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Die Tauschmanagerin

Iris Planinschek will das Leben von Gebrauchsgegenständen verlängern – durch geldfreien Tausch. Dazu gründete sie eine Facebook-Gruppe, die schnell großen Anklang fand.

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Foto: 
Maria Lobis

Sie suchte eine Rodel und hatte ein verwaistes Handy. Sieben Tage später war sie das Telefon los und ihr Sohn ging rodeln. Iris Planinschek gründete am 12. Jänner 2012 eine Facebook-Gruppe und bot zum Tausch an, was sie nicht mehr brauchte: Handy, Schultaschen, Jacken, Filme, Legobausteine – und ungenutzte Hochzeitsgeschenke. Mitte März 2012 hatte ihre frei zugängliche Gruppe 1.000 Mitglieder, zwei Monate später schon 3.000. Der Boom freute die heute 43-Jährige und raubte ihr den nächtlichen Schlaf. Sie funktionierte ihren Keller in der Bozner Reschenstraße zum Lagerraum um. Er wurde zum Umschlagplatz für Tauschwaren aus dem ganzen Land und sie abends zur Tauschmanagerin. Tausende Päckchen mit gebrauchten Spielsachen, Kleidung und Marmeladen, aber auch sperrige Waren wie Kinderbetten, Stehlampen oder Kommoden gingen durch ihre Hände, ihren Keller und in ihren Kofferraum. Keinen Meter fuhr sie fortan ohne vollbepacktes Auto: von Bozen nach Brixen und Bruneck, nach Schlanders oder ins Unterland. In der Facebook-Gruppe fand sie Freiwillige, die zu zuverlässigen Kurieren wurden.

„Mir war und ist es wichtig, das Leben von Gebrauchsgegenständen zu verlängern.“

Iris Planinschek arbeitete als Vollzeit-Buchhalterin und hatte drei Söhne zu versorgen. Ihr Mann programmierte kostenlos eine Webseite. Auf Facebook ließ die Boznerin über alles mit sich reden, nur nicht über Geld: Der Tausch musste geldfrei bleiben. Gerne konnten sich Menschen, die etwas hergaben, von ihren Tauschpartnern etwas wünschen. Dafür gab es online Wunschlisten: Waschpulver stand oft darauf, Kaffee, Honig, Schokolade oder gar nichts. „Mir war und ist es wichtig, das Leben von Gebrauchsgegenständen zu verlängern“, sagt Iris Planinschek. Sie wolle Müll vermeiden und Menschen fördern, die sich nicht alles leisten können. Die engagierte Frau ist mit drei Geschwistern in einer Pflegefamilie am Ritten groß geworden und weiß, was es heißt, wenig zu haben oder aus wenig viel zu machen. „Meine Kindheit hat mich geprägt“, sagt sie, ist froh über ihr sonniges Gemüt und den unzerstörbaren Optimismus.

Doch fünf Jahre und viele Tauscherfahrungen später sagt sie: „Unsere Idee war utopisch.“ Tauschen ist in Italien nicht gesetzlich geregelt. Sie holte sich Wissen aus Deutschland und pochte auf öffentliche Unterstützung: Man verweigerte sie ihr. Als sie auf Facebook laut darüber nachdachte, ein Lokal anzumieten und von den Mitgliedern einen Euro dafür zu verlangen, wurde ihr Gewinnabsicht vorgeworfen. Manche Leute kündigten Tauschware an, gaben sie aber nie ab, andere nutzten die kostenlosen Kurierdienste für eigene Zwecke oder verkauften die getauschte Ware später auf Flohmärkten. Als Verrat empfand sie das und kämpfte drei Jahre lang. Die frei zugängliche Facebook-Gruppe ist inzwischen aufgelöst und durch die geschlossene Gruppe „Let’s change Südtirol – Alto Adige“ ersetzt. 112 Menschen sind eingeschrieben, die engagiertesten Tauscher von früher. „Wir sind gesundgeschrumpft“, sagt Iris Planinschek und träumt weiter: von einsamen älteren Menschen, die sich als Leihoma oder Leihopa zur Verfügung stellen und von Menschen, die ihre Sprache tauschen und dabei mehr bekommen als sie geben. 

von Maria Lobis

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