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Julia Forcher im Porträt

Die Powerfrau

Sie filmt, modelt, fährt Motocross und will irgendwann ihren eigenen Kinofilm produzieren. Julia Forcher ist Kamerafrau und gerade richtig gefragt.

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Julia Forcher steht vor und hinter der Kamera. In ihrer Freizeit fährt sie Motocross.

Bild: Julia Forcher

Aufnahmen aus der Luft, Landschaftsbilder, Szenen zwischen Wiesen, Wäldern und Schnee – und mittendrin Julia Forcher. Mal vor, mal hinter der Kamera. Einen Tag lang dauerte der Dreh in den Marteller Bergen für das dreieinhalbminütige Video „Zufall“. Es ist die zweite Folge des Youtube-Kanals Epicness Awaits, den Kamerafrau Julia Forcher zusammen mit ihren Kollegen Samuel und Elias Gianordoli betreibt.

Nach dem Filmen geht es an den PC zum Schneiden und zur Nachbearbeitung von Ton und Schnitt. Eine aufwendige Arbeit. Aber eine, die die 23-Jährige nicht mehr missen möchte. Das Filmen hat Julia schon als kleines Kind fasziniert. Damals hielt ihr Vater Momente von ihr und ihren beiden Schwestern mit der Videokamera fest. Schon bald fängt Julia selbst an, Videos zu drehen. Seit sie acht Jahre alt ist, weiß sie: Sie will hinter der Kamera stehen.

Im März diesen Jahres schließt sie ihr Studium der Filmproduktion und Visual Effects an der Privat-Uni SAE Institute München ab. Ihr Abschlussprojekt ist die Produktion von „Of Monster and Human" von Julian Perretta, gecovert von Tracy Merano alias Theresa Gutweniger. Für die Singer-Songwriterin hat Julia Forcher bereits das Musikvideo zum Song „Not Enough“ gedreht. „Ich habe vor dem Dreh alles genau im Kopf“, sagt Julia. Manchmal verzichtet sie deshalb auf ein Drehbuch.

Die Kastelbellerin beim Videodreh, für den sie auch vor der Kamera steht.

Bild: Julia Forcher

Julia lässt sich in ihrer Arbeit ungern dreinreden. Während ihre Studienkollegen für ihr Abschlussprojekt mit einer Crew von bis zu zehn Leuten zusammenarbeiteten, entwickelte sie alles selbst. Sie wählte die Location, organisierte die Kostüme und baute die Maske des „Monsters“ im Film. Nur beim Filmen half ihr ein Freund. Samuel Gianordoli ist selbst in der Filmbranche. Er besuchte die Bayrische Akademie für Fernsehen in München. Der 23-Jährige arbeitet heute zusammen mit seinem Bruder im eigenen Unternehmen Cinemepic in Prad am Stilfserjoch. Julia ist nach dem Studium bei den Beiden eingestiegen.

Schluss mit langweiligen Videos

Zu dritt produzieren die Vinschger vor allem Imagevideos für Unternehmen und Hotels und wollen mit frischen Ideen überzeugen. „Bei vielen klassischen Imagevideos geht ein Paar durchs Hotel, ins Zimmer und in den Wellnessbereich. Das ist doch langweilig“, findet Julia. Mittlerweile können Cinemepic von der Filmproduktion leben, auch wenn es immer noch schwierig ist. „Gerade in Südtirol finden viele das Filmen zu teuer, weil sie oft nicht verstehen, wie viel Arbeit hinter einer Videoproduktion steckt“, weiß Julia. Vor der eigentlichen Arbeit müsse sie den Auftraggebern deshalb immer erst erklären, dass sie als Team zu dritt mit mehreren Kameras den ganzen Tag über filmen und auch die Nachbearbeitung inklusive Ton und Schnitt bezahlt werden muss.
Julia steht erst am Beginn ihrer Karriere. Dennoch konnte sie bereits einige Kontakte in der Filmbranche knüpfen. Kontakte, die ihr neue Türen öffnen.

Julia Forcher beim Dreh für einen Werbespot mit Jerome Boateng.

Bild: Screenshot

Drehen mit Boateng, Neuer und M'barek

Um ihr Taschengeld aufzubessern, jobbt Julia während des Studiums als Kleindarstellerin. So ist sie in „Willkommen bei den Hartmanns“ zu sehen, im McDonalds-Werbespot mit Fußballspieler Jérôme Boateng, in der Coca-Cola-Werbung mit Tormann Manuel Neuer und in der Sky-Werbung mit Schauspieler Elyas M'Barek. „Es wird immer nur eine Szene pro Tag gedreht. Teilweise steht man also zwölf Stunden herum und ist dann im Film eine Minute lang zu sehen“, erzählt Julia.

Durch ihre Jobs als Kleindarstellerin knüpft Julia Kontakte in der Filmbranche. Am Set lernt sie auch die Produzenten der neuen TV-Sendung „Dirndl on tour“ kennen. Heute Abend noch fährt sie zusammen mit Samuel und Elias an den Gardasee, um die erste Folge dafür zu drehen. Alle zwei Monate geht es für sie dann für acht Tage um die Welt. Von Helsinki bis nach Kapstadt. Eine zusätzliche Einnahmequelle für die junge Filmemacherin. Denn geregelte Arbeitszeiten gibt es in ihrem Job nicht. Sie arbeitet von Projekt zu Projekt. „Und man muss spontan sein“, sagt Julia Forcher.

Leidenschaft Motocross

Im Winter geht Julia Snowboarden, im Sommer Wakeboarden. Auch das Modeln und vor allem das Motocrossfahren zählen zu ihren Leidenschaften. „Ich weiß nicht warum, aber ich finde den Sport cool. Ich wollte schon immer meine eigene Motocross haben“, sagt sie.

Wenn sie Männern von ihrem Hobby erzählt, glauben sie es ihr erst, wenn sie Bilder zeigt.

Bild: Julia Forcher

Schon als Kind ist sie fasziniert von Motorrädern. Mit 18 kauft sie sich von ihren Ersparnissen ihr erstes Motorrad. Eine TM 125 Supermoto. Sie glaubt, damit ihren Durst nach Motorrädern gestillt zu haben. Kurz danach muss eine geländetaugliche Motocross-Maschine her. Eine Husqvarna 85. Heute ist Julia damit regelmäßig im Safety Park und rund um Kastelbell unterwegs. Wenn sie erzählt, dass sie Motocross fährt, glaubt es ihr anfangs kaum jemand. Sie passt eben nicht ins Klischee. „Ich muss immer erst Fotos zeigen“, sagt die zierliche Blondine und lacht. Auch wenn sie unterwegs auf Passanten trifft, schauen die meist erstaunt: „Sie lachen, weil es ein ungewöhnlicher Anblick ist.“ Die Motocross kommt auch im ein oder anderen ihrer Videos zum Einsatz.

Julia möchte weiter an den kleinen Projekten von Cinemepic mitarbeiten und irgendwann vielleicht selbst einen Kinofilm produzieren. „Das muss man als Filmemacherin einfach einmal gemacht haben“, sagt sie. Es soll ein Film an Schauplätzen in Südtirol und München werden, vielleicht auch mit ihrer Motocross. Ideen dafür hat sie bereits.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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