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Der Stürmer

Manuel Fischnaller zählt zu den besten Fußballern Südtirols. Im Interview spricht er über die WM und seinen Traum, irgendwann in der Serie A zu spielen.

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Bild: Matthias Mayr

Manuel Fischnaller ist einer der besten Fußballer Südtirols. Der 23-Jährige begann seine Karriere mit viereinhalb Jahren beim FC Neugries. Sein älterer Bruder Hannes (arbeitet heute in der Marketingabteilung des FC Südtirol) trainierte bei Neugries, Manuel sah zu, dann lud ihn der Trainer ein, mitzuspielen. Mit 14 kam er zum FC Südtirol, nach einem kurzen Zwischenspiel bei Juventus Turin landete er in Kalabrien, wo er die vergangenen zwei Jahre für Reggina Calcio spielte. Vor wenigen Tagen sicherte sich der FCS (aktuell Serie C1) die Transferrechte an Fischnaller, dieser möchte sich aber einen Serie B-Verein suchen.
Zum Interviewtermin kommt er mit seiner Schwester Sarah und bestellt einen Radler. 

Manuel, der FC Südtirol hat heuer ganz knapp den Sprung in die Serie B verpasst. Du hast selbst mehrere Jahre für den FCS gespielt. Wie beurteilst du die Saison?
Sie sind schwach in die Saison gestartet, haben sich aber dann stark gesteigert. Ich denke, beide Mannschaften hätten sich den Aufstieg verdient, auch Pro Vercelli. Aber schon das Finale ist ein großer Erfolg für den FC Südtirol. Schade, dass es nicht geklappt hat, aber ich denke sie können zufrieden sein. Leider wird ein Aufstieg in den kommenden Jahren wegen der Ligareform noch schwieriger. Aber früher oder später kommen wir in die Serie B.

Wir?
Ich fühle mich als Teil des Teams, in dem Verein bin ich groß geworden.

Hast du noch Kontakt zu den Spielern?
Ja, ich höre regelmäßig Hannes Fink und Hannes Kiem, wir sind befreundet. Mit dem Tormann hab ich mal bei Reggina gespielt.

Ist die Serie A für den FC Südtirol in Reichweite?
Ich denke schon. Sie arbeiten darauf hin, Schritt für Schritt. Das ist ohnehin besser als es mit der Brechstange zu versuchen.

Ist Südtirol reif für die Serie A?
Noch nicht. Südtirol ist nicht fußballfanatisch. Aber wenn man aufsteigt wird auch das Interesse steigen, da kann sich was entwickeln.

Welche Mannschaft hat bei der diesjährigen Weltmeisterschaft überrascht?
Costa Rica zum Beispiel. Sie haben erst Uruguay geschlagen, und dann auch Italien. Ich hab das Spiel gesehen, und muss sagen sie haben zu Recht gewonnen. Sie waren besser, sind mehr gelaufen. Dass Spanien draußen ist, ist schade, aber sie haben in den letzten Jahren alles gewonnen, es ist gut, dass ein neuer dran ist. Kolumbien ist auch stark.

Wer wird Weltmeister?
Ich denke Brasilien, Argentinien oder Deutschland. Holland glaub ich eher nicht.

Was macht ein Holländer, nachdem er die WM gewonnen hat?
Er schaltet die Playstation aus. (lacht)

Du hast eine gute Saison bei Reggina gespielt, warst in 34 von 42 Spielen auf dem Platz und hast sechs Tore geschossen. Trotzdem ist die Mannschaft abgestiegen. Wie war deine persönliche Saison, im Rückblick?
Mit meiner persönlichen Saison bin ich zufrieden. Aber klar, der Abstieg ist das, was zählt, der wird mir als Makel immer anhängen.

Du gehörst seit kurzem wieder vollständig dem FC Südtirol, weil sie mehr für dich geboten haben als Reggina. Weißt du, um welche Summe es ging?
Das hat man mir nicht gesagt.

Transfermarkt.de gibt deinen Wert mit 500.000 Euro an. 
Das sind nur Zahlen, das bedeutet mir nichts.

Die „gehörst“ jetzt dem FCS. Wie fühlt es sich an, einem Verein zu gehören?
Darüber denk ich nicht nach. Sicher klingt es komisch, wenn es heißt, der Verein verkauft mich. Aber so ist es, ich bin damit aufgewachsen, es ist normal.

Wie ist es, mit den Erwartungen der Fans umzugehen? Belastet das?
Ich lese schon lange keine Foren mehr. Da stehen viele Unwahrheiten, ich will mich nicht damit belasten. Mal ist man Held, mal Idiot, das kann sehr schnell gehen. Die Reggina-Fans sind recht fanatisch, aber das darf dich als Spieler nicht beeinflussen.

Wie viel ist Arbeit, wie viel Talent?
Fünfzig-fünfzig. Mit Arbeit und Kampfgeist kann man viel wettmachen. Andere verschwenden ihr Talent, weil es im Kopf nicht passt. 

Wo werden wir dich nächstes Jahr spielen sehen?
Mein Ziel ist, in der Serie B zu bleiben. 

Werden wir dich mal in der Serie A sehen?
Ich hoffe es … Ich weiß, es ist schwierig, aber ich weiß, dass ich mich steigern kann. Ich werde viel an mir arbeiten müssen.

Hast du Pläne für die Zeit nach der Karriere?
Keine Ahnung. Ich weiß auch nicht, was ich täte, würde ich nicht Fußball spielen. 

 

Matthias Mayr

überzeugter Heimkehrer, solange man ihm seinen Reisepass nicht abnimmt. Salurner, Maschggramensch, mag es barfuß, warm und sonnig.
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