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Auf a Glas'l mit Matthias Lang

Der Jungregisseur

Matthias Lang dreht bald seinen ersten Kinofilm. Wie er String-Tangas durch den Zoll brachte, bevor er Geschichtenerzähler wurde und was er am Set von Harry Potter gelernt hat.

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Matthias Lang

Bild: Lisa Maria Kager

Matthias Lang ist 28 Jahre alt und dreht in einigen Wochen seinen ersten Kinofilm. „König Laurin” nennt sich das Werk des Jungregisseurs, das gleichzeitig seine Diplomarbeit sein wird. Im Interview erzählt Lang von seinen Lehrjahren als Praktikant, wie er durch das Porträt eines „Hundekloautomatennachfüllers“ an der Filmhochschule in München angenommen wurde und wie es dazu kam, dass er sich heute Jungregisseur nennen darf. Im Hotel Sheraton in Bozen bestellt Matthias eine Cola und einen Burger und verbringt seine Mittagspause Auf a Glas'l mit mir. Auf den ersten Bissen folgt die erste Frage.

Matthias, man nennt dich hierzulande Regisseur. Darf man das überhaupt schon?
Regisseur ist man, sobald man einen Film macht. Also kann ich mich eigentlich noch nicht wirklich Regisseur nennen, denn mein erster, großer Kinofilm steht ja noch in den Startlöchern. Momentan bin ich also noch Kurzfilmregisseur oder Jungregisseur. Letzteres klingt am besten, das schmeichelt (grinst).

Und wie kommt es, dass du Jung-Regisseur geworden bist?
Normalerweise haben Regisseure jetzt eine spannende Geschichte auf Lager: Wie sie mit acht Jahren eine Kamera gefunden haben oder als kleines Kind eine zu Weihnachten geschenkt bekommen haben ...

Genau so etwas hätte ich mir jetzt auch erwartet ...
(lacht) Bei mir war es leider nicht so spannend. Als Kind war ich eine große Leseratte und wollte deshalb schon immer Schriftsteller werden und Geschichten erzählen. Ich war ein großer Fan von Astrid Lindgren oder Thomas Brezina und der Knickerbockerbande. Als ich dann älter war, so zwischen zwölf und 14 Jahren, ist mein Interesse an der Technik erwacht. Mit 17 habe ich dann realisiert, dass man das Geschichtenerzählen ja mit der Technik kombinieren kann. Der Beruf als Regisseur ist zwar kräftezehrend und aufwendig, aber er macht auch richtig Spaß und ist abwechslungsreich. Und da ich immer einen abwechslungsreichen Beruf wollte, war die Wahl, Regisseur zu werden, perfekt.

Bis man als Regisseur irgendwohin kommt, ist es aber bestimmt ein langer Weg, oder?
Dazu gibt es ein gutes Sprichwort: Es ist hart, bis es einfach wird.

Und momentan ist es noch hart?
Ja. Aber es wird auf alle Fälle immer besser. Der erste Kinofilm ist natürlich aufwendig, weil man alles zum ersten Mal macht. Aber mit dem Team an erfahrenen Leuten, das hinter mir steht, macht es super viel Spaß. Ich stehe quasi auf den Schultern von Giganten und kann dadurch umso leichter meine Vision erzählen. Es ist, als wäre ich der Dirigent eines perfekt eingespielten Orchesters.

Wie kamst du zur Ausbildung an der Filmhochschule in München?
Nach der Matura am Realgymnasium in Bozen habe ich zuerst als Produktionspraktikant bei einem ZDF-Sonntagsfilm gearbeitet. Sprich: um vier Uhr morgens Straßensperren auf einer unbefahrenen Straße irgendwo in Aschau am Chiemsee errichtet (grinst). Danach habe ich ein Praktikum bei einer Werbefilmproduktion absolviert. Dort musste ich beispielsweise für eine Unterwäschewerbung einen Koffer voller String-Tangas durch den deutschen Zoll kriegen (grinst). Parallel zum Praktikum habe ich mich schließlich an der Filmhochschule in München beworben. Für die Bewerbung musste ich einen Kurzfilm zu einem Thema drehen, eine Idee für einen Kinofilm niederschreiben und eine Idee für einen Dokumentarfilm vorweisen, die man mit zehn Fotos belegen musste. Unser Thema lautete: Porträt eines Automatennachfüllers. Dafür habe ich einen Hundekloautomatennachfüller in Graz zwei Tage lang begleitet und dokumentiert, was seine Arbeit so ausmacht. Anhand der schriftlichen Bewerbungen wurden 30 Leute zu den folgenden Auswahlrunden eingeladen. In denen musste man Szenen inszenieren, Auswahlgespräche überstehen und ein eigenes Projekt vorstellen. Schließlich konnte ich mich zu den neun glücklichen Auserwählten zählen. Und nun stehe ich bereits vor meiner Diplomarbeit.

Wie lange warst du dann in München?
Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester. Als ich genommen wurde, war ich 19, da wusste ich schon, dass ich nach dem Studium 23 sein würde. Mein Gedanke damals: Keiner gibt einem 23-Jährigen eine Million Euro, um einen Film zu drehen. Also habe ich beschlossen, die Zeit zu nutzen und neben dem Studium möglichst viel Erfahrung zu sammeln und viel zu lernen. Mein Vorsatz lautet nämlich: bis ich 90 Jahre alt bin, will ich jeden Tag etwas Neues lernen.

Du bist als Praktikant viel herumgekommen und warst nicht nur bei Two and a Half Men, sondern auch am Set von Harry Potter dabei. Was hast du von den großen Regisseuren dort gelernt?
Gelernt habe ich, dass alle nur mit Wasser kochen. Die Töpfe sind zwar manchmal größer, aber im Prinzip geht es immer ums Geschichtenerzählen. Ob man einen Film für viel oder wenig Geld macht, ist dabei egal. Natürlich ist in Hollywood das Dixie-Klo besser. Wenn es dort fünflagiges Klopapier gibt, gibt es bei uns leider nur einlagiges (lacht).

An welche Praktikantenstelle erinnerst du dich denn heute noch gerne?
An die bei Harry Potter. Den Leuten dort bin ich wirklich lange auf die Nerven gegangen, um das Praktikum zu kriegen. Es war super, zu sehen, dass es die ganzen Gebäude und die ganzen Requisiten wirklich gibt und viele Szenen nicht nur am Computer gemacht werden. Interessant ist auch, dass es im Film eine Figur namens Rufus Scrimgeour gibt, die nach dem Mann benannt ist, der die Harry-Potter-Hörspiele spricht: Rufus Beck. Und der spielt wiederum eine der Hauptrollen in meinem ersten Kinofilm. Damit schließt sich sozusagen der Kreis von meinen Anfängen zur Gegenwart.

Aktuell arbeitest du an deiner Diplomarbeit, einem gut besetzten Kinofilm über die Sage von König Laurin. Hast du schon alle Schauspieler zusammen? Wann geht es los mit dem König Laurin-Dreh?
Jetzt sind eigentlich die Wochen, in denen am meisten passiert. Am 27. April geht es los mit den Dreharbeiten. Momentan casten wir noch kleinere Rollen. Auch wenn das meiste schon besetzt ist, suchen wir beispielsweise noch Komparsen, die in Massenszenen durchs Bild laufen. Dafür kann sich jeder bewerben. Auch finanziell kann man sich noch am Film beteiligen, indem man bei unserem Crowdinvesting mitmacht. Man kann sich sozusagen Anteile kaufen und wird später am Einspielergebnis beteiligt. Die Umsetzung der Szenen wird auch noch in diesen Wochen geklärt. Neben den kreativen Fragen gilt es auch noch die logistischen zu klären. Wo kann man parken, wo stellen sich die LKW’s hin, wo ist ein Stromanschluss. Wenn dann erst einmal alles bereit ist, drehen wir sieben Wochen lang in Südtirol.

Wie groß ist das Team, das hinter so einer Produktion steht?
Das Team besteht aus etwa 70 Leuten. Mit am Set sind 40 bis 50 davon.

Hat die Südtiroler Filmszene deiner Meinung nach Potenzial?
Ich wollte immer schon in Südtirol einen Film drehen. Aber einen Film, der überall funktionieren kann und ein allgemeines Thema behandelt. Südtirol ist total pärig. Hier ist noch vieles am Entstehen, man spürt den Pioniergeist. Die Menschen hier sind mit viel mehr Enthusiasmus dabei, als an anderen Orten. Für mich ist aber nicht der Ort ausschlaggebend, sondern die Geschichte, die ich erzähle, das Drehbuch und das Team, das ich um mich schare.

Warum hast du dich genau für die Geschichte von König Laurin entschieden?
Ich bin ja ursprünglich aus Eppan, dem Dorf mit der höchsten Burgendichte Europas. Da haben mich die ganzen Sagen, Legenden und Rittergeschichten immer schon interessiert. Daraus wollte ich einen Film für die ganze Familie machen. Mit einer tollen Geschichte, einem Konflikt und etwas Magischem.

Hast du die Szenen für den Film schon im Kopf, bevor du sie niederschreibst, oder wie läuft das bei einem Regisseur?
Ja, klar. Ich habe einen Vorteil: Alle anderen müssen noch ein Jahr warten, bis sie den Film zum ersten Mal sehen, ich hingegen habe ihn schon gesehen (grinst). Wenn man das Drehbuch schreibt, entstehen die Szenen schon im Kopf. Wenn man dann jedoch am Drehort ist, schaut das Ganze meist etwas anders aus als in der eigenen Vorstellung. Manchmal passt es auch genau, aber oft muss man seine Fantasie an die Realität noch etwas anpassen.

Bist du schon aufgeregt?
Klar. Jetzt vor Drehbeginn träume ich manchmal, dass meine Hauptdarsteller angefangen haben zu lispeln oder, dass ich am Set war und keiner gekommen ist. Es ist wirklich ein freudiger Stress gerade.

Woran werden wir Zuschauer dann den Lang in den zukünftigen Kinofilmen erkennen?
Die jetzige Produktion ist auf alle Fälle ein Lang-Film (grinst). Nein, Scherz. Ich bin ein sehr humorvoller Mensch und im Film wird es bestimmt einige Scherze geben, die „typisch Matthias“ sind. Vielleicht laufe ich ja auch einmal durch das Bild. So wie Hitchcock, der in jedem seiner Filme einmal durchs Bild gelaufen ist. Der hatte am Ende aber ein Problem: Die Zuschauer haben gar nicht mehr auf den Film geachtet, sondern nur noch nach Hitchcock gesucht. Deshalb taucht er bei Psycho auch relativ am Anfang auf (grinst). Also vielleicht überlege ich mir das mit dem Durch’s-Bild-Laufen doch noch einmal.

Matthias lässt offen, ob man ihn in „König Laurin“ sehen wird oder nicht. Die Cola ist leer. Nachdem er den Burger fast ganz verdrückt hat, hetzt der Jungregisseur zur Drehbuchbesprechung.

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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