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Der Wetterfrosch

Dieter Peterlin, Meteorologe des Landeswetterdienstes, spricht über Klimawandel, Tadel nach Fehlprognosen und Moderatorinnen im Privatfernsehen.

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Bild: Oliver Kainz
Ein heißer Julitag in Bozen. BARFUSS trifft den Meteorologen Dieter Peterlin im Gastgarten des traditionsreichen Batzenhäusl in der Andreas-Hofer-Straße. Der 31-Jährige aus Kaltern wirkt so, wie ihn die Fernsehzuschauer im Wetterbericht des Senders Bozen kennen: glaubwürdig und seriös aber nicht verkrampft, aufgeschlossen und freundlich aber nicht kumpelhaft. Zur Erfrischung bestellt Peterlin einen großen Holundersaft. Das Gespräch beginnt.
 
Als Wetterfrosch wissen Sie das sicherlich: Sind Frösche wirklich zuverlässige Wettervorhersager?
Bei schlechtem Wetter sind Frösche tief im Gras unterwegs, während sie bei schönem Wetter auf die Pflanzen hinauf krabbeln. Aber damit lässt sich keine zuverlässige Wettervorhersage erstellen. Das Bild des Wetterfroschs taugt mehr als Metapher.
 
Nervt Sie Smalltalk über das Wetter?
Nein, denn das Wetter ist für mich Beruf und Berufung zugleich. 
 
Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Ihnen aus?
Mein Arbeitstag beginnt um sechs Uhr morgens, wenn ich einen Blick auf die aktuellen Satelliten- und Radarbilder werfe. Ein erstes Wetter-Update schicke ich dann um sieben Uhr an die Radiosender. Eine halbe Stunde später geht der erste Wetterbericht im Bürgernetz online. Das Wetter ist in den Medien immer ein Topthema, deshalb schreiben wir Meteorologen viele Berichte für die Zeitungen und geben Interviews. Im Laufe des Tages werten wir immer wieder Daten aus und präzisieren den Wetterbericht.
 
Sie stehen für den Sender Bozen auch ab und zu vor der Kamera. Haben Sie Lampenfieber?
Zu Beginn war es schon ungewohnt vor der Kamera zu stehen. Ich bin ja ein studierter Meteorologe und kein Moderator. Mittlerweile ist die Aufregung gewichen, zumal der Wetterbericht in der Tagesschau nicht live gesendet, sondern vorher aufgezeichnet wird. 
 
Wie sicher sind die Wettervorhersagen? 
In Südtirol können wir das Wetter für den nächsten Tag durchschnittlich mit 90-prozentiger Sicherheit voraussagen. Für den zweiten Tag herrscht dann nur noch eine 80-prozentige Sicherheit und ab dem fünften Tag liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorhersage eintrifft  bei unter 50 Prozent. 
 
Gibt es Tadel, wenn Sie das Wetter nicht präzise genug voraus sagen?
Früher haben die Südtiroler den Wetterbericht mit der Einstellung verfolgt: Was der uns erzählt, stimmt sowieso nicht. Mittlerweile treffen die Vorhersagen recht präzise ein und folglich verlassen sich die Leute immer häufiger auf den Wetterbericht. Wenn uns aber eine Fehlprognose unterläuft, ist die Kritik umso lauter. Die Erwartungen an uns sind in den letzten Jahren einfach gestiegen.
Manche Hoteliers wünschen sich, dass wir schönes Wetter prognostizieren, damit die Gäste den Südtirol-Urlaub buchen. Aber wir versuchen so objektiv wie möglich zu bleiben. Wir vermeiden deshalb auch Begriffe wie „Schönwetter“, denn jeder versteht unter dem Begriff schönes Wetter" etwas anderes. 
 
Stichwort Klimawandel: Hysterie oder ernstzunehmende Gefahr?
Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Mensch den Klimawandel verursacht. Die Daten der letzten 100 Jahre zeigen ganz klar, dass es in Südtirol wärmer geworden ist. Das kann auch positive Effekte haben, wenn beispielsweise die höher gelegenen Almen durch die Sommerfrische neu belebt werden. Der Gletscherrückgang ist aber eine absolut ernstzunehmende Gefahr. 
 
Aber Wetterextreme hat es immer schon gegeben.
Es stimmt, dass es immer wieder Kälte- und Wärmewellen gibt. Viele Menschen machen aber den Fehler und rufen nach einem kalten Frühling: Wo bleibt denn der Effekt des Klimawandels? Dieses Phänomen muss man über einen langen Zeitraum verfolgen. Der Anstieg der Temperaturen in den letzten 30 Jahren ist wirklich besorgniserregend.  
 
Wer ist Ihr persönliches Vorbild?
Ich finde den ORF-Meteorologen Marcus Wadsak ganz gut. Er präsentiert seine eigenen Prognosen seriös und authentisch. Mir gefällt zum Beispiel nicht, wenn Moderatorinnen im deutschen Privatfernsehen den Wetterbericht zur Show machen. Das sind meist gutaussehende Präsentatoren, aber keine Meteorologen.
 
Dürfen wir uns auf einen schönen restlichen Sommer freuen?
Mit dieser Frage werden wir oft konfrontiert. Es gibt langfristige Prognosen, aber die sind absolut unzuverlässig. Das Wetter ist einfach zu komplex für langfristige Vorhersagen. Ganz ehrlich: Kein Mensch kann jetzt präzise vorhersagen, wie das Wetter im August sein wird.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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