunkel bleiben. Was hat die Unterhaltungssucht mit den zwölf Erga des Herakles gemein, auf den ersten Blick nichts; selbst auf den zweiten Blick nichts, da im Mythos nichts dergleichen thematisiert wird. Anders verhält es sich, wenn der Blick weg vom Inhalt hin zu den Erschaffern des Mythos geht.

In der antiken Überlieferung gilt gemeinhin der ins siebte Jahrhundert v.Chr. datierte Epiker Peisandros von Kameiros als Begründer der Zwölfzahl der Arbeiten sowie des stereotypen Erscheinungsbildes eines keulenschwingenden mit Löwenfell bekleideten Herakles. Nun erfahren wir, dass dieser Peisandros den Inhalt seines Werkes „Heraclea“ von einem anderen Autor abgekupfert habe, nämlich von Peisinos aus Lindos. Aber auch andere Werke des Peisandros scheinen aus der Feder fremder Autoren zu stammen, wie von Aristeas von Prokonnesos. Schließlich behandelt auch der als Homer bekannte Dichter in seinen Epen Herakles. Nehmen wir alle Autoren zusammen, die ungefähr zur selben Zeit leben, ergibt sich ein zusammenhängendes Bild. Jeder beanspruchte in seinen Werken ein eigenständiges Heraklesbild. Somit gibt es kein einheitliches Heraklesbild, sondern verschiedene Formen einer heroischen Vorstellung der Figur und ihrer Taten. Dies könnte man sich nun derart erklären, dass die Autoren des Herakles-Mythos ihrem Publikum nicht immer die gleiche Geschichte erzählen wollten, sondern ihnen eine Unterhaltung boten, indem sie den Mythos unterschiedlich gestalteten. Wenn man so will, könnte man hier von einer antiken Unterhaltungssucht sprechen, die immer neue Formen des Herakles-Mythos entstehen ließ.

Sie sehen also, die Unterhaltungssucht mit dem Herakles-Mythos zu verbinden, ist möglich, aber nicht auf die Art und Weise wie es Ihr Künstler tut. Vielleicht erklärt sich dadurch auch die Ablehnung der Landesförderung sowie das Urteil der Jury, für die „kein künstlerischer Wert erkennbar“ sei. Es ging wohl weniger um das Fotographieren vermeintlicher Mainstream-Bilder als um die fehlende künstlerische Tiefe; so werden wir durch Text und Bild nicht dazu aufgefordert, unser heutiges Verhalten vor dem Hintergrund des antiken Mythos zu hinterfragen. Es bleibt zu hoffen, dass künftige Projekte tiefer Schürfen, um das Prädikat künstlerisch wertvoll zu verdienen.

Herzlichst,
Ein Ihnen geneigter Leser Ihrer Beiträge

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