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FAIRweile bei Anna Volgger

Die Berührbare

Anna Volgger ist seit zehn Jahren Freiwillige im Weltladen Sterzing. Warum ihr der faire Handel ein Anliegen ist und sie manchmal mit einem Kopftuch durch die Straßen geht.

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Bild: Maria Lobis

Es ist wie mit dem Ei oder mit Anna Volggers Armband: Die 57-jährige Frau aus Ridnaun weiß genau, wie die Hennen leben, deren Eier sie beim Bauern kauft. Und sie hat die Schmuckproduzentin in Nepal kennengelernt, deren Armband sie trägt. Sie war dabei, als die Künstlerin mit ihrer Pinzette die Farben geschickt in dessen Vertiefungen tropfen ließ. In einem Billigladen würde die pensionierte Grundschullehrerin ein ähnliches Band um zwei Euro bekommen. Aber das nepalesische Geschenk ist ihr so wertvoll, dass sie es mit einem Karabiner am Arm gesichert hat.

Ausführlich mit Globalisierung beschäftigt sich Anna Volgger seit einem Jahrzehnt: 2008 hat sie als Freiwillige im Weltladen von Sterzing begonnen. Eine frühere Lehrerkollegin hat sie für das ehrenamtliche Engagement begeistert und Reisen zu Projektpartnern haben sie zum Nachdenken gebracht. Sie hat Frauen im globalen Süden kennengelernt, welche die angebotenen Kleidungsstücke im Weltladen genäht, gestrickt und mit Pailletten versehen haben. Liebevoll streicht Anna Volgger über Schals, Mützen und Pullover: „Als säßen die Produzentinnen hier neben mir im Geschäft”, sagt sie, und würden sie auffordern, ihre Ware gut an die Frau zu bringen. Vor allem weibliche Kundinnen interessieren sich für Kleidung, Körbe und Holzspielzeug. Männer kaufen vor allem Lebensmittel wie Kaffee, Kakao, Reis, Nudeln oder Bananen. Bei der jüngeren Kundenschicht sind Männer und Frauen inzwischen gleichmäßig vertreten.

Die Wipptalerin erzählt vom schweißtreibenden Kakaopflücken bei Fair-Trade-Partnern in Ecuador. Der Gedanke, dass Kinder andernorts auf Kakaoplantagen ohne Lohn ausgebeutet werden und Schokolade auch in Südtirol ganz billig über den Ladentisch geht, stimmt sie nachdenklich. Beim fairen Handel gibt es keine Zwischenhändler, dafür direkten Kontakt zu den Produzentinnen und Produzenten. „Wir haben so die Möglichkeit, auf die vielfältigen Anregungen unserer Kundinnen und Kunden schnell zu reagieren.“

Anna Volgger redet von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen in den Partnerprojekten. Viele hätten wenig zu lachen, dafür aber Mut und Hoffnung. Vor allem Frauengenossenschaften haben sie beeindruckt – in Nepal genauso wie in Mexiko oder Ecuador.

Weil Anna Volgger gerne herausfordert, bindet sie sich manchmal ein Kopftuch um und spürt die Vorbehalte, die sie auslöst.

Anfangs brachte sich die Ridnaunerin wöchentlich einen halben Tag lang im Sterzinger Weltladen ein, inzwischen kommt sie zweimal im Monat. Sie ist eine von 20 Freiwilligen. Sie packt die gelieferte Ware aus und räumt sie in die Regale, bepreist die Artikel, berät die Kunden und bedient die Kassa. Das hat ihr anfangs am meisten zu schaffen gemacht. Jeden Abend kommt ein Bankangestellter und macht den Tagesabschluss – ehrenamtlich. Das beruhigt.

Ihr wachsendes Wissen über internationale Zusammenhänge trägt die rührige Mitarbeiterin auch in Wipptaler Schulen. Sie bereitet mit Kindern faires Frühstück zu und informiert über Anbaubedingungen und Leben der Menschen im globalen Süden. Anna Volggers dunkler Teint kurbelt die Phantasie der jungen Leute an: Als sie in einer Grundschulklasse vom fairen Handel erzählte, drückte ihr ein Mädchen einen Euro in die Hand – zum Mitnehmen in die Heimat. Und weil die Frau aus Ridnaun gerne herausfordert, bindet sie sich manchmal ein Kopftuch um und spürt die Vorbehalte, die sie auslöst. Dieses Mal ohne Kopftuch geht sie beschwingt durch die Sterzinger Altstadt. Mehrere Männer aus Nigeria bitten um Geld. Sie kennt einige beim Namen und bleibt bei jedem stehen. Geld bekämen sie dieses Mal keines, sagt sie bestimmt, einen freundlichen Gruß aber jeder. Das verbindet. Irgendwie ist es wie mit dem Ei vom Bauern.

von Maria Lobis

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