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Die Profikletterin

Alexandra Ladurner ist Südtirols erfolgreichste Sportkletterin. Ein Porträt über eine junge Frau, die nach oben strebt.
Es sieht spielend einfach aus, wenn Alexandra Ladurner die Felswände emporklettert. Geschmeidig wie eine Wildkatze, gleitet sie scheinbar mühelos nach oben. Nichts wirkt überhastet oder zufällig. Die Bewegungen sind fließend und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit als bräuchte sie kein bisschen Kraft. Was kinderleicht aussieht, ist das Ergebnis jahrelangen Trainings. Alexandra Ladurners Einsatz wurde bereits mehrmals belohnt. Die Liste ihrer Erfolge im Sportklettern liest sich wie eine Bilderbuchkarriere: Landesmeisterin im  Alter von zehn Jahren, Gesamtsiegerin der Südtirolmeisterschaften der Jahre 2003 bis 2007, Junioren-Vize-Weltmeisterin 2007, Dritte bei der Junioren-WM 2008 und Italienmeisterin der Erwachsenen im Bouldern. Ihr bisher größter Triumph war der Gewinn der Juniorenweltmeisterschaft 2010 im Schwierigkeitsklettern in Edinburgh. 
 
Lange Verletzungsphase
 
Doch es gab auch sportliche Rückschläge für die 21-Jährige. In den vergangenen zwei Jahren konnte sie aufgrund von Handgelenkschmerzen fast keine Wettkämpfe mehr klettern. Schuld daran ist die dauernde Belastung der Gelenke. Als Alexandra Ladurner nach langer Verletzungsphase ihren ersten Wettkampf in Mailand absolvierte, lief es nicht wie gewünscht: „Ich war körperlich fit, aber ich habe noch nicht an mich geglaubt“, sagt Ladurner selbstkritisch. Überhaupt sei ein gesundes Selbstbewusstsein beim Klettern sehr wichtig. „40 Prozent macht der Kopf aus, 60 Prozent die körperliche Fitness“, erklärt die Meranerin. „Ich war im Training oft schwächer als meine Konkurrentinnen, konnte mich aber häufig aufgrund meiner mentalen Stärke bei den Wettkämpfen durchsetzen.“
 
Die Studentin der Uni Bozen weiß um die eigenen Stärken und Schwächen. Sie wirkt entschlossen und willensstark, aber nicht zu verbissen. „Ich bin ehrgeizig in allem was ich mache, aber ich klettere in erster Linie weil es mir Spaß macht“, sagt Ladurner. Klettern bedeutet für sie auch, eine entspannte Zeit mit ihren Freunden in der Natur zu verbringen – wie in diesem Video.
 

Dass Alexandra Ladurner überhaupt mit dem Klettern anfing, war reiner Zufall. „Ich wollte mit zehn Jahren eigentlich in den Badmintonkurs. Doch da war kein Platz frei, also hat mich meine Mutter kurzerhand im Kletterkurs eingeschrieben“, erzählt sie. Zu Beginn konzentrierte sie sich auf das Seilklettern, mittlerweile gefällt ihr das Bouldern besser. Als Bouldern bezeichnet man das Klettern ohne Gurt und Seil an Felsblöcken oder Kletterwänden in der Halle. Gefährlich ist diese Trendsportart nicht: Wer aus der geringen Höhe fällt, landet auf einer weichen Matte. Während sich das Seilklettern positiv auf die Ausdauer auswirkt, baut man beim Bouldern vor allem Kraft auf.   
 
Klettern, Klettern, Klettern
 
Egal ob Bouldern oder Seilklettern, wer erfolgreich sein will, muss eine Menge Zeit ins Training stecken. Fünf Mal in der Woche klettert Alexandra Ladurner in der Halle oder am Felsen, um in Form zu bleiben. Auf die Frage, ob sie es nicht manchmal bereut so viel Zeit für den Sport zu opfern, antwortet sie: „Nein, ich habe nicht das Gefühl wegen der Kletterei etwas wichtigeres zu versäumen. Im Gegenteil: Die ganzen Wettkämpfe haben mir Reisen nach Australien, Südafrika, Ecuador und Schottland ermöglicht. Das waren tolle Erfahrungen.“  
 
Alexandra Ladurners Formkurve zeigt wieder steil nach oben. Als erste Südtirolerin meisterte sie dieses Jahr eine Boulderroute mit dem extrem anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad 8a. Das nächste sportliche Ziel hat die Studentin schon vor Augen: eine Top-Platzierung beim Italiencup im Bouldern. Ladurner ist auch im Privatleben zielstrebig. Im Sommer machte sie bei Salewa ein Praktikum im Bereich internationales Marketing. Als nächstes will sie ihr Wirtschaftsstudium an der Uni Bozen mit dem Bachelor abschließen und dann für einige Monate in die USA gehen. Was sie dort vorhat? Klettern natürlich. 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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